OMA-PR bei Youtube

[Architektur]

Architekten, die sich immer schon mal gerne bei OMA bewerben wollten, sich aber bisher nicht getraut haben, sollten sich mal dieses Filmchen bei Youtube anschauen. Da lernt man nämlich, dass das OMA-Büro in Rotterdam eigentlich eine einzige große, liebevolle, multikulturelle Familie ist. Begeisterte Angestellte erzählen über kompetente Chefs und flexible Teamarbeit. Da fragt man sich doch: Bekommen die nicht genug Bewerbungen?

Der Film ist übrigens auch für Nicht-Niederländischsprachige geeignet. Am Anfang spricht eine Mitarbeiterin zwar so etwas ähnliches wie Niederländisch, aber danach geht es auf Englisch weiter. Nur die Sekretärin erzählt später noch einmal etwas auf Niederländisch – wobei es schon schade ist, wenn man das verpasst, denn im Vergleich zu den unglaublich positiven Erzählungen der Angestellten klingt ihre Beschreibung ziemlich realistisch. "Manche Leute laufen hier total überdreht durch den Laden; die stolpern regelrecht von einer Seite zur anderen. Da muss man probieren, ein bisschen Ruhe reinzubringen. Und je näher die Deadline eines Projekts rückt, desto länger arbeiten sie. (...) Da kann es schon mal passieren, dass man hier morgens Leute wiederfindet, die man abends zurückgelassen hat." Ist dieser wertvolle Hinweis am Ende gar absichtlich den niederländischen Job-Interessenten vorbehalten? Via dysturb.net

oma

fruehe holländer/ramin visch

[Design]

Eins muss man den Niederländern ja lassen: Wenn es um Design in jeglicher Form geht, trauen sie sich was. Im Boijmans Museum in Rotterdam ist momentan eine Ausstellung über frühe holländische Malerei zu sehen. Altmeistergemälde also, entstanden zwischen 1460 und 1520. Überall sonst würden solche Werke mit höchster Ehrfurcht gehängt, vor sanft getönten Wänden, geschmackvoll und gediegen. Und was tun die Niederländer? Sie lassen einen jungen Innenarchitekten ans Werk, nämlich Ramin Visch. Der hat die Tafelgemälde mit knallfarbenen Stellwänden gepaart. Nun hängen Motive wie die "Anbetung des Goldenen Kalbs", "Johannes der Täufer" und "Die Legende der Hl. Elisabeth" vor hummerroten, barbiepinken, grasgrünen und saftig gelben Hintergründen. Und der Witz an der Sache ist: Es funktioniert auch noch. Finde ich jedenfalls. Würde mich aber auch nicht wundern, wenn viele Ausstellungsbesucher ganz anderer Meinung wären.

visch

amsterdam unterirdisch

[Architektur]

Im BLDGBLOG findet sich diese Woche ein Artikel, demzufolge alle Amsterdamer Grachten in naher Zukunft trockengelegt werden sollen, damit dort eine gigantische Unterwelt realisiert werden kann. Das ist natürlich auch schon durch die niederländische Presse gegangen, aber bisher habe ich es erfolgreich zu ignorieren versucht. Solche wilden Technokraten-Geschichten schaffen es hier regelmäßig auf die Titelseiten der Zeitungen – aber nur höchst selten schaffen sie es auch bis zur Realisierung. Die ausländische Presse wirkt dabei wie ein Verstärker. Auch in diesem Fall hat der britische Telegraph bereits verkündet, dass 2018 der Bau beginnen soll. Dabei ist das ganze bisher nur ein Hirngespinst der Baufirma Strukton, die das Architekturbüro Zwarts & Jansma mit einem ersten Entwurf beauftragt hat. Von konkreten Plänen kann gar keine Rede sein.

Praktisch wäre die riesige Tiefgarage ja durchaus, bedenkt man das Parkdrama in der Amsterdamer Innenstadt. Demnächst soll das Parken an den Grachten allen Ernstes 5 Euro pro Stunde kosten! Andererseits: Selbst wenn irgendjemand Lust hätte, sich an diesem megalomanen Plan zu versuchen, würde sie ihm bei einem Blick auf das jahrzehntelange Gefrickel an der vergleichsweise simplen Nord-Süd-Metrolinie sicher vergehen...

underground

amsterdamerone?

[Kurioses]

Amsterdammertjes kennt man ja: Das sind diese kleinen braunen Metallpfosten mit den drei Andreaskreuzen des Stadtwappens (nein, mit dem Rotlichtviertel haben die Kreuze gar nichts zu tun), die in der gesamten Innenstadt stehen und verhindern sollen, dass die Gehwege zugeparkt werden.

Gestern ist mir zum ersten Mal aufgefallen, dass direkt neben meinem Büro dieses Riesenexemplar steht. Es ist knapp doppelt so hoch wie die normalen Poller. Was ist das? Ein Mutant? Ein Kunstwerk? Ein neues Modell gegen das Parken von SUVs?

amsterdammer

rehberger im stedelijk

[Kunst]

Tobias Rehberger bastelt gerade an seiner Installation namens the chicken-and-egg-no-problem wall-painting, die ab 22. Februar im Stedelijk Museum zu sehen sein wird. Das 70 Meter lange (!) Werk soll insgesamt vierzig Skulpturen, Environments und Videos von Rehberger aufnehmen und wird außerdem mit einer Lichtinstallation und einem Wandgemälde bestückt. Anbei ein paar Fotos vom Aufbau.

rehberger

rehberger2

rehberger
Fotos: Ernst van Deursen

hendrik kerstens

[Kunst]

Und noch eine Entdeckung von der Art Rotterdam: Hendrik Kerstens. Die Witzenhausen Gallery zeigte einige seiner Fotos von seiner Tochter Paula, die mit profanen Objekten auf dem Kopf als Altmeister-Schönheit à la Vermeer posiert.

ba
Hendrik Kerstens, Bag, 2007. Courtesy: Witzenhausen Gallery

kerstens
Hendrik Kerstens, Wet Towel, 2008. Courtesy: Witzenhausen Gallery

royal vkb

[Design]

Die Küchenutensilien von Royal VKB haben sich in Holland innerhalb kürzester Zeit zu obligatorischen Geburtstagsgeschenken für Designfreunde entwickelt. Ich war im letzten Jahr auf kaum einer Feier, deren Gastgeber nicht mit einer der Bakelit-Schüsseln, dem Falt-Schneidebrett oder dem Knoblauch-Crusher aus Edelstahl bedacht wurde. Kein Wunder, denn die Sachen sind größtenteils hübsch, praktisch und bezahlbar. Und spätestens seit ich vor einigen Monaten den schrecklich netten Jan Hoekstra interviewt habe, der die Linie entwickelt und das Design koordiniert hat, gehöre auch ich zu jenen, die diese Sachen gerne unters Volk bringen.

Auf der Ambiente in Frankfurt wurden nun ein paar neue Objekte vorgestellt, darunter diese formschöne Thermoskanne nebst Bechern und ein Aufbewahrungsbehälter mit zwei Kammern, in dem man z.B. Müsli und Milch getrennt transportieren und später mixen kann. Es gibt also wieder frische Geburtstagsgeschenke. In letzter Zeit kam es ja schon öfter mal zu Dopplungen.

brekveld
Carafe & Tumblers, Royal VKB, Design: Arjan Brekveld

brekveld10
Fresh Traveller, Royal VKB, Design: Arjan Brekveld

vip lounge schiphol

[Design]
Stilvolles Warten für Bea & Co: Concrete – das Architekturbüro, das für sicher 80% aller zeitgenössischen Club-, Restaurant- und Bar-Interieurs in Amsterdam verantwortlich ist – hat eine neue ViP-Lounge auf dem Flughafen Schiphol eingerichtet. Nun können die königliche Familie, hohe Politiker, Diplomaten, Handelsdelegationen und Konzernchefs ihre Wartezeiten zwischen niederländischem Design absitzen. Bei Designnws.com gibt es Fotos zu sehen, die zeigen: Für adelige Verhältnisse ist das Interieur bemerkenswert modern ausgefallen, wenngleich es auch eine gute Portion bürgerlicher Gemütlichkeit abbekommen hat.

art rotterdam 2008

[Kunst]

Letztes Wochenende war wieder einmal Art Rotterdam, die wahrscheinlich kuscheligste Kunstmesse der Welt. Leider hatte ich nur sehr wenig Zeit, um eine Runde durch die Galeriestände im Rotterdamer Kreuzfahrtterminal zu drehen. Um ein schnelles Pauschalurteil abzugeben: Genau wie letztes Jahr gab es viel Fotografie und Malerei, allerdings nun mit einem ausgeprägtem Trend zum Folkloristischen.

Meine Lieblingsentdeckung: der Inder Anant Joshi, der bei Willem Baars Projects in Zusammenarbeit mit Chemould Prescott Road aus Mumbai gezeigt wurde. Seine Installation May Look Closer Than They Appear ist eine raumumspannende Collage auf Goldgrund. Von weitem sieht sie aus wie ein traditioneller Sari-Stoff oder vielleicht eine teure Tapete. Erst bei näherem Hinsehen erkennt man, dass kleine Gebäudefotos auf dem Goldgrund kleben.

joshi

detail
Anant Joshi, May Look Closer Than They Appear, Courtesy: Willem Baars Projects, Amsterdam

Außerdem habe ich mal wieder meine große Begeisterung für die Fotografien des Niederländers Bas Princen entdeckt, der bei der Galerie Van Kranendonk zu sehen war. Seine Arbeiten kenne ich schon lange, aber während sie früher meistens in den Niederlanden entstanden, geht er jetzt auf Reisen nach Albanien, China oder Texas. Mit ziemlich überzeugendem Ergebnis, wie ich finde.

tirana2
Bas Princen, Ringroad (Tirana), Courtesy: Galerie Van Kranendonk, Amsterdam

findeq2
Bas Princen, Ringroad (Findeq), Courtesy: Galerie Van Kranendonk, Amsterdam

28
Bas Princen, Future Highway II (Xianmen), Courtesy: Galerie Van Kranendonk, Amsterdam

31
Bas Princen, Future Olympic Park, Courtesy: Galerie Van Kranendonk, Amsterdam

Vortragsreihe Rietveld Akademie

[Design]

Im Stedelijk Museum Bureau findet in den nächsten Wochen eine von der Rietveld Akademie organisierte Vortragsreihe statt. Das Thema klingt spannend: Werte aller Art in Kunst und Design, allerdings mit einem starken Schwerpunkt auf letzterem. Unter dem Titel "Welcome between past and future. Welcome in the world as it is" soll es um die Frage gehen, welche Werte durch Design generiert werden können oder sollten. Hier das komplette Programm:

6.2.
Annelys De Vet (designer)
‘Subjective Atlas Of Palestine’

13.2.
Dirk Sijmons (landscape architect)
‘Windmills And Dutch Landscape’

20.2.
Ben Laloua / Didier Pascal (graphic designers)
‘Rehab’

5.3.
Sabrina Lindemann (artist)
‘Art As Public Space’

12.3.
Merel Mirage (artist)
‘The Holy Animation Platform’

19/03/2008
Frank Tjepkema (designer)
‘Economics and Symbolic Richness’

Die Sache hat nur einen Haken: Die Vorträge finden Mittwoch nachmittags um 16 Uhr statt. Wer (außer Rietveld-Studenten, natürlich) hat da Zeit, um einen Vortrag zu besuchen, und sei er noch so interessant? Um diese Uhrzeit bin ich leider meistens mit Wertschöpfung beschäftigt.

Posts  1 - 10 /11