rad und tat
Da stand sie und wartete, dass ihre Architekturgruppe wieder aus der Amsterdamer Stadtbibliothek herauskam und die Fahrradführung weitergehen konnte...

Danke, Christian Nänny, fürs Zuschicken der Fotos!
aus für elf und zwölf
Bald ist es vorbei. Das Post CS-Gebäude auf dem Oosterdokseiland wird investorengerecht renoviert, und alle jetzigen Zwischenmieter müssen bis Anfang Juli raus. Das trifft viele kleine Kreativfirmen, aber auch das Stedelijk Museum, das wohl mit Sack und Pack ins Depot verschwinden wird, bis sein Um- und Anbau am Museumplein in ein paar Jahren endlich fertig ist. Außerdem bedeutet es das Ende von Club/Restaurant Elf sowie der dazugehörigen Dachterrasse im zwölften Stock. Grund genug, sich dort in den nächsten Wochen noch ein paar Mal mit einem Bierchen zu räkeln, den Plantschenden im Dutchtub zuzuschauen (das Ding erinnert mich immer an alte Kannibalen-Witze) und sich über die Aussicht zu freuen!


nest
Seit einigen Tagen hängt am Weena-Hochhaus in Rotterdam ein großes Vogelnest. Als ich gestern Abend daran vorbeikam, hörte man alle paar Minuten laut einen Vogel krähen, woraufhin ein Mann im grauen Anzug mit ausgebreiteten Armen langsam aus dem Nest herauskam wie ein Kuckuck aus der Uhr, ein paar Mal mit den Armen wapperte und wieder verschwand. Auf Fußgängerniveau sorgte das für viel Heiterkeit. Vom surinamesischen Hiphopper bis hin zum gestriegelten Geschäftsmann blieben alle stehen, starrten gebannt auf den Turm und machten Handyfotos. So auch ich.
Es handelt sich übrigens um Nest Rotterdam, eine Performance des belgischen Künstlers Benjamin Verdonck. Auf der dazugehörigen Website gibt es viel bessere Fotos, auf denen man auch die ziemlich grauenhaft hässliche Stadtkulisse bewundern kann, in der das Nest hängt. Und hier noch der unvermeidliche Youtube-Link. Wenn man's nicht besser wüsste, könnte man es glatt für so eine Viral-Marketing-Kampagne halten.


un studio praktikumsplatz vergeben
Vor einer Weile habe ich mal darüber berichtet, dass UN Studio einen Wettbewerb um einen Praktikumsplatz ausgeschrieben hatte. Bewerber sollten einen selbstgemachten Film zum Thema "Afterimages" bei Youtube posten. Nun hat Norman Blogster von PartIV herausgefunden, wer die beiden Gewinner sind.
Was muss man also machen, um bei UN Studio arbeiten zu dürfen? Zum Beispiel so etwas:
Oder - viel unterhaltsamer - so etwas:
Den zweiten hätte ich auch eingestellt. Aber für mich will ja leider keiner umsonst arbeiten.
life is life
architekturinstitut abgebrannt
Gestern ist das Gebäude der Architekturfakultät der TU Delft fast völlig ausgebrannt und teilweise eingestürzt. Ein Wasserschaden hatte einen Kurzschluss in einer Kaffeemaschine verursacht.
Das ist natürlich tragisch: einerseits wegen des Verlusts des spätmodernen Gebäudes von Van den Broek en Bakema, andererseits wegen all der verlorenen Originaldokumente, Modelle und halbfertigen Diplomarbeiten. Was mir dabei aber mal wieder auffiel, war die ungewöhnliche Nachrichtengewichtung im niederländischen Fernsehen. Der Brand war tatsächlich in allen News-Sendungen Thema, und Mels Crouwel erschien sogar zum Interview bei Nova. Ob das in Deutschland auch so wäre, wenn eine Architekturfakultät brennt? Vermutlich nicht. Aber die Niederlande sind eben ein kleines Land, in dem es nur zwei Universitäten mit Architekturausbildung gibt und in dem Architektur obendrein einen relativ großen Stellenwert im öffentlichen Leben hat.
Bilder und - wie könnte es anders sein - einen Youtube-Film vom Brand gibt es bei Dysturb.net.
la grande cour
Der Wohnkomplex La Grande Cour in Amsterdam gehörte dieses Jahr zu den Projekten, die vom Niederländischen Architektenverband (BNA) als Gebäude des Jahres nominiert waren. Gewonnen hat letztlich zwar der Bahnhof Bijlmer von Grimshaw, aber auch um die übrigen Nominierten gibt es immer viel Medientrullala.
Dabei frage ich mich, wer dieses Projekt vorgeschlagen hat, gehört es doch zum Unsensibelsten, was in den letzten Jahrzehnten in Amsterdam realisiert wurde. Entworfen von Meyer en Van Schooten, de ArchitektenCie und Heren 5, besteht es aus zwei Wänden aus gestapelten Wohnblöcken, die sich westlich vom Bahnhof auf einer Halbinsel zwischen Westerdok und IJ auftürmen. Aus dem Innenbereich des Blocks (daher der mondäne Name Grande Cour) ragen einige periskopförmige Wohnhochhäuser heraus. Außen wird das Bild von Lochfassaden aus Konsens-Backstein bestimmt.
Da könnte einem einfach das große Gähnen kommen, wenn man nicht wüsste, dass ein paar unglückliche Menschen in den unteren Geschossen der Periskope wohnen und aus ihren Fenstern nichts als die zugigen Innenhöfe sehen. Hinzu kommt, dass der sonst so nervig aktive Verein der "Freunde der Innenstadt" dieses Mal offenbar geschlafen oder plötzlich jeglichen Einfluss verloren hat. Denn wenn man auf Höhe des Noordermarkts die historische Prinsengracht hinunterschaut, schiebt sich La Grande Cour gnadenlos ins Bild, wie eine dicke Tante, die unbedingt mit aufs Foto will. Soviel zum Thema geschütztes Stadtbild.
Am ärgerlichsten ist aber, dass dieser ebenso prominente wie schwierige Standort eigentlich eine spannende Lösung hätte provozieren können. Statt dessen stapeln sich dort nun die Wohnkisten wie Schuhkartons in der Abstellkammer des Projektentwicklers. Und dafür gibt's dann auch noch eine Nominierung für einen wichtigen Architekturpreis?
proef amsterdam
Hier ein Schnappschuss aus dem Amsterdamer Studio der vermutlich bekanntesten niederländischen "Essensdesignerin", Marije Vogelzang. Als "Food Designerin" möchte sie lieber nicht bezeichnet werden, denn das klingt ihr zu sehr nach kommerziellem Styling. Würde auch gar nicht passen, wie man an ihrer Website erkennen kann: Ihr Studio Proef ist eher auf Designprojekte rund um den kulturellen und sozialen Hintergrund von Essen spezialisiert, die auch gerne mal ins kulinarisch Ungewohnte abdriften dürfen. Letzten Donnerstag war ich jedenfalls dort, um sie zu interviewen, und bin gleich drei Stunden lang hängen geblieben. Ich bin barfuß über einen Marshmallow-Teppich gelaufen (macht schrecklich klebrige Fußsohlen), habe einem Praktikanten bei der Herstellung von Pistolen-Lollies aus heißem Zucker über die Schulter geguckt und bekam dann ein Bierchen gereicht. Es war alles so nett, dass es fast an Bestechung grenzte. Ab 22. Mai kann man sich Vogelzangs Arbeiten übrigens im Showroom Mama in Rotterdam ansehen, bei einer Soloausstellung namens "Fuel". Natürlich gibt es auch etwas zu essen. Im Studio wurde gerade an einer "Kuschelwurst" in rosa Strickhülle gearbeitet.

tulpenblüte
Jetzt ist die Tulpenblüte fast schon wieder vorbei, aber letzte Woche musste ich ein paar Mal mit dem Zug zwischen Haarlem und Leiden hin- und herfahren und konnte bei der Gelegenheit noch ein paar Fotos von den hübsch grafisch gestreiften Landschaften schießen, die auf dieser Strecke an einem vorbeiziehen. Et voilà! Deshalb auch ein kleiner touristischer Tipp für alle, die sich nächstes Jahr die bunten Streifen anschauen wollen: Vom Zug aus sieht man die Blumenfelder viel besser als aus dem Auto. Die meisten Straßen führen nämlich zwischen Häusern und Lagerhallen hindurch, während der Zug mitten durch die Felder fährt.










