|  2009-02-17
Von Anneke Bokern @ 12:49 Der Vondelpark wird neu möbliert, und zwar mit Bänken, Laternen und einem Kiosk aus schwarz lackiertem Gusseisen, entworfen von der Landschaftsarchitektin Anouk Vogel. Die in Amsterdam lebende Schweizerin hat bei einem Designwettbewerb, der vom Stadtteil Oud-Zuid ausgeschrieben wurde, den ersten Preis gewonnen. Fontänen, Schilder und Mülleimer sollen noch folgen. Ab 2010 wird die Parkmöblierung schrittweise ersetzt.
Ich finde die Möbel ja recht zeitgeistig und marcelwanderesk. Hoffentlich sind sie nicht schon völlig aus der Mode, wenn sie endlich aufgestellt werden. Die schlichten Laternen, auf denen nur ein paar Eisenvögelchen hocken, dürften die längste ästhetische Halbwertzeit haben.
2009-02-13
Von Anneke Bokern @ 12:21 Wie lockt man Leute in eine Ausstellung, die normalerweise keinen Fuß in ein Museum oder eine Galerie setzen würden? Darüber zerbrechen sich niederländische Museumsdirektoren schon lange den Kopf. Die Politik fordert ständig mehr laagdrempeligheid (wörtlich: "Niedrigschwelligkeit"), und meist wissen die Ausstellungsmacher darauf keine bessere Antwort, als das Niveau zu senken.
Gerade bin ich auf der höchst eigenwilligen Website des Designers Bert Jan Pot über eine Aktion gestolpert, die er 2003 gemeinsam mit Maarten Baas durchgeführt hat. Um Passanten zum Besuch ihrer gemeinsamen Ausstellung in der Artothek Den Haag zu bewegen, stellten sie damals vor der Galerie ein Schild auf: "Drinnen gratis pinkeln". Im Inneren führten die Wegweiser zur Toilette durch die gesamte Ausstellung und danach erst zum Ziel.
Ob alle Passanten so lange durchgehalten haben, weiß ich nicht. Aber vermutlich war die Ausstellung auch nicht besonders groß, denn Baas und Pot waren 2003 noch längst nicht die Designstars, die sie jetzt sind.
Ob das auch beim Rijksmuseum, Witte de With oder De Pont funktionieren würde? Nein, es würde ja schon am Eintrittsgeld scheitern...
2009-02-05
Von Anneke Bokern @ 11:50 Es ist mal wieder Messezeit in Rotterdam, und dieses Mal bringt die Art ihren neuen Ableger Objekt Rotterdam mit.
Bei der Art Rotterdam, die gestern eröffnet wurde, ist alles beim alten. Präsentiert wird angenehme, bezahlbare Kunst der zweidimensionalen Sorte. Nicht aufregend, aber auch nicht nervig. Manch eine Galerie schreibt inzwischen schon die Raten für die kunstkoopregeling mit aufs Preisschild, was die Kunst gleich noch viel erschwinglicher aussehen lässt.
Interessanter war, wie Objekt Rotterdam geraten würde. Die neue Messe für "autonomes Design" will letztlich in dieselbe Kerbe schlagen wie Design Miami Basel, zeigt also Auflagenstücke von Designern, die sich auch gerne mal als Künstler bezeichnen, und bedient damit den Trend. Wie vage das alles eigentlich noch ist, zeigte sich bei der Podiumsdiskussion mit Renny Ramakers und diversen Droog-Händlern aus dem Ausland, die vor der Eröfnung stattfand. Als eine Journalistin am Ende der Diskussion fragte, was man denn nun unter "autonomem Design" verstehen solle, fiel eine peinliche Stille so dick wie Brei über den Saal. Nicht mal Renny persönlich wusste eine Antwort oder wagte sich auch nur an eine Definition.

Tejo Remy, Chest of Drawers XS, Droog Design; Scholten & Baijings, Serious Business, Thomas Eyck
Der anschließende Messebesuch verschaffte auch keine Aufklärung. Die Messe ist recht überschaubar. Im Angebot sind Objekte von Richard Hutten, Ted Noten, Vincent de Rijk und einigen anderen großen Namen, Institutionen wie die Vivid Gallery aus Rotterdam, Royal Tichelaar aus Makkum und natürlich Droog sind auch dabei, es gibt Sonderausstellungen vom Designhuis aus Eindhoven sowie vom Zuiderzeemuseum aus Enkhuizen, und sonst gibt es vor allem Schmuck und Kleinkeramik. Viel Schmuck und Kleinkeramik, und das nicht immer mit allzu hohem konzeptionellen Anspruch. Teils wähnte ich mich fast im Kunsthandwerk-Weihnachtsmarkt in der Frankfurter Paulskirche.
Was ist also "autonomes Design"? Irgendjemand schlug vor, es als Gegenteil von "anonymem Design" zu definieren. Aber der hatte wohl "autonom" und "Autor" verwechselt.
2009-01-30
Von Anneke Bokern @ 09:20 Es kann mich immer noch überraschen, wie unglaublich viele interessante Designer es in diesem Kleinstland gibt. Heute bin ich zum ersten Mal auf der Website der Stone Twins gelandet, die gerade die Leitung der Abteilung "Man and Communication" an der Design Academy in Eindhoven übernommen haben.
Die Website der Agentur, die irgendwo zwischen Design und Werbung pendelt, ist etwas anstrengend, Spaß macht aber die Sprachauswahl zwischen "Jargon" und "No-Nonsense". Das würde manch einer Designer- und Architektenwebsite gut tun... Viele wären vermutlich gar nicht wiederzuerkennen, wenn man ihre auftraggebergerechte Schulterpolstersprache durch Klartext ersetzen würde.
Bei design.nl gibt es ein Interview mit Declan und Garech Stone anlässlich ihres neuen Amts an der Design Academy.
2009-01-15
Von Anneke Bokern @ 14:44 "Wie entwirft man einen Raum für jemanden, der sich eigentlich gar nicht darin aufhalten will?", fragt Willem van der Sluis alias Customr zu Beginn der Internet-Präsentation seines Sportdome. Dann folgen Fotos von einem Projekt, das den typisch niederländischen Designcocktail aus Pragmatismus, Unkonventionalität und einem Schuss Poesie so virtuos mixt, wie schon lange keins mehr. Anhand dieses Bauwerks könnte man ganz wunderbar über das Verhältnis von Innen- und Außenraum philosophieren, aber das sollte man vielleicht besser irgendwann einmal morgens um drei nach diversen Gläsern Wein tun.

Foto: Josje Deekens
Von Anneke Bokern @ 14:23 Wenn ich Zeit hätte, würde ich am kommenden Sonntag definitiv einen Tagesausflug nach Antwerpen unternehmen. Im Designzentrum Winkelhaak gibt es einen Flohmarkt mit dem schönen Namen Dubieus Design. Laut Ankündigung gehören zum Angebot alle möglichen Designklassiker von Eames, Perriand, Jacobsen, Nelson und so weiter, aber auch belgische Kunst aus den 60ern und ein Lagerverkauf von Vlaemsch. Extremis mischt auch irgendwie mit, und das Künstlerkollektiv Atelier Solarshop veranstaltet im eigenen Studio so etwas wie das Off-Programm.
2009-01-06
Von Anneke Bokern @ 14:57 Wer immer schon mal wie Vermeers Mädchen mit den Perlenohrringen aussehen wollte – und das nötige Kleingeld hat –, kann jetzt bei Royal Tichelaar Makkum eine Porzellanversion der klassischen Schmuckstücke erstehen, gestaltet von Alexander van Slobbe. Es gibt sie mit weißer, roter, grüner, schwarzer, silberner oder goldener Glasur sowie in Silber mit delftblauem Segelbootdekor. Sehr hübsch...
   2008-12-10
Von Anneke Bokern @ 09:34 Vor ziemlich genau zwei Jahren habe ich mich an dieser Stelle über Tord Boontjes Weihnachtskollektion für die amerikanische Kaufhauskette Target gewundert. Jetzt wundere ich mich aufs neue, dieses Mal jedoch über Marcel Wanders' Weihnachtskollektion für die niederländische Kaufhauskette Bijenkorf. Wobei: Wundere ich mich eigentlich? Nicht wirklich.
Marcel Wanders geizt schon lange nicht mehr beim Verbreiten seiner Marke. Aus dem Droog-Designer, der einen revolutionären Stuhl aus Karbon-Garn und Vasen in Form von Rotzpartikeln entwarf, ist ein Medienstar geworden. Nun hat er also für die Edelkaufhauskette Bijenkorf - dass der Bijenkorf edel ist, macht der Amsterdamer gerne daran fest, dass das Haus keine ordinären "verdiepingen" sondern "etages" hat - eine Weihnachtskollektion designt. Dazu gehören Weihnachtsbaumkugeln, Cocktailkleider, Teddybären und Herrensocken. Zitat aus dem Pressebericht: "Das exklusive Wanders-Konzept ist inspiriert von den 3 Queens, einer freien Interpretation der Heiligen Drei Könige. Diese Gallionsfiguren - Black Queen, Golden Queen und White Queen - sind in der gesamten Kollektion und Entourage präsent. So dominieren sie die Schaufenster- und Innendekoration, und auch das BIJmagazine steht im Dezember im Zeichen der Luxury Queens."

Vase und Etagere, Marcel Wanders für Bijenkorf
Hat er da nicht was durcheinander geworfen? Drei Könige, drei Grazien... Egal. Fürs Design heißt das vor allem, dass die Objekte schwarz-weiß-golden und im Wanders-typischen Barockpop-Stil gehalten sind. Wahrhaftig nichts neues, wird sich aber verkaufen wie warme oliebollen. Ach ja, und im Interview mit dem NRC Handelsblad hat Wanders bereits angekündigt, dass er nächstes Jahr eine Weihnachtskollektion für eine viel berühmtere amerikanische Kaufhauskette entwirft, deren Namen er noch nicht nennen darf. Darf ich dreimal raten, einmal für jede der 3 Queens?

Cocktailkleider, Marcel Wanders für Bijenkorf
2008-12-04
Von Anneke Bokern @ 13:24 Vom Rotterdamer Designer Reinier de Jong stammt dieses flexible Bücherregal namens "Rek", das je nach Umfang der Hausbibliothek wächst oder schrumpft. "Rek" heißt übrigens so viel wie... äh, dafür gibt es auf Deutsch gar kein schönes Wort. Geht in die Richtung von Dehnbarkeit, ist aber gleichzeitig auch ein Gestell.



via Dezeen
2008-12-02
Von Anneke Bokern @ 13:29 Immer mehr holländische Designer stellen superteure Editionen für Galerien her. Die Diskussion über die Definition von Design, Designkunst und Kunst sowie die Abgrenzungen dazwischen sollte hier also eigentlich toben. Tut sie aber nicht. Wenigstens hat Jurgen Bey neulich in einem Interview, das ich mit ihm gemacht habe, ein paar weise Sätze zu dem Thema gesagt:
JB: Unter Galerie-Bedingungen können wir experimentieren und Themen untersuchen, die wir später wieder auf sehr funktionale Fragestellungen übertragen. Denn darum geht es uns ja, wir sind schließlich Produktdesigner und keine Künstler. Wir beschäften uns mit viel praktischeren Fragen.
Ist das Ihrer Meinung nach der Unterschied zwischen Kunst und Design?
JB: Ja, das ist für mich der große Unterschied. Im Design geht es um praktische Fragen, Kunst stellt grundlegendere Fragen.
Der Unterschied liegt also in den Fragen und nicht in den Antworten?
JB: Ja, das glaube ich. Künstler können natürlich auch eine praktische Fragestellung zum Ausgangspunkt nehmen, aber wir als Designer können nicht einfach so zur Kunst übergehen. Wenn man Kunst als etwas definiert, wovon es immer nur ein Exemplar geben darf, dann liegt man meiner Meinung nach völlig falsch. Wenn das die Definition ist, kann ich auch Kunst machen. Aber das ist sie nicht.
Das ist doch mal ein deutlicher Standpunkt. Cherchez la question!
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