anouk vogel im vondelpark

[Design]

Der Vondelpark wird neu möbliert, und zwar mit Bänken, Laternen und einem Kiosk aus schwarz lackiertem Gusseisen, entworfen von der Landschaftsarchitektin Anouk Vogel. Die in Amsterdam lebende Schweizerin hat bei einem Designwettbewerb, der vom Stadtteil Oud-Zuid ausgeschrieben wurde, den ersten Preis gewonnen. Fontänen, Schilder und Mülleimer sollen noch folgen. Ab 2010 wird die Parkmöblierung schrittweise ersetzt.

Ich finde die Möbel ja recht zeitgeistig und marcelwanderesk. Hoffentlich sind sie nicht schon völlig aus der Mode, wenn sie endlich aufgestellt werden. Die schlichten Laternen, auf denen nur ein paar Eisenvögelchen hocken, dürften die längste ästhetische Halbwertzeit haben.

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gratis pinkeln

[Design]

Wie lockt man Leute in eine Ausstellung, die normalerweise keinen Fuß in ein Museum oder eine Galerie setzen würden? Darüber zerbrechen sich niederländische Museumsdirektoren schon lange den Kopf. Die Politik fordert ständig mehr laagdrempeligheid (wörtlich: "Niedrigschwelligkeit"), und meist wissen die Ausstellungsmacher darauf keine bessere Antwort, als das Niveau zu senken.

gratis Gerade bin ich auf der höchst eigenwilligen Website des Designers Bert Jan Pot über eine Aktion gestolpert, die er 2003 gemeinsam mit Maarten Baas durchgeführt hat. Um Passanten zum Besuch ihrer gemeinsamen Ausstellung in der Artothek Den Haag zu bewegen, stellten sie damals vor der Galerie ein Schild auf: "Drinnen gratis pinkeln". Im Inneren führten die Wegweiser zur Toilette durch die gesamte Ausstellung und danach erst zum Ziel.

Ob alle Passanten so lange durchgehalten haben, weiß ich nicht. Aber vermutlich war die Ausstellung auch nicht besonders groß, denn Baas und Pot waren 2003 noch längst nicht die Designstars, die sie jetzt sind.

Ob das auch beim Rijksmuseum, Witte de With oder De Pont funktionieren würde? Nein, es würde ja schon am Eintrittsgeld scheitern...

waldturm und teehaus

[Architektur]

Ein Sonntagsausflug brachte mich letzte Woche auf das Landgut Schovenhorst im Osten der Niederlande. Irgendwer scheint dort guten Geschmack zu haben, wenn es um Architektur geht. Letztes Jahr wurde jedenfalls ein sehr hübsches neues Teehaus eröffnet, entworfen vom jungen Amsterdamer Büro na-ma, das vom Niederländer Maarten van Tuijl und der Japanerin Naoko Hikami geführt wird. Diese Mischung sieht man dem Teehaus deutlich an: niederländische Formensprache und japanische Details, das ist immer eine gute Paarung.

Im Inneren versprüht das Café einen leichten Hauch von protestantischem Gemeindezentrum, aber das liegt weniger an der Architektur als an den Hinzufügungen der Betreiber. Hydrokulturpflanzen gehören verboten. Zum Ausgleich hängen von der Decke sehr schöne tropfenförmige Leuchten.

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teehaus

Aber die gute Architektur auf dem Landgut hört mit diesem kleinen Pavillon noch nicht auf. Nur wenige Meter entfernt vom Teehaus baut SeArch momentan ein Besucherzentrum in Turmform mitten im Wald. Es ist zwar noch im Bau, sieht aber eigentlich schon ziemlich fertig aus, vermutlich wird es im Frühjahr eröffnet.

toren bostorenrender

Von weitem bemerkt man den 40 Meter hohen Turm kaum, denn seine rostige Stahlstruktur verschwindet fast zwischen den Bäumen. Aus der Nähe ist er recht spektakulär, mit einer Treppe, die sich außen um ihn herum windet und auf dem Weg nach oben durch mehrere Raumboxen führt. Ganz oben befindet sich eine runde Plattform mit einem Durchmesser von 17 Metern, auf der ein Stück Wald in der Luft schwebt.

Fotos: Miguel Loos, Rendering: SeArch

qual der wahl

[Kurioses]

Neulich in einem Café, am Tisch hinter mir.

Gast: "Ich hätte gerne einen Tee. Welche Sorten haben Sie denn?"
Bedienung: "Sie bekommen bei uns eine ganze Kiste mit verschiedenen Teebeuteln zur Auswahl."
Gast: "Ach, wie schön! Dann hätte ich gerne einen Cappuccino."

Ich konnte ihn irgendwie verstehen. Immer diese Setzkästen voller Zheng Shan Lapsang Souchong, Drowsy Morning Fluffy Wakeup, Summer Cherry Blossom Herbal Infusion und wie auch immer sie alle heißen mögen. Zum Glück ist Starbucks mit seinen komplizierten Kaffeekompositionen noch nicht so recht in Holland angekommen.

art und objekt rotterdam

[Design]

Es ist mal wieder Messezeit in Rotterdam, und dieses Mal bringt die Art ihren neuen Ableger Objekt Rotterdam mit.

Bei der Art Rotterdam, die gestern eröffnet wurde, ist alles beim alten. Präsentiert wird angenehme, bezahlbare Kunst der zweidimensionalen Sorte. Nicht aufregend, aber auch nicht nervig. Manch eine Galerie schreibt inzwischen schon die Raten für die kunstkoopregeling mit aufs Preisschild, was die Kunst gleich noch viel erschwinglicher aussehen lässt.

Interessanter war, wie Objekt Rotterdam geraten würde. Die neue Messe für "autonomes Design" will letztlich in dieselbe Kerbe schlagen wie Design Miami Basel, zeigt also Auflagenstücke von Designern, die sich auch gerne mal als Künstler bezeichnen, und bedient damit den Trend. Wie vage das alles eigentlich noch ist, zeigte sich bei der Podiumsdiskussion mit Renny Ramakers und diversen Droog-Händlern aus dem Ausland, die vor der Eröfnung stattfand. Als eine Journalistin am Ende der Diskussion fragte, was man denn nun unter "autonomem Design" verstehen solle, fiel eine peinliche Stille so dick wie Brei über den Saal. Nicht mal Renny persönlich wusste eine Antwort oder wagte sich auch nur an eine Definition.

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Tejo Remy, Chest of Drawers XS, Droog Design; Scholten & Baijings, Serious Business, Thomas Eyck

Der anschließende Messebesuch verschaffte auch keine Aufklärung. Die Messe ist recht überschaubar. Im Angebot sind Objekte von Richard Hutten, Ted Noten, Vincent de Rijk und einigen anderen großen Namen, Institutionen wie die Vivid Gallery aus Rotterdam, Royal Tichelaar aus Makkum und natürlich Droog sind auch dabei, es gibt Sonderausstellungen vom Designhuis aus Eindhoven sowie vom Zuiderzeemuseum aus Enkhuizen, und sonst gibt es vor allem Schmuck und Kleinkeramik. Viel Schmuck und Kleinkeramik, und das nicht immer mit allzu hohem konzeptionellen Anspruch. Teils wähnte ich mich fast im Kunsthandwerk-Weihnachtsmarkt in der Frankfurter Paulskirche.

Was ist also "autonomes Design"? Irgendjemand schlug vor, es als Gegenteil von "anonymem Design" zu definieren. Aber der hatte wohl "autonom" und "Autor" verwechselt.

kmounakaré

[Kurioses]

Neulich sprach mich abends auf der Straße nahe dem Waterlooplein ein Holländer mittleren Alters an. "Sorry", sagte er, gefolgt von etwas, das der Name der Hauptstadt eines mir bislang unbekannten zentralafrikanischen Landes hätte sein können: "Kmounakaré".

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Einen Moment später dämmerte mir, was er meinte. "Immer auf dieser Seite an der Amstel entlang!", sagte ich, und er ging weiter.

"Kmounakaré" hieß so viel wie "Ik moet naar het Carré", oder höflicher formuliert: "Ich muss zum Theater Het Carré. Könnten Sie mir vielleicht sagen, wie ich dort hinkomme?". Aber derartiges Geplänkel liegt den Niederländern ja bekanntlich nicht so. Wozu auch? Seine Auskunft hat er bekommen.