|  2009-01-09
Von Anneke Bokern @ 09:22 Was ist denn jetzt los? Auf einmal wird Theo Jansen hip. Sogar design.nl berichtet über seine riesigen Strandtiere, die er aus PVC-Rohren und Kabelbindern bastelt.

Als ich vor ungefähr sechs Jahren einen Artikel für Mare darüber geschrieben habe, musste ich mir noch sagen lassen, das sei doch nur so komische Christo-Kunst. Dazu wurde abfällig die Nase gerümpft.
Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Ich war immer schon von Jansens Parallelfauna überzeugt.
2009-01-05
Von Anneke Bokern @ 16:44 Früher hatte ich das nie, aber in Amsterdam ist mir oft so einzelhandelig zumute. Die Supermärkte sind hier auf die Dauer eher langweilig und haben ein sehr beschränktes Sortiment, wenn man nicht gerade auf Halbfertigprodukte steht. Dafür ist die Stadt voller Winzigstläden, hinter deren Theken echte Überzeugungstäter stehen. Das kann durchaus unterhaltsam sein. Wie im vollgepfropften DVD-Laden auf dem Haarlemmerdijk, dessen Besitzer jeden, aber auch wirklich jeden Film kennt. Oder gegenüber im Teeladen, wo man zum halben Pfund Assam gleich noch die gesamte Lebensgeschichte des altersgrauen Windhunds der Besitzerin erzählt bekommt.
Aber was beim Einkauf charmant ist, ist es nicht unbedingt auch beim Museumsbesuch. Und doch ist das Stedelijk Museum unter die Tante-Emma-Läden gegangen. Seit dem Herbst logiert es in einem "Bauwagen", den Niels van Eijck und Miriam van der Lubbe entworfen haben und der alle paar Wochen seinen Standort ändert. Mal anschauen, dachte ich mir letzten Samstag, und hoffte auf eine nette kleine Installation oder ähnliches. Schließlich ist das Museum selbst noch mindestens bis Frühjahr 2010 geschlossen. Mit so einer Situation muss man doch irgendwie kreativ umgehen.
Drinnen gibt es jedoch gar nix zu sehen. Dort warten nur zwei zugegebenermaßen sehr freundliche Damen vor einer Kaffeemaschine, plaudern mit den wenigen zufälligen Besuchern über die Zukunft des Stedelijk und informieren über Leihgaben, die in anderen Ausstellungen zu sehen sind. Ja, die Westentaschen-Metropole Amsterdam... Stedelijk geschlossen bis 2010, Rijksmuseum noch im Umbau bis 2013, Kunstzentrum De Appel ab April bis auf weiteres geschlossen – und als Ersatz gibt's ein Tässchen Kaffee und ein paar warme Worte.
2008-11-10
Von Anneke Bokern @ 10:43 Gestern hab ich ihn gesehen, den Schädel. Und ich muss sagen: Es hat sich tatsächlich gelohnt. Eine halbe Stunde haben wir draußen in der Schlange gewartet (was vor allem an der Flughafen-ähnlichen Sicherheitskontrolle am Eingang zum Rijksmuseum liegt), eine halbe Stunde haben wir noch einmal drinnen in der Schlange gestanden, dann durften wir in die Blackbox. Dort schwebte in einer Glasvitrine das Schädelchen und glitzerte ganz wunderbar in allen Regenbogenfarben. Der Kontrast zwischen den Diamanten und den echten, plötzlich sehr menschlich wirkenden Zähnen ist schon unglaublich. Irgendwie kann man sich der Faszination dieses Dings nicht entziehen.
Letztlich glaube ich aber, dass es hier viel weniger um das (zugegebenermaßen sehr schöne) Objekt, sondern eher um seine Inszenierung geht. Erster Teil des Coups ist, dass es Hirst überhaupt gelungen ist, seinen Luxus-Schädel ins Rijksmuseum einzuschleusen, wo er zum temporären Nachbarn von Stücken wie Vermeers Milchmagd und Rembrandts Nachtwache geworden ist. Die einen sind durch die Zeit geadelt, der kleine Emporkömmling dagegen durch seinen Geldwert... Außerdem ist der Besucher hier eindeutig Teil des Kunstwerks. Das beginnt bereits beim Schlangestehen. In der Blackbox angekommen, drücken sich alle die Nasen an der Vitrine platt, die schon ganz voller fettiger Abdrücke ist. Jeder will so nah wie möglich an das Artefakt heranrücken. So etwas hatte ich bisher nur im Topkapi-Palast in Istanbul gesehen, wo sich die Besucher auf ähnliche Weise an eine Vitrine mit einem Barthaar des Propheten drückten. Und spätestens beim Anblick der Leute, die im Museumsshop schädelverzierte T-Shirts, Schlüsselanhänger und Basecaps kaufen, könnte einem dann wirklich ein "Oh, for the love of god..." entfahren.
Was man sich allerdings hätte schenken können, ist der Raum, in dem Hirst eine persönliche Auswahl von Werken aus der Sammlung des Rijksmuseum präsentiert. Naheliegenderweise zeigt er Vanitas-Stilleben und solche mit totem Federvieh, begleitet von völlig nichtssagenden Kommentaren. Das riecht dann doch wieder unangenehm nach hohlem Kunststarkult.
Wer For the Love of God sehen möchte, kann das noch bis 15. Dezember tun.
2008-08-28
Von Anneke Bokern @ 14:09 Vom 1. November bis 15. Dezember kann man sich im Rijksmuseum in Amsterdam den berühmt-berüchtigten Diamantenschädel von Damien Hirst ansehen. Es handelt sich um einen Schädelabguss aus Platin, besetzt mit 8601 lupenreinen Diamanten, den der Künstler "For the Love of God" getauft hat.
Hirst hat die luxuriöse Totenkopfskulptur letztes Jahr geschaffen und probierte damals, sie für 75 Millionen Euro an den Sammler zu bringen. Das ist ihm nicht gelungen. Statt dessen kaufte letztlich eine Investorengruppe, zu der Hirst selber gehört, das gute Stück. Um doch noch ein bisschen was einzuspielen, geht es jetzt auf Tournee durch diverse europäische Museen. Als erstes hat das Rijksmuseum zugeschlagen. Wer findet, dass das Museum sein Geld zurückverdienen sollte, kann sich jetzt schon auf der Website eine Eintrittskarte sichern.

2008-08-26
Von Anneke Bokern @ 10:28 Wenn sich irgendwelche Architekten in meinem Bekanntenkreis mal für alte niederländische Gemälde begeistern können, dann geht es meist um Kirchenbilder von Pieter Janszoon Saenredam. Normalerweise braucht man ihnen mit Rembrandt, Rubens und Zeitgenossen ja gar nicht zu kommen. Alles viel zu braun, zu schwülstig und zu fleischig. Aber Saenredams strahlend weiße, aufgeräumte Kircheninterieurs treffen den modernen Architektengeschmack.
Wie stilsicher Saenredam tatsächlich war, wusste ich allerdings bisher auch nicht. Denn wie ein Wissenschaftler von der Stichting Kerkelijk Kunstbezit Nederland gestern verkündete, hat man herausgefunden, dass die niederländischen Kirchen gar nicht so aussahen wie Saenredam sie malte. In Wirklichkeit waren die Wände nicht alle geweißelt. Außerdem hingen sie voller Dekorationen, und die Böden waren mit Grabplatten gespickt. Saenredam hat ganz bewusst alles weggelassen, was seiner Meinung nach den Raumeindruck störte. Vorauseilender Lessismorismus also. Womit er den Architekten noch sympathischer werden dürfte.

Pieter Jansz Saenredam, St. Odulphus-Kirche in Assendelft (1649), Rijksmuseum Amsterdam
Foto: Wikimedia Commons
2008-06-18
Von Anneke Bokern @ 10:31 Diesen Sommer könnte man in den Niederlanden ohne Unterlass von einem buitenkunst-Event zum nächsten hoppen. Ich glaube, es wird hier demnächst kaum noch einen Park geben, der nicht voller Skulpturen steht. Hier eine Liste zum Abarbeiten:
- Am renommiertesten ist auf jeden Fall die Skulpturenausstellung im Park Sonsbeek in Arnheim. Ich sage nur: Rietveld und Aldo van Eyck. Dieses Mal steht sie unter dem sehr schön unniederländischen Motto "Grandeur" und läuft vom 13.6. bis 21.9. Mit dabei sind Werke von u.a. Eylem Aladogan, Steiner & Lenzlinger, Marijke van Warmerdam, Michel François und Tomas Saraceno.
- Dann wäre da noch die Skulpturenausstellung Wanderland im barocken Lustgarten De Oude Warande in Tilburg, organisiert von der Fundament Foundation. Die Betonung liegt dieses Mal laut den Organisatoren auf "dem Grotesken und Vergänglichen". Klingt gut. Dabei sind u.a. David Altmejd, José Damasceno, Subodh Gupta, Paul McCarthy, Jonathan Meese, Jens Pfeifer und Erwin Wurm. 28.6.-28.9.
- In Apeldoorn findet außerdem die Internationale Triennale für Garten- und Landschaftsarchitektur statt. Thema 2008: "Erinnerung und Transformation". 11.6.-28.9.
- Auch im Fort Asperen bei Leerdam passiert diesen Sommer mal wieder was. "Dichter op de Huid" heißt die Veranstaltung, die die Rolle der menschlichen Haut in Kunst, Philosophie, Design und Wirtschaft erkunden soll. Welche Künstler genau vertreten sind steht nicht auf der Website, aber ein Ausflug zur Fortruine lohnt sich sowieso immer. 13.6.-21.9.
- Nicht wirklich draußen, aber sicherlich auch interessant ist die Ausstellung Infiltrate the City im Medialab Enschede, mit Arbeiten von u.a. Martijn Sandberg und John Körmeling. Es geht um das Verhältnis von Kunst und Städtebau. Bei der Gelegenheit kann man sich auch gleich noch den gerade fertiggestellten Stadtteil Roombeek sowie den neuen Kulturcluster von SeArch ansehen. 19.6.-13.7.
2008-06-11
Von Anneke Bokern @ 09:57 Vorgestern Abend fietste ich nach dem Genuss von Fußballspiel und Grillgut entlang der Oostelijke Handelskade nach Hause und wunderte mich: Auf der Spitze des Java Eiland ragte ein breiter, weißer Lichtstrahl in den Himmel. Es waren aber weder ein Festival noch ein Zirkus in Sicht, die ihn hätten erklären können. Im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass er ein Werk von Rioji Ikeda ist und zur Veranstaltung Dream Amsterdam 2008 gehört. Offenbar finden sich die Lichtinstallationen bis 21. Juni an verschiedenen Orten in der Stadt, und am letzten Abend gibt es auf dem Java Eiland auch noch eine Klanginstallation von Ikeda zu hören. 2008-05-22
Von Anneke Bokern @ 12:56 Seit einigen Tagen hängt am Weena-Hochhaus in Rotterdam ein großes Vogelnest. Als ich gestern Abend daran vorbeikam, hörte man alle paar Minuten laut einen Vogel krähen, woraufhin ein Mann im grauen Anzug mit ausgebreiteten Armen langsam aus dem Nest herauskam wie ein Kuckuck aus der Uhr, ein paar Mal mit den Armen wapperte und wieder verschwand. Auf Fußgängerniveau sorgte das für viel Heiterkeit. Vom surinamesischen Hiphopper bis hin zum gestriegelten Geschäftsmann blieben alle stehen, starrten gebannt auf den Turm und machten Handyfotos. So auch ich.
Es handelt sich übrigens um Nest Rotterdam, eine Performance des belgischen Künstlers Benjamin Verdonck. Auf der dazugehörigen Website gibt es viel bessere Fotos, auf denen man auch die ziemlich grauenhaft hässliche Stadtkulisse bewundern kann, in der das Nest hängt. Und hier noch der unvermeidliche Youtube-Link. Wenn man's nicht besser wüsste, könnte man es glatt für so eine Viral-Marketing-Kampagne halten.


2008-04-14
Von Anneke Bokern @ 13:42 Schon seit Jahren machen der Fotograf Ari Versluis und die Stylistin Ellie Uyttenbroek ihre großartigen Fotoserien namens Exactitudes. Inzwischen haben sie eine beachtliche Anzahl dieser Stilstudien zusammengetragen. Viel mehr will ich dazu gar nicht erzählen. Klickt einfach, der Rest spricht für sich.

2008-03-25
Von Anneke Bokern @ 13:06 Im dichten Schneetreiben verschlug es mich am Ostermontag ins immer wieder schöne Huis Marseille in der Keizersgracht. Dort läuft gerade eine Ausstellung mit Werken des niederländischen Fotografen Edwin Zwakman, die den höchst passenden Titel "Fake but Accurate" trägt.
Zwakmans Fotos zeigen niederländische Alltagstristesse. Strommasten auf dem Polder, Plastikstühle im Reihenhaus-Garten, Zimmertüren in leeren Wohnungen, Hochhausfassaden. Bei näherem Hinsehen stimmt aber irgendwas nicht. Wieso sehen die Grünkohl-Reihen so schwammig aus? Wieso sind die Fensterscheiben so komisch wellig? Der Grund versteckt sich im Ausstellungstitel. Zwakmans Fotos zeigen keine niederländische Realität, sondern liebevoll gebastelte Modelle. Bis ins kleinste Detail baut er Einkaufswagen, Bananenkisten, Landschaften und Gebäude nach und verlässt sich ansonsten darauf, dass der Betrachter sowieso immer genau das sieht, was er sehen will. Eine großartige Ausstellung – aber besser nur hingehen, wenn man nicht gerade den Niederlande-Frust hat. Denn letztlich ist es natürlich doch die niederländische Realität, die Zwakman abbildet. Bis 25.5.

Edwin Zwakman, Fly-Over III, 2003

Edwin Zwakman, 3 Things, 2007

Edwin Zwakman, Ontbijt II, 1997
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