blumenschüsseln

[Kurioses]

"Schotelsteden", also "Schüsselstädte" nennt man in den Niederlanden Stadtviertel mit hohem Satellitenschüssel- und folglich auch Immigranten-Anteil.

Vielleicht wird das demnächst vom Schimpf- zum Kosewort? Wie herzallerliebst die Schüsseln mit ein bisschen Zuwendung aussehen können, zeigt momentan ein Projekt des Amsterdamer Künstlers Peter Doeswijk mit dem schönen Titel "Pimp my Schotel". Die Satellitenschüsseln an einem Wohnblock in Geuzenveld-Slotermeer hat er mit Blumenmotiven verziert, die von Schülern aus dem Stadtteil entworfen wurden. Sehr hübsch. Jetzt warten wir auf eine lasergeschnittene Spitzendeckchen-Blumenschüssel von Tord Boontje.

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Foto: Peter Doeswijk

kleine erkenntnisse des alltags

[Allgemeines]

Es gibt so Sachen, über die wundert man sich jahrelang, bis einem eines Tages völlig unvermittelt ein Licht aufgeht. Gestern hatte ich so einen Moment.

Eine der großen Fragen, die sich Zugereiste in Amsterdam immer wieder stellen, ist: Weshalb sind Fahrräder ausgerechnet in der Stadt, in der die Nachfrage am größten ist, so teuer wie nirgends sonst? Für ein klappriges Gebrauchtrad wird man hier locker 200 Euro los. Jedenfalls, wenn man dem Studentenalter entwachsen ist und nicht mehr riskieren will, seine Drahtesel beim Junkie auf der Brücke zu kaufen.

Gestern musste ich mein Rad mal wieder von der Reparatur abholen. Die Kette war runtergesprungen – völlig verrostet und ausgeleiert, dank intensiver Nutzung und mieser Lebensbedingungen im niederländischen Regen. Für seine Fummelarbeit (legen, spannen, ölen) berechnete der freundliche Reparateur ganze 10 Euro.

Erst letzte Woche hatte ich für bescheidene 7 Euro einen Platten reparieren lassen. Dafür bekommt man in dieser Stadt kaum ein belegtes Brötchen. Plötzlich dämmerte mir: Ich habe zwar jahrelang zu viel für meine Fahrräder, aber auch zu wenig für die Reparaturen gezahlt. Das ist ganz schlicht ein bizarres niederländisches Prinzip der ausgleichenden Gerechtigkeit.

Ich habe also gestern offiziell meinen Frieden mit dem Amsterdamer Fahrradmarkt geschlossen. Bitte erinner mich jemand daran, wenn das nächste Mal mein Rad geklaut wird.

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Foto: random dude/flickr

viviane sassen gewinnt prix de rome

[Kunst]

Die Amsterdamer Fotografin Viviane Sassen (geb. 1972) hat den Prix de Rome 2007 gewonnen, der für die Kategorie Bildende Kunst ausgelobt war. Der Prix de Rome ist der älteste Kunstpreis der Niederlande und wurde 1808 von Napoleon himself eingeführt. Alle vier Jahre erhält ihn ein Architekt, alle zwei Jahre ein Künstler unter 35 Jahren. Das Preisgeld für den 1. Platz beträgt beachtliche 45 000 Euro.

Ich weiß allerdings nicht so recht, was ich von Sassens Prämierung halten soll. Sicher, ihre Fotos von Personen und Straßenszenen in Afrika sind sehr schön. Aber man sieht ihnen doch deutlich an, dass Sassen auch als Modefotografin arbeitet. Irgendwie ist mir das alles zu glatt und zu widerspruchslos, um als Kunst durchzugehen. Und ich habe meine Zweifel, ob sie in eine Reihe mit Joep van Lieshout, Jan Sluijters und Erick Andriesse passt.

In Architektenkreisen wurde Sassen übrigens bekannt, als UN Studio sie vor einigen Jahren Fotos von ihrem Bürobau La Défense in Almere machen ließen.

Die Prix-de-Rome-Arbeiten der 10 Finalisten kann man sich noch bis 1. Juli im Witte de With in Rotterdam und in De Appel in Amsterdam ansehen.

sassen
Foto: Viviane Sassen

schönstes gebäude der niederlande?

[Architektur]

Irgendwie haben die Niederländer was mit Superlativen, Wahlen und Bestenlisten. Nach dem schönsten Gemälde und dem hässlichsten Gebäude gab es nun die Wahl des schönsten Gebäudes im ganzen Land, veranstaltet von der christlich-konservativen Zeitung Trouw. Immerhin beteiligten sich 12 000 Leser. Das Ergebnis? Nun ja, recht eigenwillig. Platz 1 belegte das anthroposophisch angehauchte Büro der Gasunie in Groningen von Alberts & Van Huut (siehe unten). Auf Platz 2 findet sich das (nach dem Krieg rekonstruierte) Renaissance-Rathaus von Middelburg, und auf Platz 3 schon wieder ein Alberts & Van Huut, nämlich der alte ING-Hauptsitz in Amsterdam.

Was sagt uns das? Eigentlich nur, dass die Leser von Trouw der Moderne einerseits nicht viel abgewinnen können, andererseits aber auch nicht alte Klassiker wie die Windmühlen von Kinderdijk, den Dom von Utrecht oder das Rijksmuseum favorisieren. Kurz: Das Ergebnis schmeckt sehr niederländisch, mit einer Prise evangelischem Religionslehrer.

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Spieglein, Spieglein an der Wand...
Foto: Gasunie

Tag der Architektur

[Architektur]

Zwar bin ich am Wochenende selber nicht im Lande, aber ich möchte Euch diesen Hinweis nicht vorenthalten: Am 23. Juni ist Tag der Architektur. An diesem Tag gibt es jedes Jahr die Gelegenheit, Gebäude in den Niederlanden von innen zu sehen, die Normalsterblichen sonst verschlossen bleiben. Dieses Mal zum Thema "Befristeter Aufenthalt".

In Rotterdam stehen deshalb dieses Jahr Lobbies im Mittelpunkt, mit dem schönen Untertitel "Die Kunst des Hereinkommens". Zahlreiche Gebäude öffnen ihre Foyers für Interessierte, darunter ein paar spätmoderne Schönheiten wie das Hilton Hotel von Maaskant sowie die Dominicuskirche und die Handelskammer von Kraaijvanger, aber auch die neue Schiffahrtsschule von Neutelings Riedijk und das Luxor Theater von Bolles and Wilson.

In Amsterdam nennt sich das Programm dagegen Room Service und bietet am Samstag und Sonntag Einblick in Zimmer, Foyers und Restaurants verschiedener Hotelbauten, z.B. Lloyd Hotel, Hilton, The Dylan und Amstel Hotel. Interessant sein dürfte das neue Amrath Hotel, das seit kurzem im früheren Scheepvaarthuis residiert, einem Meisterwerk des Gotham-City-Stils, pardon: der Amsterdamer Schule.

vom design annual zum oosterdokseiland

[Kultur]

Ein Ausflug führte mich am vergangenen Wochenende in meine Heimatstadt Frankfurt. Dort fand zum zweiten Mal The Design Annual statt, veranstaltet vom Stylepark.

Es war eine gelungene Mischung aus Messe, Ausstellungen, Podiumsdiskussionen und Leutetreffen. Allzu viele Neuheiten gab es nicht zu sehen, aber das war so kurz nach Mailand ja auch nicht zu erwarten. Dafür hatte die Veranstaltung tatsächlich einmal einen deutlich erkennbaren roten Faden namens "Private Identity". Meist sind solche Mottos ja nur Worthülsen, von denen man vor Ort wenig bemerkt.

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Foto: Messe Frankfurt / Constantin Meyer / Köln

Hinterher bin ich dann noch ein bisschen durch Frankfurt spaziert und staunte Bauklötze, als ich das große Loch sah, das jetzt an der Stelle klafft, wo früher das Rundschau-Haus stand. Erinnert sich noch jemand an die elegant geschwungene Ecke mit den gebogenen Fensterscheiben in schlanken Messingrahmen? Und an die Eisdiele im Erdgeschoss mit dem schönen Mortadella-Boden?

Ich werde immer ein bisschen wehmütig, wenn ich sehe, wie die Frankfurter mit ihrer Architektur der fünfziger Jahre umspringen. Schon seit Jahren beobachte ich, wie immer mehr hauchdünne Flugdächer in plumpe, postmoderne Plastikverschalungen eingepackt und Travertinfassaden heruntergeschlagen und durch hochglanzpolierten Yuppie-Granit ersetzt werden. Vom Abriss spätmoderner Perlen wie dem Parkhaus am früheren Theaterplatz (zu dem ein japanischer Freund mal meinte, es sehe aus wie von OMA) ganz zu schweigen. Bis vor kurzem war auch die Kleinmarkthalle, ein in seiner schlichten Asymmetrie großartig bescheidener Hallenbau, von der Birne bedroht. Die Initiative für den Abriss des Technischen Rathauses hinter dem Römer – zugegebenermaßen keine Schönheit – steht doch tatsächlich unter dem Motto: "Wir wollen unsere Altstadt zurück!". Geht es noch paradoxer?

Die Nachkriegsmoderne hat bei Immobilienbesitzern einfach einen schweren Stand. Das ist auch in den Niederlanden nicht anders. Und eigentlich bin ich auch immer froh, wenn solche Bauten nicht mit Plastikverschalungen verunstaltet, sondern einfach in Würde abgerissen werden. Wir dürfen schon mal gespannt sein, was nächstes Jahr mit dem Post CS-Gebäude auf dem Oosterdokseiland in Amsterdam passiert. Die Zwischenmieter müssen nun tatsächlich bis Juli 2008 raus.

chris kabel bubblicious

[Design]

Beim Stichwort Chris Kabel fielen mir bisher immer nur die schönen, aber schon etwas zu oft gesehenen Sticky Lamps von Droog Design ein. Dass der Rotterdamer Designer auch sehr schöne neue Lampen auf Lager hat, zeigt seine Website. Bubblicious heißen sie, was ebenso gut zu einem Kaugummi oder Bonbon gepasst hätte. Aber so sehen sie ja auch aus – vor allem die lecker karamelfarbene. Jeder Lampenschirm ist mundgeblasen, dementsprechend ein Einzelstück, und wird nur von einer Klemme gehalten. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen.

kabel kabel4
kabel2 kabel3

rotterdamer designpreis

[Design]

Es ist wieder soweit: Im Boijmans Museum ist die zweijährliche Ausstellung mit den Anwärtern auf den Designprijs Rotterdam zu sehen. Unter den Nominierten sind dieses Jahr sehr viele alte Bekannte (Laarmans Schnörkelheizkörper, Demakersvans Lace Fence, Studio Jobs Totenkopfteller...) und wenig Überraschungen - mit Ausnahme dieses hübschen Spielplatzmöbels von KapteinRoodnat. Es handelt sich um die "klimklauterhangzitvoetbalgordijntoneelbuis". Übersetzungsversuch: "Kletterkraxelhängsitzfußballgardinenbühnenrohr".

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Foto: Bas Princen

mecanoo brennt

[Architektur]

Wie das Baunetz und ein Bericht auf der Mecanoo-Homepage melden, hat es am vergangenen Sonntag im Delfter Büro von Mecanoo gebrannt. Zum Glück arbeiteten die Praktikanten am Wochenende durch, so dass das Feuer schnell bemerkt und gelöscht wurde.

Jetzt wird es doch endlich mal Zeit, an einem wichtigen öffentlichen Ort ein Denkmal für den Unbekannten Praktikanten aufzustellen. Ich schlage aus gegebenem Anlass den Markt in Delft vor. Und in den Sockel könnte man den legendären Satz aus dem Film The Life Aquatic einmeißeln: "Don't point that gun at him, he's an unpaid intern!"

spencer tunick in Amsterdam

[Kunst]

Hab ich doch glatt verpasst, obwohl ich jeden Tag dran vorbeifietse: Spencer Tunick hat gestern morgen Nackedei-Fotos an der Tankstelle unter dem Europarking gemacht. Und wie es sich inzwischen für ein ordentliches Event gehört, waren etwa 10 YouTube-Filmemacher dabei. Hier gibt's die diversen Filmchen zu sehen. Am unterhaltsamsten sind Tunicks Befehle, die man im Hintergrund hört: "No, don't look at me, don't look at me. And don't smile!".

fahrrad

maenner

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