westergasfabriek

[Kultur]
Wie ich neulich feststellen durfte, hat sich die gute alte Westergasfabrik im Stadtteil Westerpark ziemlich gemausert. Wo bis vor einigen Jahren nur der einsame Club West Pacific war (den ich übrigens schmerzlich vermisse), findet sich jetzt eine ganze Reihe von Amüsiergelegenheiten, umgeben vom Westerpark.

Da wäre zunächst einmal eine Filiale des Bakkerswinkel, in der es sich sonntags prima frühstücken lässt. Dann gibt es das eher mittelmäßige, aber mit einer sehr schönen Terrasse versehene Restaurant Pacific Parc sowie einen Ableger von Marije Vogelzangs Rotterdamer Versuchsküche Proef. Außerdem sitzt in einem der alten Gebäude ein Laden des Edelmodelabels Orson + Bodil und im ehemaligen Kesselhaus das Kino namens Ketelhuis. In letzteres wird es allerdings hauptsächlich jene verschlagen, die der niederländischen Sprache mächtig sind, da es auf niederländische Filme spezialisiert ist. Leider, muss man sagen, denn das neue Interieur von Ramin Visch ist durchaus sehenswert - siehe unten.

ketelhuis

wellness in hoofddorp

[Architektur]
Noch mehr Zukunftsmusik: ein Rendering von einem Wellness-Zentrum, das 24 h architecture in Hoofddorp bauen sollen, wollen und offenbar auch werden. Damit wird sich der Spaßfaktor von Hoofdorp garantiert vertausendfachen. Ist aber auch nicht schwierig, denn Hoofddorp ist eine todsterbenslangweilige Bürostadt auf dem Haarlemmermeerpolder, deren einziger Pluspunkt ist, dass sie direkt neben dem Flughafen Schiphol liegt. Also: Wellness-Spaß für Businessmenschen auf Stop-over und den einen oder anderen Sachbearbeiter, der sich mal eine nette Mittagspause gönnen will. Nach einem Bad im steinernen Sektkelch tippt es sich sicher gleich viel schneller. Wohlsein!

hoofddorp

jaime hayon bei vivid

[Design]
Die Designgalerie Vivid Vormgeving in Rotterdam zeigt bis 4. März eine Ausstellung des spanischen Designers Jaime Hayon. Neben einigen seiner Möbel- und Objektentwürfe ist ein eigens für Vivid angefertigtes Wandgemälde zu sehen. Zeitgeistigerweise kann man sich bei Youtube auch noch ein Filmchen über dessen Entstehung angucken - allerdings leider nur in Schwarzweiß. Und wer hat eigentlich den Soundtrack ausgesucht?

jaime hayon

entwürfe für den grote markt in groningen

[Drumrum]
Die Ostseite des Grote Markt im nordniederländischen Groningen soll in den kommenden Jahren völlig umgestrickt werden. Gegenüber dem Rathaus steht momentan eine ziemlich nichtssagende Bebauung aus den siebziger und achtziger Jahren, die demnächst abgerissen wird (damit hat man in den Niederlanden ja wenig Probleme). Sieben Büros wurden eingeladen, einen Entwurf für einen Neubau namens Groninger Forum anzufertigen - und zwar nicht gerade die unbekanntesten: Wiel Arets, Erick van Egeraat, FOA, Neutelings Riedijk, NL Architects, UN Studio und Zaha Hadid sind mit von der Partie. Im Forum sollen die Stadtbibliothek, das Stadtarchiv, ein Historisches Museum und ein Filmhaus untergebracht werden.

Um Subtilität ging es offenbar nicht bei dem Wettbewerb: Ein Entwurf ist extravaganter als der andere. Vielleicht hat das auch ein wenig mit der Art der Entscheidungsfindung zu tun. Statt einer Expertenjury dürfen nämlich die Einwohner von Groningen auf einer Website abstimmen, welcher der sieben Entwürfe gebaut werden wird. Da sind natürlich saftige Renderings bzw. Modelle (Neutelings Riedijk sind immer noch eher computerfern) gefragt. Alle Groninger haben per Post ein Passwort geschickt bekommen, mit dem sie sich auf der Website einloggen können. Am 2. Februar wird die Entscheidung bekannt gegeben. Angesichts des derzeitigen Blümchentrends setze ich mal auf FOA.

groningen 5
Wiel Arets

groningen 1
Erick van Egeraat

groningen 2
Foreign Office Architects

groningen 7
Neutelings Riedijk

groningen 3
NL Architects

groningen 4
UN Studio

groningen 6
Zaha Hadid

Ausflug nach Lille

[Kultur]
Ein paar Schlussfolgerungen nach einem Wochenende in Lille - oder Rijsel, wie die Stadt auf niederländisch heißt:

lille

  • OMAs Städtebauplan für Lille Europe ist dem für Almere Centrum ziemlich ähnlich. Bei beiden geht es um vertikal geschichtete Funktionen - frei nach Grobis „oben, unten und drumherum“. Das funktioniert oben meist ganz gut; unten, hinten und drumherum dagegen eher nicht.

  • Ich werde mich wohl nie für die Architektur von Jean Nouvel erwärmen können. Immer dieses dunkelbunte Blech-Geschrängel mit schlechten Details... Dafür aber umso mehr für die von Xaveer de Geyter, der hinter dem Bahnhof Lille Europe eine sehr schöne Wohnanlage hingesetzt hat.

  • Peripherie sieht in Nord-Frankreich noch rümpeliger aus als in Süd-Belgien. Und das will was heißen.

  • Es gibt im wochenendausflugtauglichen Umkreis von Amsterdam noch immer einige sehenswerte Museen, die ich bisher nicht kannte. Zum Beispiel ein großartiges ehemaliges Hallenbad in Roubaix nahe Lille.

  • Wenn die Wirtin im französischen Restaurant dem schuldbewussten Gast, den sie gerade beim Rauchen im Nichtraucherbereich ertappt hat, ganz laut und wiederholt „Non, non, c’est pas gênant du tout!“ zuruft, so dass alle anderen Gäste verstummen, dann ist das erst so richtig peinlich.

  • Man sollte öfter mal Riesenrad fahren.

lillehinten
Rückseite von Lille Europe

de geyter
Wohnanlage von Xaveer de Geyter Architecten
Fotos: Miguel Loos


piscine
La Piscine de Roubaix

john körmeling entwirft pavillon expo 2010

[Architektur]
John Körmeling wird den niederländischen Pavillon für die Expo 2010 in Shanghai entwerfen. Er konnte sich mit seinem Entwurf gegen eine ziemlich beeindruckende Liste von Mitstreitern durchsetzen: UN Studio, West 8, NL Architects, Neutelings Riedijk und Marcel Wanders.

koermeling

Vermutlich hätte keines dieser Büros aus dem Pavillon eine ähnlich lauwarme Klischeesuppe gemacht wie es der Pavillon 2005 im japanischen Aichi war. Aber die Entscheidung für Körmeling ist durchaus bemerkenswert, hat er doch als einziger aus der Riege kein gut laufendes, kommerzielles Designbüro. Er versteht sich eher als Künstler auf der Grenze zur Architektur und hat in den vergangenen Jahren einige abgründig amüsante Werke in den öffentlichen Raum gestellt. Hier ein paar Fotos und (leider nur niederländische) Beschreibungen und hier ein (leider fotoloser) Artikel aus dem Frame Magazine.

vmx architects gewinner des zuiderkerkpreises

[Architektur]
VMX Architects und ihr Auftraggeber Johan Matser haben für ihren Wohnblock 23b auf dem Haveneiland in IJburg den Zuiderkerkprijs 2006 gewonnen. Diesen Preis vergibt die Stadt Amsterdam jedes Jahr an ein vorbildliches Wohnungsbauprojekt und beweist dabei in der Regel ein ganz gutes Händchen. So auch dieses Jahr - obwohl ich den Preis auch dem ebenfalls nominierten Büro ANA für ihren Wohnblock Multifunk gegönnt hätte.

haveneiland blok23

Block 23 b besteht aus einem siebenstöckigen Hochhaus und einer daran angeschlossenen doppelten Reihenhauszeile mit Innenhof. Sie bilden wiederum Teil eines Stadtblocks, der einen Hof umschließt. Nach diesem Muster - Blockrandbebauung rund um einen Innenhof - wird das gesamte Haveneiland-West entwickelt. Das besondere daran ist, dass jeweils ein Architekturbüro die Gesamtform des Blocks entwerfen darf, sich dann aber die Ausarbeitung der einzelnen Gebäude mit mindestens zwei anderen Büros teilen muss. In diesem Fall waren Pero Puljiz und Branimir Medic von der ArchitectenCie die Koordinatoren, und teilten sich den Block mit Dick van Gameren/de architectengroep und eben VMX.

VMX haben einen eigentlich ziemlich strengen schwarzen Backsteinbau entworfen. Was ihn bemerkenswert macht, ist einerseits der Autolift im Hochhaus - die Bewohner können tatsächlich vor der eigenen Wohnungstür parken - und das für niederländische Verhältnisse unglaublich hohe Detailniveau. Wer einmal die schrottigen Katalogdetails gesehen hat, die hier normalerweise verbaut werden, dürfte wissen, was ich meine. Da tropft und zieht es an allen Ecken und Enden. VMX haben dagegen sogar die Briefkästen und die Pflanzkästen vor den Reihenhäusern selber gestaltet. Dazu kommen die sehr schön flach in der Fassade sitzenden Fenster in verschiedenen Braun- und Blautönungen, und eine Unterteilung der Häuser in einen Wohn- und Arbeitsbereich mit getrennten Eingängen - fertig ist das Gewinnerprojekt.

Eine virtuelle Tour gibt es beim Architectenweb. Und hier noch ein paar Grundrisse (EG, 1. OG und 2. OG), damit man mir das mit dem Autolift glaubt...

vmx grundriss

vorschau

[Kultur]
Worauf wir 2007 gespannt sein dürfen:
  • Rotterdam nennt sich dieses Jahr "City of Architecture". Als Auftakt wird die Erasmus-Brücke seit 1. Januar nachts rosa beleuchtet.

  • erasmus

  • Auf die Idee mit dem Architekturjahr kam die Marketingabteilung des Stadtrats vermutlich, weil dieses Jahr auch wieder die Architekturbiennale in Rotterdam stattfindet. Motto ist "Architecture and Power", kuratiert wird das ganze vom Berlage Institute, zu sehen ist es vom 24.5. bis 2.9.

  • In Almere wird Anfang Februar endlich das neue Stadttheater von SANAA eröffnet. Ich war vor kurzem dort, und empfand den Komplex aus weißen Kuben schon in unfertigem Zustand als minimalistische Augenweide in der Kommerz-Kakophonie des Stadtzentrums.

  • sanaa

  • In Amsterdam eröffnet dagegen am symbolträchtigen 7.7.07 etwas, das alles andere als minimalistisch zu werden verspricht: die neue Stadtbibliothek von Jo Coenen. Groß, größer am größten...

  • Und in Rotterdam wird am 18. April das Niederländische Fotomuseum eröffnet. Es bezieht das alte Lagerhaus Las Palmas auf dem Kop van Zuid. Über den neuen Dachaufbau von Benthem Crouwel bin ich aber noch etwas skeptisch.

  • laspalmas

  • Was Ausstellungen betrifft, darf man sich auf jeden Fall auf "Mapping the City" im Stedelijk Museum freuen. (16.2.-20.5.)

  • Auch die "Architektur der Nacht" im NAi dürfte interessant werden. (27.1.-6.5.)

  • Und sollte es mich dieses Jahr einmal in den hohen Norden verschlagen, sehe ich mir bestimmt die Abteilung für asiatisches Kunsthandwerk im Groninger Museum an, denn die chinesischen und japanischen Sammlungsobjekte werden dort bis 30.12. in Kombination (Konfrontation?) mit Arbeiten von Studio Job gezeigt.

  • studio job groningen
    Foto: Marten de Leeuw

willkommen zurück

[Allgemeines]
Ein frohes neues Jahr allen meinen treuen Lesern!

Leider gab es in den letzten Wochen ein kleines Serverproblem, deshalb war Hochparterre International nicht erreichbar. Ab sofort sind wir aber wieder da.

feuerwerk
Foto: Miguel Loos