esonstad
Mit einem kleinen Retro-Schmankerl möchte ich mich in die Sommerferien verabschieden.
Am Wochenende war ich mit Freunden in Friesland bootfahren. Wir legten im Hafen von Oostmahorn am Lauwersmeer an und brachen zu einem Landausflug auf, in der Hoffnung auf ein lauschiges Café mit Appeltaart im historischen Ortskern. Hinterm Deich sahen wir in der Ferne einige alte Häuschen, mit Treppengiebeln und Sprossenfenstern, wie es sich gehört. Als wir uns dem Ort auf ein paar Hundert Meter genähert hatten, wurden wir allerdings stutzig. Irgendwas stimmte hier nicht. Alles viel zu sauber und aufgeräumt, der Backstein zu gleichmäßig und die Fassaden zu lotrecht. Je näher wir kamen, desto mehr bestätigte sich der Verdacht: das historische Städtchen war nagelneu!
Wir waren in Esonstad gelandet, einem neuen Ferienpark im Stil des Goldenen Zeitalters. Und so gruselig das einerseits ist, so konsequent ist es immerhin durchgezogen. Man muss den Niederländern ja lassen, dass sie keine halben Sachen machen. Von vorne würden die meisten Laien den Anachronismus vermutlich gar nicht bemerken. Erst auf der Rückseite der Häuser werden Treppen aus Beton und Standard-Geräteschuppen aus dem Baumarkt sichtbar.
Ein Stück hinter dem potemkinschen Dorf wird übrigens gerade eine weitere Anlage gebaut, nun aber in mehr oder weniger modernem Stil. Sie ist ziemlich trist, eben klassisch Vinex. Ich muss zugeben, dass mich das in höchste Gewissensnöte brachte, denn im Vergleich fand ich die Disney-Stadt tatsächlich besser gelungen!
Um mir diese Flausen gleich wieder auszutreiben, fahre ich jetzt drei Wochen in Urlaub. Ab 8.8. wird dieser Blog wieder gefüttert. Bis dahin: einen schönen Sommer!

Nicht das Rathaus, sondern das Café von Landal-Esonstad – mit frei erfundener Betonsäulenordnung.

Neben dem Segelboot stapeln sich ebenso dekorative wie inhaltsleere Kisten und Fässer.

Insgesamt gibt es drei Häuser-, vier Giebel- und vier Backsteintypen, die geschickt gemischt wurden.

Für Gartenmöbel und Schuppen im Stil des 17. Jahrhunderts hat das Budget dann aber doch nicht mehr gereicht.
Fotos: Miguel Loos





