tempo-team

[Kurioses]

Eigentlich ist das hier ein Nachtrag zu meinem alten Eintrag über Schmuddel in der holländischen Werbung. Wie ich damals schon schrieb, zeigen sowohl Werbekunden als auch Werber in den Niederlanden oft deutlich mehr Sinn für Humor (und Mut zum Schmuddeligen) als anderswo. Momentan gibt es mal wieder einen schönen Beweis dafür im Fernsehen zu sehen: den neuen Werbespot des Zeitarbeitsbüros Tempo-Team.

tempo 

boombench

[Design]

Hier noch ein Exponat der Experimenta, das ich zunächst gar nicht als solches erkannt habe. Vor zehn Tagen wartete ich in Amsterdam-Noord abends auf die Fähre. Auf einer hellblauen Bank neben dem Fähranleger hing ein Grüppchen marokkanischer Jungs rum und hörte sehr lauten Hiphop. Plötzlich meinte mein Freund: "Guck mal, die Musik kommt aus der Bank!". Die Bank hat nämlich integrierte Lautsprecher, und per Bluetooth kann man Musik aus seinem Handy oder Laptop durch die Bank in den öffentlichen Raum blasen.

Inzwischen habe ich erfahren, dass es sich um die Boombench von NL Architects handelt, die zur Ausstellung Urban Play gehört. Am 2. November wird sie also wieder verschwinden. Schade. Bis es soweit ist, sitzen die Architekten am Wochenende selber auf ihrer Bank (siehe unten) und wundern sich, dass sie immer noch nicht von Vandalen zerstört oder mit Graffiti verziert worden ist. Es gibt auch ein kurzes, körniges Youtube-Filmchen zum Projekt.

boom

come to my place

[Design]

Und noch einmal Experimenta. Im Westerhuis, dem neuen Heim von Marcel Wanders, läuft bis 2. November die Ausstellung Come to My Place, zu der Designerteams aus acht Ländern Beiträge geliefert haben. Sie durften jeweils ein archetypisches National-Wohnzimmer einrichten, dessen Elemente alle in einen Container passen mussten. Hier ein paar Schnappschüsse von den Ergebnissen.

1. Miguel Vieira Baptista, Lissabon

portugal

portugal2

2. Ovo, São Paulo

 brasilien

3. Chen and Wong, New York

usa

4. Polka, Wien

oesterreich

5. Design MVW, Shanghai

china

6. Folkform, Stockholm

schweden1 

schweden2 

7. Maxim Velcovsky, Prag

tschechien1 

tschechien2 

8. Meric Kara, Istanbul

tuerkei1 

tuerkei2 

west 8 oder ost 9?

[Architektur]

Hmm... Vielleicht sollte ich chinesische Architektengruppen in Zukunft eine Unterlassungserklärung unterschreiben lassen, bevor ich sie durch die Niederlande führe?

china
Brücke in Suzhou, gefunden bei anarchitecture

west8
Brücke von West 8 auf Borneo-Sporenburg

hacking ikea

[Design]

Überraschungserfolg des Wochenendes war die Ausstellung Hacking Ikea bei Platform 21, die leider am 28. September schon wieder vorbei ist. Ich hatte nur so studentenhafte Bastelarbeiten erwartet, aber die Ausstellung macht richtig Spaß. Ich glaube, wenn es mich das nächste Mal zu Ikea verschlägt, werde ich Billy & Co mit ganz neuen Augen sehen.

hella
So einfach geht's: Parodie auf Hella Jongerius' teure Long Neck and Groove Bottles, hergestellt mit Klebeband und Jongerius' eigenen Ikea-Vasen PS Jongsberg.

herz
Fast noch einfacher: nur ein paar verbogene Finger...

jacke
Tragetasche? Jacke?

lampenball
Der wahrscheinlich billigste Kronleuchter der Welt.

stapel
Mehr Ikea-Hacks: http://ikeahacker.blogspot.com/

urban play over

[Design]

Mein absoluter Favorit der ExperimentaDesign war – wie erwartet – Stefan Sagmeisters Installation an der Oostelijke Handelskade. Sage und schreibe 300 000 1-Cent-Münzen hatten die unbezahlten Helfer in akribischer Arbeit zu einem riesigen, blumigen Fraktur-Schriftzug angeordnet. "My obsessions make my life worse and my work better", stand dort. Von weitem war das ganze so gut wie unsichtbar, aber aus dem richtigen Blickwinkel glänzten die kupfernen Münzen wunderschön in der Sonne.

sagmeister1  sagmeister1a

sagmeister2 

sagmeister3 

Leider hat die Installation aber noch früher das Zeitliche gesegnet, als ich erwartet hatte. Schon in der ersten Nacht verschwanden alle Münzen, obwohl ihre Rückseiten mit blauer Farbe markiert waren. Wer also in nächster Zeit ein blaues 1-Cent-Stück in die Finger bekommt, weiß, woher es stammt.

Entlang des IJ-Ufers gab und gibt es im Rahmen von Urban Play noch ein paar andere hübsche Installationen, darunter diese Luftfische:

fische 

Vor dem Experimenta-Café konnte man sehr nett in der Sonne herumhängen:

sterne 

Und im Raum neben dem Café läuft (noch bis 2. November) die Ausstellung Urban Play, in der eine internationale Auswahl an Guerilla-Kunstprojekten im öffentlichen Raum vorgestellt wird:

urbanplay 

Nachtrag zu Urban Play (23.9.2008): Die wahre Geschichte des verschwundenen Kunstwerks ist noch viel absurder, als ich dachte. Nachzulesen bei Sagmeister: http://sagmeister.com/urbanplay/2008/09/22/that-was-it/

experimentadesign "opening week"

[Design]

Das Experimenta-Eröffnungswochenende liegt hinter mir... Fazit: Einige nette Veranstaltungen, viele, viele Leute, noch mehr warmer Prosecco. Ohgottogott, die Amsterdamer sind auf den Prosecco gekommen. Dabei war der schlechte, warme Weißwein bei Eröffnungen doch immer schon schlimm genug. Jetzt gibt es statt dessen schlechten, warmen, süßen Blubberwein. Und dazu bitterballen met mosterd.

Ich habe mich natürlich trotzdem tapfer durch diverse Ausstellungseröffnungen geprostet. Einige waren auch richtig interessant - Details folgen in den nächsten Beiträgen. Die Kommunikation des Events ist und bleibt aber unübersichtlich. Trotz Besuch einer Pressekonferenz und Unterhaltungen mit diversen wichtigen Menschen, habe ich immer noch nicht kapiert, wer nun genau wofür verantwortlich war. FreeDesigndom ist irgendwie überkuppelnd, darunter gibt es die portugiesische Biennale ExperimentaDesign, deren lokaler Kontakt ist Droog, die haben ein paar Ausstellungen kuratiert, aber einige andere Ausstellungen waren auch nur Parallelprogramm und hatten wieder andere Kuratoren... Wie auch immer. Da kann kein Mensch durchsteigen. Ein bisschen schade ist, dass auch viele Amsterdamer nicht durchstiegen und deshalb das ganze an sich vorbeigehen ließen. Bei manch einer Veranstaltung waren deutlich mehr angereiste Portugiesen als Einheimische anwesend. Aber vielleicht schauen die sich die Ausstellungen dann in den nächsten Wochen an, denn die meisten laufen ja noch bis Anfang November.

Ach ja, und den Preis für die größte Entgleisung des vergangenen Wochenendes bekommt (Tusch!): das Team von Marcel Wanders. Die komplette Belegschaft, inklusive dem inzwischen silberhaarigen Maestro, tauchte bei der Eröffnung von Come to My Place in 70er-Jahre-Verkleidung auf. Afroperücken und Plateausohlen und so. Womit sie voll und ganz auf dem Niveau des warmen Prosecco waren.

sagmeister urban play

[Design]

"Wenn ich aus unserem Studiofenster schaue, sehe ich schon seit Tagen so Kunststudenten-Typen auf dem Platz herumkriechen und Münzen zu Mustern legen", erzählte mir gestern eine Freundin. Was sie sieht, ist die Entstehung der Installation von Stefan Sagmeister für die Droog-und Experimenta-Veranstaltung Urban Play, die am Samstag eröffnet wird. Bei Flickr gibt es einen großartigen Zeitrafferfilm, der die Fortschritte des Münzenreliefs an der Oostelijke Handelskade aus der Vogelperspektive zeigt.

urban
Foto: sagmeister.com

ridiculous design rules

[Design]
Werbung ist heutzutage nicht mehr einfach Werbung. Mit Slogans, Spots und Anzeigen lockt man niemanden mehr hinter dem Ofen hervor. Viral muss es sein. Deshalb besteht die Kampagne für FreeDesignDom von der Agentur Lemon Scented Tea auch nicht aus simplen Botschaften à la "Kommt zu unseren Veranstaltungen", sondern ist eine sogenannte Guerilla-Kampagne, die der unbedarfte Surfer nur nach langem Suchen mit dem in Verbindung bringt, wofür sie eigentlich wirbt. Die Werber haben jedenfalls eine Website namens www.ridiculousdesignrules.com ins Leben gerufen, auf der Binsen wie "Less is more", "Form follows function" oder "When in doubt, wear red" auf ihren Wert fürs wirkliche Leben überprüft werden sollen. Ist recht unterhaltsam; man kann sich leicht ein Viertelstündchen damit vertreiben, durch die Beiträge zu klicken. Hübsch sind auch die Poster (also doch! altmodische Poster!), die Niels Shoe Meulman für die Aktion entworfen hat.

un studio film

[Architektur]

Hat die 20kg schwere Architekturmonographie auf dem Sofatisch ausgedient? Werden Phaidon und Taschen bald pleite gehen? UN Studio präsentiert ein neues Genre: die Youtubografie.

un studio
Gefunden bei Archispass.org

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