restaurant as

[Allgemeines]

Amsterdam ist mal wieder um ein hippes Restaurant reicher. In der sehr schönen Sint Nicolaaskapel in der Prinses Irenestraat, direkt neben dem ehemaligen Sandberg Instituut, wurde am vergangenen Samstag das Restaurant As eröffnet. Es wird vom gleichen Team geleitet wie das Elf im Post-CS-Gebäude, was auf ordentliches Essen hoffen lässt. Das Interieur wurde, ebenso wie das des Elf, von Bas van der Tol gestaltet.

In der runden modernistischen Kirche gab es früher schon einmal ein ebenso provisorisches wie angesagtes Restaurant. Damals war die Kirche zwar schon desekriert, aber noch nicht umgebaut. Man saß in den Kirchenbänken und grillte seine eigene Fleischportion auf kleinen Wegwerfgrills, während der Koch auf dem Altar Knoblauch und Zwiebeln schnippelte. Ehrlich!

Vor einer Weile wurde die Kirche innen völlig umgestrickt (leider, denn im Obergeschoss ist seither nicht mehr viel von der ursprünglichen Architektur zu sehen) und das Designzentrum Platform 21 zog ein. Nun finden im Obergeschoss die Ausstellung von Platform 21 statt, und das rundum verglaste, etwas abgesenkte Erdgeschoss ist zum Restaurant geworden. Van der Tol hat eine sternförmige Installation aus roh behauenen Holzbänken hineingestellt. Die Küche befindet sich in einem offenen Pavillion neben der Kirche - hat was sehr südländisches. Und draußen wurde ein hoher Corten-Zaun um das Grundstück herumgezogen, der offenbar noch berankt werden soll und etwas umschließt, was einem Biergarten tatsächlich recht nahe kommt.

Über das Essen kann ich noch nichts sagen, denn bei der Eröffnung gab es nur Häppchen. Aber sobald etwas einem Biergarten ähnelt - ein Konzept, das in den Niederlanden völlig unbekannt ist -, freue ich mich sowieso schon drüber.

sintnicolaas
Sint Nicolaaskapel: Oben Platform 21, unten As.

dig & sit

[Design]

Die Strandsaison hat angefangen. Wenn man organisatorisch so unbegabt ist wie ich, holt man sich da öfter mal einen feuchten Hosenboden und trägt anschließend ein Kilo Sand in die Wohnung. Wer es professioneller angehen möchte, kann ein Dig & Sit von PronkDesigners kaufen. Auch wenn es sich dabei eigentlich nur um eine wasserdichte Decke mit ein paar gepolsterten Stellen handelt.

Als Deutscher sollte man damit allerdings vorsichtig sein. Sobald ihre östlichen Nachbarn am Strand anfangen Kuhlen zu graben, bekommen die Niederländer nämlich reihenweise Ausschlag. Kuhlenbuddeln gilt als typisch deutsche Unart, bedeutet es doch ungesellige Abgrenzung gegen die Gastgeber und gleichzeitige Beschlagnahmung niederländischen Bodens. Wie dieser Cartoon eindeutig beweist.

digandsit

recyclage im brakke grond

[Kunst]

Wenn in China ein sprichwörtlicher Sack Reis umfällt, merkt das hier kein Mensch. Wenn aber in Brüssel jemand eine Flasche in einen Glascontainer wirft, freuen sich in Amsterdam die Ausstellungsbesucher.

Im flämischen Kulturzentrum Brakke Grond wurde am vergangenen Freitag die Ausstellung Recyclage eröffnet. Angesichts des eindeutigen Titels erübrigt es sich wohl, das Thema der Schau zu erklären. Insgesamt sind Werke von vier belgischen Künstlern vertreten.

Das gleichzeitig spektakulärste und unspektakulärste Werk in der Ausstellung ist die Installation Glass Works von Kris Vleeschouwer. In einem großen Saal steht ein Regal, dessen zwei Seiten mit leeren Flaschen gefüllt sind. Dazwischen hängt eine Maschine, die offenbar zwischen den zwei Reihen auf- und abfahren kann. Auf dem Boden liegen ein paar kaputte Flaschen um das Regal herum.

Was das soll, kapiert man erst, wenn man den dazugehörigen Text liest. Denn Vleeschouwer hat einen Glascontainer in Brüssel mit einer Kamera ausgestattet und mit dem Regal verlinkt. Sobald jemand nichtsahnend sein Leergut in den Container in Brüssel wirft, setzt sich die Maschine in Amsterdam in Bewegung und schiebt die entsprechende Anzahl Flaschen aus dem Regal heraus.

Das Resultat ist spürbare Spannung im Ausstellungsraum. Alle warten darauf, dass es klirrt. Allzu oft dürfte das aber nicht der Fall sein, denn wie ein Monitor am Ausstellungseingang zeigt, steht der Glascontainer nicht gerade in einer belebten Gegend. Auch mir war bei der Eröffnung leider nicht vergönnt, eine Flasche zerspringen zu sehen. Aber allein die Idee, dass es passieren könnte, war schon spannend genug. Bis 27.5. kann man mitwarten.

recyclage
Kris Vleeschouwer, Glass Works, 2007

milano und kein ende

[Design]

Es gibt kein Entkommen. Obwohl ich gar nicht in Mailand bin, stolpere ich auf Schritt und Tritt über den Salone del Mobile. An allen Ecken und Enden wird das zigste neue Sofa, der zigste neue Stuhl und die zigste neue Lampe gezeigt. In Zeitschriften, Weblogs, im Fernsehen und so weiter. Bei all der Fülle ist das einzig leere meine Inbox. Fast alle Redakteure der Zeitschriften, für die ich arbeite, sind - na wo wohl? Dort, wo gerade 99% des Universums zu sein scheinen. Um sich zwischen Wanders, Starck & Co zu tummeln.

Obwohl all das gestylte Design bei mir einen ziemlichen Übersättigungseffekt bewirkt, gibt es doch hin und wieder mal eine Mailand-Neuheit, die mich zum Schmunzeln bringt. Heute stieß ich zum Beispiel auf diese schöne Bienenwaben-Vase, entworfen vom slowakischen Designer Tomas Gabzdil Libertiny für Droog. Der Designer nennt den Herstellungsprozess "slow prototyping": 40 000 Bienen waren eine Woche lang damit beschäftigt, einen vasenförmigen Bienenkorb mit Wachs auszukleiden.

In so einem Moment wäre ich dann doch gerne in Mailand, denn ein digitales Bildchen vermittelt leider weder den leckeren Geruch noch den klebrigen Film auf den Fingern, den man sich bei Berührung dieses Objekts vermutlich holt.

honeycombvase
Honeycombvase von Studio Libertiny. Via Dezeen.

der himmel über amsterdam

[Allgemeines]

Wie ich den smoggigen Pekingfotos meines Blog-Kollegen Falk immer mal wieder entnehmen kann, lebe ich ausgerechnet in den übertechnologisierten Niederlanden doch in ziemlich angenehmen Luftverhältnissen. Gut, Sterne gibt es hier nachts fast nie zu sehen, dafür sind die Gewächshäuser und Schiphol zu hell beleuchtet. Aber tagsüber gibt es durchaus mal blauen Himmel, vor allem in den letzten paar Wochen mit ihrem surreal guten Frühsommerwetter. Am Sonntag habe ich im Amsterdamse Bos Leute im See planschen sehen, während noch keine Blätter an den Bäumen hingen...

Wer sich aus der Ferne ein Bild davon machen will, wie der Himmel über Amsterdam gerade aussieht, kann das auf der Website Skycatcher tun. Auf dem Dach des Kulturzentrums De Balie am Leidseplein hat die Künstlerin Luna Maura nämlich eine Kamera installiert, die alle 5 Minuten ein Foto vom Himmel macht. Daraus schneidet sie dann unter anderem hübsche Zeitraffer-Filme zusammen, auf denen man die Wolken über die Dächer der Stadt ziehen sehen kann. Und plötzlich sieht wolkenlos blauer Himmel richtig langweilig aus.

skycatcher
Foto: Luna Maurer

genug gehört

[Design]

5 Aussagen, bei denen ich lauthals gähnen werde, wenn ich sie das nächste Mal aus dem Mund eines niederländischen Designers vernehme:

  1. "Mir geht es überhaupt nicht um Form. Meine Entwürfe ergeben sich immer aus der Funktion." (alternativ: "aus dem Prozess").
  2. "Natürlich lasse ich in China produzieren, denn das ist billig. Aber wir achten sehr darauf, dass die Arbeitsbedingungen stimmen."
  3. "Mir ist viel wichtiger, dass meine Produkte von möglichst vielen Leuten benutzt werden, als dass sie im MoMA stehen."
  4. "Der Beruf des Designers muss ganz neu definiert werden."
  5. "Droog Design ist ausgetrocknet."

toby paterson

[Kunst]

Im kleinen, aber feinen Kunstzentrum Stroom in Den Haag ist vom 22.4. bis 17.6. eine Ausstellung mit Werken des britischen Künstlers Toby Paterson zu sehen.

Paterson wurde mit Gemälden und Installationen rund um das Thema modernistische Architektur bekannt. Nach einem längeren Aufenthalt in Den Haag hat er die Ausstellung im Stroom ausschließlich mit neuen Werken bestückt, die vergessene oder verkannte Gebäude in der niederländischen Regierungsstadt zeigen - und zwar nicht nur in Form von Gemälden, sondern auch als Fotos. Im Zuge von Inititiativen wie Restmodern.de ist das im Moment ja sehr angesagt. In den Niederlanden kommt die Diskussion um Bauten wie die Zwarte Madonna hinzu: Dieser 1986 fertig gestellte soziale Wohnungsbau neben dem Hauptbahnhof von Den Haag soll demnächst schon wieder abgerissen und durch drei lukrativere Hochhäuser von Hans Kollhoff ersetzt werden.

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Toby Paterson, 'Black Elegy', GOMA, Glasgow, 2004

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Toby Paterson, Den Haag 2006-2007

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Toby Paterson, Den Haag 2006-2007 (Zwarte Madonna)

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Toby Paterson, Den Haag 2006-2007

königlicher palast wird vielleicht weiß

[Allgemeines]

Der Königliche Palast auf dem Dam wirkt auf viele Touristen irritierend. Dieser schmutzig-graue Kasten mit blinden Fenstern soll der Palast von Königin Beatrix sein? "Den könnte man aber auch mal sauber machen", lautete der vermutlich prototypische Kommentar meiner Mutter.

Genau das soll jetzt eventuell geschehen. Der Rijksgebouwendienst lässt gerade untersuchen, ob die Palastfassade gereinigt werden kann. Das Resultat dürfte überraschen, denn ursprünglich war der Bentheimer Sandstein, aus dem der Palast - damals noch Rathaus - 1648 errichtet wurde, reinweiß! Wie lange er angesichts des Verkehrsaufkommens auf dem Rokin und dem Nieuwezijds Voorburgwal sein jungfräuliches Aussehen behalten würde, ist allerdings fraglich. Und irgendwie gehört es doch zum nonchalanten Verhältnis der Niederländer zu ihrem Königshaus, dass ausgerechnet der Palast in Amsterdam etwas vor sich hinschmuddelt. Schließlich wird er ja auch liebevoll als "größte Abstellkammer der Niederlande" bezeichnet.

paleis in weiß
Paleis in weiß?

lelystad

[Architektur]

Die Polderstadt Lelystad heißt im Volksmund auch "Lelijkstad", also "Häßlichstadt". Das kann einen wenig verwundern, wenn man einmal ihr völlig fantasiefreies Zentrum gesehen hat. Nun hat UN Studio ihr einen nassen Waschlappen in Form eines Theaterbaus ins Gesicht geworfen (siehe mein früherer Eintrag über das noch unfertige Projekt). Knallorange sitzt er mitten in der gebauten Langeweile wie ein Paradiesvogel unter Spatzen.

Ein nasser Waschlappen im Gesicht wirkt ja in der Regel anregend auf den Kreislauf. Vielleicht war das auch die Absicht von UN Studio. Andererseits ist der Bau (der übrigens viele Scharoun-Anklänge hat) ziemlich autistisch geraten. Wie aus einem anderen Universum heruntergeplumpst hockt er da und kehrt der Stadt sein Hinterteil zu. Und sein Hinterteil ist ganz schön groß.

agora
Theater Agora von UN Studio von vorne...

agora 2
...und von hinten.

Ein klarer Fall von kontextfreier Starchitektur. Ich bin ein wenig hin- und hergerissen: Finde ich es nun unmöglich, dort so ein hochnäsiges Designobjekt hinzusetzen, das sich nicht um seine unansehnliche Nachbarschaft schert? Oder ist es nur allzu verständlich, dass man mit dieser Nachbarschaft nichts zu tun haben will?

Einige hundert Meter weiter befindet sich eine Zeile von Neubauten, die eine Zwangsnachbarschaft eingehen mussten. Die Zilverparkkade entsteht nach einem Masterplan von West 8 und basiert auf der Grachtenidee: Mehrere schmale, unterschiedlich hohe Gebäude stehen Schulter an Schulter in einer Reihe. Eine bunte Gesellschaft, teils entworfen von bekannten Architekten (darunter Erick van Egeraat, René van Zuuk, Meyer en Van Schooten, SeArch), teils von kommerziellen Buchstabenbüros; teils mit hipper Ornamentik (René van Zuuk), teils mit spaßvogeliger Quetschoptik (SeArch). Die Grundidee ist aber auch hier offenbar, etwas Abwechslung ins Einerlei des Stadtzentrums zu bringen. Ob die Operation gelingt und der Patient aus dem Koma erwacht, wird sich noch zeigen.

zilverparkkade
Zilverparkkade

vanzuuk
René van Zuuk goes Bouroullec...

search
...und SeArch drängeln sich dazwischen.
(Fotos: Miguel Loos)

brad pitt in rotterdam

[Architektur]

Brad Pitt und sein Steckenpferd Architektur sorgen doch immer wieder für amüsante Geschichten. Seit er zum ersten Mal bei OMA in Rotterdam gesichtet wurde, machen auf niederländischen Architektenpartys Anekdoten über den Praktikanten Pitt die Runde. Ob er für Rem Kaffee kochen musste oder nicht, ob Uma Thurman etwas mit seiner Koolhaas-Connection zu tun hat, ob er eine Zweitwohnung im Amsterdamer Grachtenring beziehen will und so weiter. Wirklich dokumentiert ist nur, dass er vor ein paar Jahren gemeinsam mit Koolhaas (und einer Horde knipsender Journalisten) die Kunsthal besichtigt und danach noch dem Büro NOX einen Starbesuch abgestattet hat.

Jetzt hat er angeblich das seit über einem Jahr leerstehende Penthouse im Montevideo-Turm auf dem Kop van Zuid gekauft. Die Wohnung ist 500 Quadratmeter groß und erstreckt sich über das 41., 42. und 43. Geschoss. Auf dem Dach hat sie optimistischerweise eine 120 Quadratmeter große Dachterrasse mit Swimming Pool. Ob Koolhaas stolz auf Pitts Wahl wäre, weiß ich nicht. Das Gebäude ist ein Entwurf von Mecanoo und ziemlich retro-dekorativ. Außerdem beginnt demnächst nur einen Steinwurf von dort entfernt der Bau von De Rotterdam, einem dreiköpfigen Hochhaus von OMA. Aber vielleicht zieht Brad ja wieder um, wenn es fertig ist.

Laut Archined hat Pitt am vergangenen Sonntag im NAi einen Vortrag über seinen eigenen Interieur-Entwurf (dieses Mal also keine Vetternwirtschaft mit Graft) für sein frisch erworbenes Penthouse gehalten. Leider muss ich aber auch diesen Vortrag dem Reich der Gerüchte zuschreiben, denn ich kenne niemanden, der dort gewesen ist, und auf der Website des NAi wurde die VIP-Veranstaltung weder angekündigt noch besprochen.

kop van zuid
Links Fosters World Port Authorities, rechts Montevideo von Mecanoo

de rotterdam
Rendering zu De Rotterdam von OMA. Die Darstellung ist schon etwas älter - am rechten Bildrand müsste nun eigentlich Montevideo zu sehen sein.

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