waldturm und teehaus

[Architektur]

Ein Sonntagsausflug brachte mich letzte Woche auf das Landgut Schovenhorst im Osten der Niederlande. Irgendwer scheint dort guten Geschmack zu haben, wenn es um Architektur geht. Letztes Jahr wurde jedenfalls ein sehr hübsches neues Teehaus eröffnet, entworfen vom jungen Amsterdamer Büro na-ma, das vom Niederländer Maarten van Tuijl und der Japanerin Naoko Hikami geführt wird. Diese Mischung sieht man dem Teehaus deutlich an: niederländische Formensprache und japanische Details, das ist immer eine gute Paarung.

Im Inneren versprüht das Café einen leichten Hauch von protestantischem Gemeindezentrum, aber das liegt weniger an der Architektur als an den Hinzufügungen der Betreiber. Hydrokulturpflanzen gehören verboten. Zum Ausgleich hängen von der Decke sehr schöne tropfenförmige Leuchten.

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teehaus

Aber die gute Architektur auf dem Landgut hört mit diesem kleinen Pavillon noch nicht auf. Nur wenige Meter entfernt vom Teehaus baut SeArch momentan ein Besucherzentrum in Turmform mitten im Wald. Es ist zwar noch im Bau, sieht aber eigentlich schon ziemlich fertig aus, vermutlich wird es im Frühjahr eröffnet.

toren bostorenrender

Von weitem bemerkt man den 40 Meter hohen Turm kaum, denn seine rostige Stahlstruktur verschwindet fast zwischen den Bäumen. Aus der Nähe ist er recht spektakulär, mit einer Treppe, die sich außen um ihn herum windet und auf dem Weg nach oben durch mehrere Raumboxen führt. Ganz oben befindet sich eine runde Plattform mit einem Durchmesser von 17 Metern, auf der ein Stück Wald in der Luft schwebt.

Fotos: Miguel Loos, Rendering: SeArch

öko-camping-klohaus

[Architektur]
Ach herrje... Gibt es etwas nervtötenderes als Nachhaltigkeits-Exhibitionismus? Müssen ökologisch wertvolle Gebäude zwangsweise aussehen wie von Rentierpulliträgern mundgebissen? Ich dachte, das hätten wir hinter uns.

erick van egeraat bankrott

[Architektur]
Jetzt hat die Finanzkrise auch bei den Architekten zugeschlagen: Wie Building Design meldet, hat Erick van Egeraat Konkurs angemeldet. Geschichten über Entlassungen bei bekannten Büros hört man zwar schon seit Wochen, aber wer hätte das gedacht? Ausgerechnet einer der niederländischen Architekten, die im Ausland richtig erfolgreich sind...

nachhaltigkeitszentrum am abschlussdeich

[Architektur]

Im Februar wird ein Architekturwettbewerb für den Bau eines "World Sustainability Centre" am Afsluitdijk lanciert. In diesem Zentrum sollen Forscher aus aller Welt Nachhaltigkeitsstudien betreiben und außerdem ein Hotel mit 40 Zimmern untergebracht werden. Der Baubeginn ist für 2013 geplant.

So allmählich wird man schon ganz mürbe von all den groß angekündigten Nachhaltigkeitsinitiativen. Dabei wäre das nachhaltigste, was man in den Niederlanden tun könnte, vermutlich einfach eine nachträgliche Isolierung bestehender Wohnhäuser. Persönlich heize ich ein komplettes Flachdach und einen durchbetonnierten Laubengang-/Wohnungs-/Balkonboden mit. Außerdem haben die meisten älteren Häuser in Holland einfach verglaste und unglaublich schlecht schließende Fenster, und die Anschaffung alternativer Energiequellen wie Solarzellen wird immer noch nicht ordentlich gefördert.

Was mir aber vor allem aufgefallen ist, ist das Foto vom Opernhaus in Oslo auf der Website des Wettbewerbs. Was, bitte schön, hat denn ein Gebäude mit Nachhaltigkeit zu tun, das mit 38 000 monolithischen Marmorblöcken verkleidet ist, die in Carrara abgebaut, zum Schneiden nach China verschifft und dann zurück nach Norwegen geschafft wurden (wo es Natursteinvorkommen ohne Ende gibt)? Das monumentalste an dieser Oper ist ihr ökologischer Fußabdruck.

Aber ihre Ikonenhaftigkeit ist natürlich höchst marketingtauglich. Hoffen wir mal nicht, dass das das Leitbild für das zukünftige niederländische Nachhaltigkeitszentrum sein soll.

ansehnliches provisorium

[Architektur]

Das Thema temporäre Architektur ist in den letzten Jahren sicherlich zur Genüge durchgenudelt worden. Worin seine Faszination liegt, ist schnell erklärt: vorauseilende Nostalgie, charmante Spontaneität, niedliche Maßstäbe und entsprechende Miniaturbudgets, die auf Auftraggeber offenbar krampflösende Wirkung haben.

gymnasium
Foto: John Lewis Marshall

Dass auch dieses Gebäude temporär ist, sieht man dagegen auf den ersten Blick gar nicht. Es ist ein neues Gymnasium im Amsterdamer Holzhafen, entworfen von HVDN. Im Holzhafen, wo sich derzeit ein Studentenwohndorf aus (ebenfalls von HVDN) umgebauten Containern und einem alten Kreuzfahrtschiff befindet, soll in den nächsten Jahren ein neues Wohngebiet entstehen. Dieses Wohnviertel braucht dann auch eine Schule, die aber erst in fünf bis zehn Jahren gebaut werden wird. Bis es soweit ist, gibt es schon mal diesen modularen Bau mit zum Holzhafen-Kontext passender Holzfassade. Die Idee ist, dass die Schule an einem anderen Ort wieder aufgebaut werden kann, sobald der definitive Bau sie ersetzt.

bibliothek utrecht 3.0

[Architektur]
Die Seifenoper um den Neubau der Stadtbibliothek von Utrecht geht weiter: Heute hat der Richter entschieden, dass die Gemeinde Utrecht die eingereichten Entwürfe noch einmal von einer neuen Jury beurteilen lassen muss. Also alles zurück auf Los – mal abgesehen davon, dass die Beiträge natürlich nicht mehr anonym sind. Jetzt gilt es nur noch, die passende Jury zum gewünschten Entwurf zusammenzustellen.

Lebkuchen-Schiffahrtsschule

[Architektur]

Keine Ahnung, wo dieses Bild herkommt, wer der talentierte Konditor/Modellbauer/Künstler ist, zu welchem Anlass die architektonische Torte entstanden ist und ob sie überhaupt noch existiert, aber ihre Ähnlichkeit mit dem Original ist einfach entwaffnend.

lebkuchen

Gefunden bei Archinect. Falls jemand etwas Näheres darüber weiß, bitte melden! Vielleicht wurde sie ja bei der Weihnachtsfeier von Neutelings Riedijk serviert?

studentenwohnheim in enschede

[Architektur]

Ich weiß, die schweizer Leser dieses quasi-schweizerischen Blogs dürften jetzt bereits vor Lachen gekrümmt auf dem Boden liegen. Als ordentlicher Kletterer kraxelt man in Grindelwald oder so an einer rustikalen Felswand, aber sicher nicht an irgendwelchen Neubaufassaden. Aber was bleibt den Niederländern denn anderes übrig? Der höchste Berg in diesem Land misst stolze 322 Meter und ist eher ein sanfter Hügel als ein Fels.

Das hier ist jedenfalls ein neues Studentenwohnheim auf dem Campus der Universität Twente in Enschede, entworfen von Arons & Gelauff. Die Seitenfassade ist gleichzeitig die zweithöchste Kletterwand der Niederlande.

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Fotos: Jeroen Musch

milland

[Architektur]

Ein kleines Weihnachts-Bonbon für zwischendurch, gefunden bei Archined, mit schönem Gruß an meinen Kollegen in Dubai!

milland

gerichtsverhandlung über bibliothek utrecht

[Architektur]

Der Kampf geht in die zweite Runde... Nächsten Donnerstag findet eine Gerichtsverhandlung zum Wettbewerb um den Neubau der Stadtbibliothek von Utrecht statt. Rapp + Rapp haben das Verfahren einleiten lassen, weil sie - wie hier berichtet - zuerst zum Gewinner erklärt worden waren, die Entscheidung kurz darauf aber aufgrund eines Zählfehlers revidiert wurde und der Beitrag von VMX Architects den Zuschlag bekam.

Da die Gemeinde daran festhält, wollen Rapp + Rapp laut Architectenweb nun vor Gericht beweisen, dass der Plan von VMX gar nicht den Anforderungen des Wettbewerbs entspricht, sie also sozusagen nachträglich disqualifizieren lassen. Ob das ein feiner Zug ist? Welche Mängel der Entwurf genau haben soll, soll erst bei der Verhandlung verkündet werden.

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