wird centraal beheer abgerissen?

[Architektur]

Wie Archined heute berichtet, droht Herman Hertzbergers berühmtem Bürogebäude für Centraal Beheer in Apeldoorn momentan der Abriss oder ein Umbau bis zur Unkenntlichkeit

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Das Prunkstück des Strukturalismus, 1972 gebaut, entspricht mit seinen Arbeitsnischen und -balkonen in einer offenen Raumlandschaft schlicht nicht mehr den heutigen Vorstellungen von einem Bürobau. Nachdem die Versicherungsfirma Centraal Beheer ihren Auszug ankündigte, wurde der Komplex von Maklern als "sehr überholt" und "als Bürobau unverkäuflich" eingestuft. Verkauft wurde er schließlich doch, und zwar an ein (auf seiner Website nicht mal so unsympathisch wirkendes) Unternehmen namens TCN Properties. Was es genau mit dem Bau vorhat, ist noch unklar.

Auf Archined plädiert Autorin Marina van den Bergen nun für einen Abriss in Würde statt eines würdelosen Umbaus. "Macht ein gutes Buch und einen aussagekräftigen Film darüber, und dann abreißen". Klingt drastisch, ist aber immerhin ein deutlicher Standpunkt.

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Ich kann jedenfalls aus Erfahrung sagen, dass die Makler mit ihrem Urteil nicht völlig daneben lagen. Ich würde auch nicht in dem Gebäude arbeiten wollen, so architektonisch wertvoll es sein mag. Vor etwa einem Jahr war ich mal dort und habe es von innen gesehen. Konzeptionell ist es natürlich unglaublich spannend und als Zeitdokument unersetzlich, aber es ist auch eine labyrinthische Höhle mit bedrückend niedrigen Decken und wenig Tageslicht. Auch meine Führerin, die selber dort arbeitete, war nicht allzu angetan von ihrer Umgebung.

Bleibt also eine Umnutzung, für die der Bau nicht völlig entstellt werden muss. Aber was wäre das? Vorschläge bitte an TCN Properties.

neues hafenlogo

[Allgemeines]

Der Amsterdamer Hafen hat ein Imageproblem. Ständig wird er ignoriert. Alle Welt redet nur über Rotterdam, wenn es um niederländische Häfen geht. Großspurig wird den Touristen auf der Rotterdamer Hafenrundfahrt noch immer erzählt, sie würden gerade durch den größten Hafen der Welt geschippert – auch wenn der von Shanghai eigentlich längst größer ist. Egal, ein gesundes Ego ist eben Gold wert. In Amsterdam gibt es nicht mal Hafenrundfahrten. Keine Socke verirrt sich in das Gebiet westlich vom Silodam.

Das soll sich jetzt durch eine neue Imagekampagne ändern. Der erste Schritt der Kampagne wirkt schon ziemlich erfolgsversprechend: Ausgerechnet der Amsterdamer Tattoo-Veteran Henk Schiffmacher durfte ein neues Logo für den Hafen entwerfen. Dass der kein Businessbildchen mit Kränen, Schiffen oder Containerstapeln liefern würde, war klar. Was macht Seehäfen denn so schön? Die Seemannsbräute, natürlich.

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ausstellungen in arcam, stroom und de singel

[Architektur]

Am Wochenende beginnen gleich zwei interessante Ausstellungen in der Randstad, was mal wieder ein wenig Vernissagen-Hopping bedeutet. Morgen um fünf findet im Arcam die Eröffnung der Ausstellung Working Apart Together statt, in der 10 junge Amsterdamer Architekturbüros ihr Debüt geben. Und am Samstag um dieselbe Zeit wird im Stroom in Den Haag die Ausstellung Ombouwen/Restructure über Recycling-Architektur eröffnet.

Nicht ganz um die Ecke, aber sicher mindestens genauso spannend ist The Wrong House, eine Schau über Alfred Hitchcocks Interieurs in De Singel in Antwerpen, die schon heute vom Stapel läuft. Sie werden in Kombination mit Arbeiten der österreichischen Architekten PAUHOF gezeigt. Ich finde ja immer gerne einen Vorwand, um in Antwerpen shoppen und essen zu gehen. Und es sind ja auch nur anderthalb Stunden im Zug, was ziemlich genau der Länge eines guten Spielfilms entspricht.

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Alfred Hitchock, Still aus "Rope".

tuttifrutti-lampen

[Design]

Moooi hat eine neue Lampenserie auf den Markt gebracht: Cluster Lamps, entworfen von Joel Degermark. Sehr hübsch, die wilde Birnenmischung. Aber irgendwie erinnert mich das Konzept doch sehr an die Blossom-Lampe von Hella Jongerius für Belux. Jetzt lautet die Preisfrage: Wer war zuerst da? Oder ist das einfach ein Zeichen des Zeitgeists?

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Cluster Lamps, Joel Degermark (Moooi)
via Dezeen

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Blossom, Hella Jongerius (Belux)

praktikumsplatz bei un studio zu gewinnen

[Architektur]
UN Studio hält gerade einen Wettbewerb darum ab, wer in Zukunft bei UN Studio Wettbewerbe schrubben darf. Die Zeitgeistigkeit der Aktion findet ihren Ausdruck im mieseligen Entgeld (sic) ebenso wie in der Tatsache, dass das ganze bei Youtube stattfindet. Ich enthalte mich jeden weiteren Kommentars und linke statt dessen zu einem unterhaltsam polemischen Eintrag darüber bei PartIV.

qbic hotel

[Design]

Als ich 15 oder 16 war, habe ich mit meinen Eltern mal in einem Hotel der Formule-1-Kette in Frankreich übernachtet. Höchst effizient eingerichtete Kleinstzimmer, rundum plastifzierte Bäder und vor allem keine Rezeption (man zog einfach die Kreditkarte durch einen Leser am Eingang und bekam dafür einen Türcode), das war in den 80er Jahren revolutionär. Meine Eltern fanden es grausam, ich fand es spannend. Jedenfalls hat es mich offenbar so beeindruckt, dass ich mich heute noch daran erinnere.

Jetzt gibt es das auch in Amsterdam, und sogar mit Designanspruch. Im Juli wurde das allererste Qbic Hotel eröffnet. Für ganze 39 Euro (wenn man früh genug bucht und außerhalb der Hauptsaison und unter der Woche reist und Ostern und Weihnachten auf einen Tag fallen, sonst wirds natürlich gleich viel teurer) bekommt man dort ganze 7 Quadratmeter Zimmerkapsel, inklusive WiFi-Zugang, Starck-Design im Bad und Hästens-Matratze auf dem Bett. Ein digitaler "Kiosk" in der Lobby ersetzt den Rezeptionisten und versorgt den Gast mit Restauranttipps und Kinoprogramm, und in der "Grab-and-Go-Corner" gibt es Öko-Snacks, Zahnbürsten und Telefonauflader. Ebenfalls ohne Verkäufer, denn das Motto lautet "The best service is self-service".

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Natürlich ist self-service auch the loneliest und the cheapest service. Aber in der total überlasteten und überteuerten Amsterdamer Hotellandschaft klingen zweistellige Beträge für ein ordentliches Bett trotzdem wie eine Wohltat. Einziger Haken ist, dass das Qbic Hotel Amsterdam sich im WTC befindet, einem völlig charmefreien Bürokomplex neben der Autobahn im Süden Amsterdams. Das ist bei den anderen beiden Filialen, die Qbic 2008 eröffnen will, besser gelungen: Sowohl in Maastricht als auch in Antwerpen kann man dann Schlafkapseln im Stadtzentrum mieten. Für Klaustrophobiker und Easyjettifizierungs-Gegner dürften sie dennoch keine Option sein.

dune 4.1 im maastunnel

[Kunst]

Ja, ja, ich weiß, ich habe schon einmal einen Eintrag über Daan Roosegaardes Installation Dune 4.0 gebracht. Aber sie ist einfach so wunderschön, dass man sie gar nicht oft genug zeigen kann, finde ich. Obendrein gibt es auf seiner Website jetzt einen Film zu sehen, der die interaktiven Leuchtbüschel im Maastunnel in Rotterdam zeigt, wo sie bis 22. August installiert waren. Als Kostprobe für alle Fernleser, die sie nicht in Realität sehen konnten. Außerdem sind auf der Website noch einige Filme von anderen Projekten zu finden, die allesamt mit der Interaktion von Mensch, Klang und Raum zu tun haben.

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wallisblok spangen

[Architektur]

Im Rotterdamer Stadtteil Spangen wurden letztes Jahr 39 Wohnungen verschenkt. Die neuen Besitzer mussten sich lediglich verpflichten, ihr neues Heim für jeweils minimal 180 000 Euro zu renovieren, denn der sogenannte Wallisblok war eigentlich abbruchreif. Das Experiment läuft unter dem Titel "kluswoningen", also "Bastelwohnungen", und soll zur Aufwertung des ziemlich heruntergekommenen Stadtteils im Westen Rotterdams beitragen.

Jetzt sind die Wohnungen fertiggestellt und bezogen, und laut einem großen Artikel, der gestern im NRC Handelsblad stand, ist das Experiment ein Erfolg. Manch einer hat für ganze 200 000 Euro eine Wohnung mit 150 Quadratmetern plus 80 Quadratmeter Dachterrasse bekommen – davon kann man in den Niederlanden sonst nur träumen. Die Bewohnerstruktur ist so, wie man sie sich vorstellt: Jede Menge Designer, Architekten und anderes kreatives Jungvolk. Dementsprechend ist die Renovierung auch ganz ansehnlich ausgefallen und stante pede mit einem dicken Architekturpreis ausgezeichnet worden.

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Bilder: Hulshoff Architecten

Die Frage ist nun natürlich, ob der Block tatsächlich zur Aufwertung von Spangen beitragen kann oder ob er nur eine reiche Enklave im sozial problematischen Stadtteil bleibt. Immerhin: Die 32 500 Euro Preisgeld steckt die Bewohnervereinigung nicht in die eigene Tasche, sondern will sie in einen neuen, öffentlich zugänglichen Bootssteg am Flüsschen Rotte investieren.