|  2008-10-31
Von Anneke Bokern @ 09:22 Die Euro-Banknoten waren ja für Architekten eher eine Enttäuschung. Statt echten Bauten von echten Architekturstars sind auf ihnen nur Disneyland-Verschnitte historischer Stilstereotypen zu sehen, architektonische Wolpertinger, sozusagen. Da ist so eine chinesische Banknote mit Olympiastadion schon besser für die Seele des Berufsstands.
Jetzt können auch die Niederlande mit Architektengeld aufwarten. Kürzlich wurde das "architectuur-vijfje" herausgebracht, eine 5-Euro-Gedenkmünze in Silber. Auf der Vorderseite bilden die Namen von berühmten niederländischen Architekten ein Porträt von Königin Beatrix. Mit dabei sind Cuypers, Rietveld, Peutz, Berlage, Aldo van Eyck, Herman Hertzberger, Ben van Berkel, Winy Maas, Sjoerd Soeters, Francine Houben, Michiel Riedijk und eigentlich alle anderen, die Rang und/oder Namen haben. Über die Bedeutung der Reihenfolge, in der sie erscheinen, kann man sicher viel spekulieren. Den Anfang der Lakritzschnecke bildet jedenfalls Rem Koolhaas, wer sonst. Überrascht hat mich Marc Koehler – er ist kaum 30 Jahre alt und hat erst zwei oder drei Gebäude realisiert, und schon steht er auf einer Gedenkmünze, wenn auch relativ weit innen, wo die Lettern sehr klein sind.

Auf den ersten Blick etwas rätselhafter ist die Kehrseite der Medaille. Nach längerem Studium wurde mir klar, das dort Buchrücken dargestellt sind, von Farmax über SMLXL bis Urban Flotsam. Interessante Idee.

2008-10-30
Von Anneke Bokern @ 12:51 Und noch eine Entdeckung aus Eindhoven: Floris Hovers, der einen Stand bei Strijp S hatte. Er nennt seine Arbeit "industrielles Handwerk". In den Möbeln steckt viel Prouvé, aber angereichert mit kleinen Tricks, wie der orangefarbenen Schnürung des "Fixed Chair".


Publikumsliebling waren allerdings die niedlichen "Archetoys", liebevoll handgebastelte Modellautos, die ab Ende November in der Kollektion von Goods zu finden sind.
Von Anneke Bokern @ 12:35 2008-10-29
Von Anneke Bokern @ 10:38 Vor kurzem wurde in Rotterdam ein neuer Spielplatz von 2012 Architecten eröffnet. Wie üblich haben die Architekten dafür auf recyceltes Baumaterial zurückgegriffen, in diesem Fall auf einige ausgemusterte Offshore-Windmühlen, die sie für ein paar hundert Euro gekauft haben. Die Einzelteile haben sie mit Löchern perforiert und von einem Schiffsbauer zu Spielgeräten zusammensetzen lassen. Außerdem kamen die Cockpits von zwei F16-Bombern zu späten Ehren sowie einige Teile des alten Spielplatzes, der sich vorher am selben Ort befand.
Scheint Spaß zu machen, wie die Fotos von Allard van der Hoek zeigen.

Von Anneke Bokern @ 09:40 Ach, du grüne Neune... Gestern wurde das Modell für den niederländischen Pavillon auf der Expo 2010 in Shanghai enthüllt. John Körmeling hat ihn als "ideale Stadt" entlang einer Straße in Form einer 8 gestaltet. Dort reihen sich Repliken von niederländischen Architekturklassikern (Van Nellefabriek, Citroenwerkstatt am Amsterdamer Olympiastadion, Rietvelds Chauffeurshäuschen) auf, in denen Präsentationen über innovativen Umgang mit Raum, Wasser oder Energie gezeigt werden.

Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder wird das in Wirklichkeit ganz toll gemacht und viel stilvoller, als das Modell aussieht. Halte ich für eher unwahrscheinlich. Oder Körmeling will die Chinesen und ihre Kopierlust ebenso in die Pfanne hauen wie die Holländer und ihre Vorliebe für Vergnügungsparks. Zwei Fliegen auf einen Streich also. Als Exkursions-Vorbereitung empfehle ich den Film Pretpark Nederland von Michiel van Erp.
2008-10-27
Von Anneke Bokern @ 11:05 Am Wochenende war ich bei der Dutch Designweek in Eindhoven, und in den nächsten Tagen werde ich hier häppchenweise meine Entdeckungen aus den Graduation Galleries und von Strijp S posten.
Den Anfang macht, weil's so schön aktuell ist, eine Lampe von Ralph Nauta vom Studio Drift aus Eindhoven. Wieviele Fässchen der Lampenschirm des Oil Light zählt, hängt jeweils davon ab, wie hoch der Ölpreis am Tag des Lampenkaufs war.
2008-10-24
Von Anneke Bokern @ 10:50 Eigentlich war es eine nette Idee: ein Architekturwettbewerb für Low-Budget-Wohnhäuser, deren Entwerfer ihre Kreationen hinterher in Almere selber bauen und bewohnen sollten. "De Eenvoud", also "die Einfachheit" sollte das daraus resultierende Viertel heißen, in Anlehnung an die früheren Wohnexperimente "De Fantasie" und "De Realiteit".
Der Wettbewerb fand 2006 statt und brachte zwölf Gewinner aus den Niederlanden, Deutschland, Schweiz, Portugal und Schweden hervor. Sie hatten jeweils ein freistehendes Haus entwickelt, das für weniger als 120.000 Euro zu bauen sein sollte. Neun der Teams verkündeten aber sofort, dass sie ihre Häuser lieber verkaufen als selbst bewohnen wollten.
Wie Architectenweb meldet, ist De Eenvoud nun offenbar einen stillen, frühen Tod gestorben. Es fanden sich keine Käufer für die Häuser, und die Idee, nach Almere zu ziehen, fand auch keiner der Architekten so richtig reizvoll. Das ist verständlich, denn Almere ist wahrlich alles andere als ein kreativer Hotspot, was ja wiederum der Grund war, weshalb die Gemeinde gerne eine Handvoll junger Architekten angelockt hätte. Wobei ich aber finde, dass die Noorderplassen-West, wo das Viertel entstehen sollte, mit ihrem Blick aufs Wasser und ihrer abgeschiedenen Lage sicherlich einer der attraktivsten Orte in der Polderschlafstadt sind.
Die paar Architekten, die doch noch an einer Fortsetzung des Experiments interessiert sind, sollen sich nun auf Wunsch der Gemeinde zu einer Bauherrengemeinschaft zusammenschließen. Allerdings wird ihnen wohl ein anderer Ort zugewiesen, denn das ursprüngliche Grundstück an den Noorderplassen ist bereits anderweitig verplant.
2008-10-22
Von Anneke Bokern @ 13:16 Ach, sind die schön... Pieke Bergmans' Light Blubs (man beachte die verdrehten Buchstaben) waren schon letztes Jahr in der Graduation Gallery der Design Academy in Eindhoven zu sehen. Damals waren sie aber noch nicht ganz so überlebensgroß, glaube ich. In Wirklichkeit sind es übrigens gar keine Glühbirnen, sondern beherbergen die Glaskörper LEDs. Bergmans' eigener Definition zufolge handelt es sich um "light bulbs infected by the dreaded Design Virus".

via SwissMiss
Von Anneke Bokern @ 09:22 Ein oft gehörter niederländischer Satz, den ich, wenn ich einen Wunsch frei hätte, nie wieder hören wollte: "Tja, het is niet anders." Ausgesprochen wie ein einziges Wort ("tisnianders"), begleitet von Schulterzucken und resigniertem Gesichtsausdruck, in einem Moment, in dem eigentlich eine Entschuldigung fällig wäre.
2008-10-20
Von Anneke Bokern @ 10:17 Am Wochenende war ich in Kortrijk bei der Designbiennale Interieur. Immer wieder nett ist es dort: klein, aber fein, und überwiegend gute Stimmung.
Für den unwahrscheinlichen Erfolg dieser Biennale in einer belgischen Kleinstadt gibt es verschiedene Gründe. Einerseits ist es eine kuratierte Messe, bei der nur ausgewählte Produzenten zugelassen werden. Inzwischen gilt es fast als Auszeichnung, in Kortrijk dabei sein zu dürfen, weshalb die Aussteller sich bei der Einrichtung ihrer Stände richtig Mühe geben. Gleichzeitig bleibt die Veranstaltung überschaubar und ist relativ stresslos an einem Tag abzulaufen. Man spart sich all die Möbelhaus-Ware, die bei anderen Messen zwischen den wirklich interessanten Sachen gezeigt wird. Und weil Kortrijk als Stadt sonst eher wenig zu bieten hat, trifft man sich abends automatisch bei denselben After-Hour-Events wieder.
Designer des Jahres war dieses Mal Jaime Hayon – keine überraschende Wahl, aber dafür richtete der Spanier eine überzeugende Sonderausstellung ein.


Sonst gab's – wie immer in Belgien – vor allem viele Leuchten-Neuheiten, darunter den vielleicht etwas zu witzigen Spacewalker von Constatin Wortmann für Dark:

Der schönste niederländische Stand stammte, ebenfalls wie immer, von Prooff:

Der Preis für den unterhaltsamsten Stand gebührt dagegen zweifellos Modular Lighting Instruments, entworfen von Rotor. Sie hatten eine rümpelige, kleine Hüttenstadt gebaut, inklusive Gemüse- und Plattenladen, Strip-Bar und Autowerkstatt, in der man die Leuchten von Modular regelrecht suchen musste:




Seit kurzem ist in Kortrijk außerdem das Designstudio Quinze & Milan ansässig und hat gemeinsam mit Moroso einen Showroom in einer alten Fabrik eingerichtet. Arne Quinze persönlich führte am Freitag durch die Werkhallen und demonstrierte, dass er jetzt auch noch als Architekt tätig werden will. Nein, Barbara Becker war nirgends in Sicht.

|