Wenn irgendwas das protestantisch-kühle Blut der Niederländer in Wallung bringen kann, dann das Thema Schlittschuhlaufen. Naja, und Fußballspiele gegen die Deutschen, aber das ist ein anderes Kapitel.
Es ist Januar, draußen herrschen Minusgrade, und so allmählich macht sich schaatskoorts, also Eislauffieber breit. Zwar wagt noch kaum jemand laut zu hoffen, dass es dieses Jahr die erste Elfstedentocht seit 1997 geben könnte, aber auf den Wassergräben in den Poldern tummeln sich schon seit Wochen die Eisläufer. Natürlich auf den noren genannten Schnelllaufschlittschuhen und nicht etwa auf diesen kurzkufigen Eisprinzessinnenschläppchen, auf denen der Rest der Welt herumstümpert.
Sobald die Temperatur mehr als fünf Nächte unter minus fünf Grad bleibt, werden auch in Amsterdam die Grachten nicht mehr durchgespült, damit sich eine tragfähige Eisschicht bilden kann. Dank Erderwärmung hatte ich das in meinen acht Wintern in dieser Stadt noch kein einziges Mal erlebt. Letzte Woche war es endlich so weit – und dann kam ein Rundfahrtboot der Rederij Meyers und pflügte durchs frische Eis auf der Keizersgracht wie ein Dessertlöffel durch die Crème Brûlée. Die Untat hat bei den Amsterdamern derartiges Entsetzen ausgelöst, dass es sogar einen Youtube-Film dazu gibt und die Partei D66 den Stadtteilrat zum Erlassen deutlicherer Fahrverbote aufgefordert hat. Hoffen wir mal, dass die Keizersgracht bald wieder heilt.