van eyck im kröller-müller-park

[Drumrum]

Endlich schönes Wetter! Deshalb trieb es mich gestern in den Kröller-Müller-Park im Osten der Niederlande. Zwar hatten ungefähr 500 japanische Touristen dieselbe Idee, aber zum Glück blieben sie bei den Van Goghs im Museum kleben und verteilten sich nicht über Skulpturengarten und Nationalpark. Obwohl man schon das Gefühl bekommen kann, dass die winzigen weißen Fahrräder, mit denen man durch den Park strampeln darf, für japanische Körpermaße entworfen wurden.

Im Skulpturengarten wurde vor zwei Jahren der Pavillon rekonstruiert, den Aldo van Eyck 1965 für die Skulpturenausstellung im Park Sonsbeek in Arnheim entworfen hat. Dort stand er nur einen Sommer lang, im Kröller-Müller-Museum soll er dagegen auf unbestimmte Zeit stehen bleiben. Deshalb mussten ein paar konstruktive Dinge geändert werden und erhielt er auch ein anderes Dach. Ursprünglich hatte er ein sehr einfaches transluzentes, aber nicht durchsichtiges Flachdach; nun befindet sich dort eine viel aufwändigere Konstruktion mit transparenten Plexiglaskappen und integrierten Regenrinnen. Das widerspricht nicht nur der kargen Ästhetik des restlichen Bauwerks (Betonwerksteine! Gibt es ein kalvinistischeres Material?), sondern auch Van Eycks Intention: Er wollte die umgebende Natur bewusst aus dem Pavillon ausschließen.

pg Grundriss des Sonsbeek-Pavillons. Der Kreis stellt die Grundplatte dar.

So, genug gemäkelt. Ansonsten ist das Bauwerk nämlich wirklich sehr schön, eine echte Raumerfahrung, und ist es ganz großartig, dass man es endlich nicht mehr nur auf dem Papier bewundern kann. Zum Beweis ein paar Fotos.

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große häuser, kleine häuser

[Architektur]

Neulich im Zug von Schiphol nach Rotterdam. Eine Mexikanerin hat gerade ihren Bruder vom Flughafen abgeholt. Er ist offenbar zum ersten Mal in den Niederlanden, und sie erklärt ihm, was er draußen vorbeiziehen sieht: Polder, Windmühlen, Kanäle. Beim Anblick einer typischen VINEX-Reihenhaussiedlung irgendwo hinter Leiden erläutert sie: "Guck mal, die Häuser da. Das sieht aus wie ein großes Haus, aber in Wirklichkeit sind es fünf ganz kleine Häuser in einem. Und so leben hier alle!"

vinex
Foto: Fabio Bruna/Flickr

fahrradgarage

[Kurioses]

Aargh. Habe gestern Nachmittag mal wieder zwischen 5000 schrottigen schwarzen Hollandrädern das eine Exemplar gesucht, in dessen Schloss mein Schlüssel passt. Das passiert mir immer wieder, wenn ich mein Rad morgens im fietsenflat am Bahnhof abstelle, dabei über ganz andere Dinge nachdenke und mir die Nummer auf dem Boden nicht merke. Da haben die Japaner den Holländern doch deutlich was voraus.

fietsenflat
Foto: JOE M500/Flickr

riesenvilla in almere

[Architektur]

Nein, das ist noch nicht das Koninginnedag-Special, auch wenn es sehr schön oranje ist. Das ist eine "Villa" mit 5 Wohnungen in Almere, entworfen von Next Architects. Da weht doch endlich mal wieder ein frischer Nordseewind durch die holländische Architekturlandschaft. Und die Bauherren sind auch noch für einen Preis für gute Auftraggeberschaft nominiert.

overgooi 

gastarbeiter

[Kurioses]

Wer in den Niederlanden lebt, hat es sicher schon bemerkt: Auf fast allen großen Baustellen hängt irgendwo eine deutsche Fahne aus dem Rohbau. Hier mangelt es nämlich an Bauarbeitern, während sie in Deutschland, vor allem natürlich im Osten, häufig arbeitslos sind. Niederländische Zeitarbeitsfirmen rekrutieren deshalb aktiv Arbeiter aus Deutschland.

Ein wenig verwundert hat es mich aber doch, als neulich mein Büro-Vermieter zum Aufmessen unserer alten Fenster, die ausgetauscht werden sollen, zwei deutsche Schreiner anschleppte. Mit ihrem Auftraggeber sprachen sie eine lustige Mischung aus Deutsch und Niederländisch, hatten sich also offenbar schon gut eingelebt. Trotzdem habe ich sie nach dem Aufmaß nie wieder gesehen. Das dürfte an unseren sehr undeutschen Fenstern liegen. Das Haus stammt aus den 1910er Jahren und hat sich im Laufe der Zeit gemütlich in den matschigen Amsterdamer Grund geflätzt. "Haste schonma sowat schiefet jesehn?", fragte der eine den anderen in einem vermeintlich unbeobachteten Moment und zeigte auf einen fast organisch verformten Fensterrahmen. "Nee", sagte der andere. "Det mussma eigentlich abreißen." Es folgte viel Kopfschütteln. Letzte Woche kam mein Vermieter wieder vorbei, dieses Mal mit zwei Schreinern aus Osteuropa, vielleicht Bulgaren. Sie haben alles noch einmal aufgemessen. Demnächst bekommen wir neue Fenster.

lärmschutzwall schiphol

[Architektur]

Er wächst und wächst und wächst... Eigentlich gibt es ja schon längst Pläne, um den Flughafen Schiphol auf eine künstliche Insel in der Nordsee zu verbannen. Aber vermutlich ist das dann doch zu teuer und wird erstmal Zukunftsmusik bleiben. Statt dessen nimmt die Lärmbelästigung für Anwohner jedes Jahr zu. Davon kann auch ich ein Liedchen singen, denn diesen Sommer werden dank eines Tests zur gleichzeitigen Benutzung zweier Startbahnen deutlich mehr Flieger über meine Wohnung hinweg starten als je zuvor.

Deshalb kann ich diesen Wettbewerb für den Entwurf eines Lärmschutzwalls für Schiphol auch nur begrüßen. Besser als die banalen Pyramiden, die ursprünglich nahe dem Ort Hoofdorp aufgestellt werden sollten, wird das Ergebnis wohl allemal werden. Bis 5. Juni kann man sich bewerben.

exactitudes

[Kunst]

Schon seit Jahren machen der Fotograf Ari Versluis und die Stylistin Ellie Uyttenbroek ihre großartigen Fotoserien namens Exactitudes. Inzwischen haben sie eine beachtliche Anzahl dieser Stilstudien zusammengetragen. Viel mehr will ich dazu gar nicht erzählen. Klickt einfach, der Rest spricht für sich.

fotos

mode auf den wallen

[Design]

Jetzt ist es tatsächlich so weit: Mitten im Amsterdamer Rotlichtviertel wird Mode verkauft. Ich hatte ja schon einmal davon berichtet, dass der Stadtteil Zentrum die Prostitution eindämmen und die dadurch frei werdenden Schaufenster jungen Modedesignern zur Verfügung stellen will. Vorgestern bin ich zum ersten Mal mitten auf dem Oudezijds Achterburgwal auf solche Schaufenster mit Kreationen von Amsterdamer Designern gestoßen. Ein schöner Kontrast: Links eine Dame, die auf Freier wartet, rechts eine Dame, die auf Freier wartet, und dazwischen Schaufensterpuppen im Designer-Outfit. Vermutlich wird manch ein britischer Junggesellenclub bei diesem Anblick die Welt nicht mehr verstehen. Ich hingegen muss sagen, dass ich mich über die Initiative namens Red Light Fashion freue. Zugegeben, ich gehöre natürlich auch nicht zur Zielgruppe des Wirtschaftszweigs, der hier vorher ansässig war.

corne gabriels
Schaufenster von Corné Gabriëls am Oudezijds Achterburgwal 80.
Foto: Mylou Oord

lichtschiff

[Kultur]

Neulich habe ich zum ersten Mal das alte Lichtschiff bemerkt, das seit einer Weile vor der NDSM-Werft in Amsterdam-Noord liegt. Vom Silodam aus ist es gar nicht zu übersehen. Was mag das wohl sein, hab ich mich gefragt. Ein Club wie die MS Stubnitz? Eine Konzertbühne wie im benachbarten U-Boot Kursk? Leider nicht. Das Gefährt beherbergt schlicht Konferenzräume, wie man auf der Website zum Lightship Brightside erfährt. Ja, ja, die "creative economy". Bei dem Stichwort wird es allen Beamten und Managern in Amsterdam momentan ganz warm ums Herz. Heißt nämlich so viel wie: Wir wirken jugendlich unangepasst und lassen uns gerne in die (Sub-)Kultur-Schublade stecken, haben aber trotzdem Geld. Eine ideale Verbindung.

Einen schönen Beitrag über Lichtschiffe gibt es übrigens gerade im Blog strangeharvest

lichtschiff 

knöpfe

[Design]

Hier mal wieder was für meine kleine Serie über rein zufällige Ähnlichkeiten bei Designobjekten. Dieses Mal das Thema Garderobenhaken.

softknobs
Ed Annink, Softknobs, Droog Design (aus den späten neunziger Jahren, glaube ich)

muuto
Tveit & Tornøe, The Dots, Muuto (2008) - vorgestern im Bordmagazin von SAS entdeckt.

corbu
Le Corbusier, Kindergarten der Unité d'Habitation in Firminy (1965-67)...

corbudetail
... und nochmal aus der Nähe, damit auch klar ist, worum es hier geht. Noch Fragen?
Unité-Foto: Allard van der Hoek