new town institute

[Architektur]
Der Besuch der Website des neuen International New Town Institute lohnt sich allein schon wegen der Einleitungs-Animation. Normalerweise bewegt sich meine Maus bei sowas ja immer pfeilschnell in Richtung "skip"-Button. Aber dem Institut ist es gelungen, eine wirklich spannende und informative Animation zu machen, die man sich sogar freiwillig nochmal anschaut.

newtowns

Das nagelneue Institut ist der Untersuchung von "human settlements that were founded at a certain moment in history by an explicit act of will, according to a preceding plan" gewidmet und sitzt passenderweise in der künstlichen Polderstadt Almere. Die erste Tagung fand Ende November statt, und bisher hat die Website außer der hübschen Animation noch nicht so arg viel zu bieten. Hoffentlich wird sich das bald ändern. Das Appetithäppchen hat mir den Mund wässrig gemacht.

tischgenossen

[Kunst]
Dass die Niederländer pragmatisch veranlagt sind, ist eine Binsenweisheit. Aber hier kommt eine garantiert pragmatische (naja, manch einer wird es eher zynisch nennen) Lösung für Weihnachtseinsamkeit: die DVD "Tafelgenoten" ("Tischgenossen") von der Künstlergruppe Tilburg Cowboys.

Der Gastgeber hat die Wahl aus sechs verschiedenen Mitessern für sein Weihnachts-Diner, die teils ein offenes Ohr haben, teils amüsante Unterhaltung bieten, teils nur sexy gucken. "Sie können jederzeit weiterzappen oder ausschalten, wenn Sie Ihren Tischgenossen leid sind", heißt es auf der Website zur DVD.

Heute nachmittag findet im Zentrum von Tilburg eine Verkaufsdemonstration statt.

tafelgenoten

dune 4.0

[Design]
Ist das nun Design oder Kunst oder was? Gemacht wurde es von einem Architekten... Ist aber auch eigentlich ganz egal, es ist jedenfalls schön.

An einem etwas verkaterten Samstagmorgen bin ich neulich eher zufällig in die Ausstellung Natural Habitat im Medienkunstinstitut Montevideo gestolpert. Unerwarteterweise hatte die Schau ein paar feine Kunstwerke zum Thema Natur und Computer zu bieten. Balsam für mein Kopfweh war unter anderem der Ornamental Bug Garden von der englischen Gruppe Boredom Research.

Absolutes Highlight im wahrsten Sinne des Wortes war jedoch die Installation Dune 4.0 vom Rotterdamer Studio Roosegaarde. Ein langer, dunkler Gang im Institut ist links und rechts mit einer Art interaktivem Rietgras gefüllt, dessen Spitzen aufleuchten, wenn man sich bewegt oder Geräusche macht. Sein Schöpfer Daan Roosegaarde arbeitet derzeit daran, die künstliche Dünenlandschaft wetter- und vandalenfest zu machen, denn sie soll demnächst in Rotterdam unter freiem Himmel an der Maas installiert werden. Natural Habitat läuft noch bis zum 16.12.

dune 4.0

the vincent

[Kunst]
Am 17. November hat der polnische Künstler Wilhelm Sasnal den mit 50 000 Euro dotierten europäischen Kunstpreis The Vincent erhalten. Im Stedelijk Museum ist noch bis 19.1. eine Ausstellung mit Werken der vier Nominierten - neben Sasnal auch Urs Fischer, Andrei Monastyrski, Dan Perjovschi und Cerith Wyn Evans - zu sehen.

Ich bezweifle allerdings, dass die Jury Sasnal für die beiden eher mittelmäßigen Filminstallationen prämiert hat, die das Stedelijk zeigt. Er ist ja auch eigentlich eher für seine Malerei bekannt. Übrigens hat er das gesamte Preisgeld zwei wohltätigen Stiftungen vermacht - das kommt davon, wenn man immer genau die Künstler auszeichnet, die sowieso gerade der letzte Schrei sind und dementsprechend gut verdienen.

Ich muss zugeben, dass Monastyrskis Installation mich ziemlich kalt gelassen hat. Urs Fischers Tentakel-Gebilde war dagegen schon interessanter, und Ceryth Wyn Evans Kronleuchter und Neonschriftzug fand ich sehr schön. Köstlich amüsiert habe ich mich bei Dan Perjovschis Amsterdam Drawing, zwei Räumen voller unterhaltsamer Kritzel-Graffitis mit Verweisen aufs aktuelle Weltgeschehen sowie einige Amsterdamer Spezialitäten (siehe unten).

sasnal
Wilhelm Sasnal, The River, 2005/2006

monast
Andrei Monastyrski, The Fountain, 2005

wyn evans
Cerith Wyn Evans, Calibration and Sensitometry by R. Ziener (1987), 2006

fischer
Urs Fischer, Spinoza Rhapsody, 2006

perjovschi perjovschi detail
Dan Perjovschi, The Amsterdam Drawing, 2006

ole bouman neuer direktor des nai

[Architektur]
Jetzt ist es raus: Ole Bouman tritt die Nachfolge von Aaron Betsky als Direktor des NAi in Rotterdam an.

Dass es ein Niederländer werden würde, stand irgendwie von vorne herein fest. Keine Ahnung wieso - es war einfach klar. Ich hatte ja schon befürchtet, dass ein Verfechter der "laagdrempeligheid" - wörtlich: Niedrigschwelligkeit, sprich: Kommerzialisierung und Popularisierung von Kulturinstituten - den Posten erhalten würde. Insofern freue ich mich über Ole Bouman, den langjährigen Chefredakteur der gar nicht laagdrempeligen Zeitschrift Archis. Sie hat jahrelang ein bisschen Risikofreude, Anspruch und Schrulligkeit in die sehr lahme niederländische Architekturzeitschriftenwelt gebracht - auch wenn man sich über ihre anstrengende grafische Aufmachung streiten konnte. Nach diversen Pleiten und Last-Minute-Lebensrettungen heißt sie inzwischen Volume, erscheint auf Englisch und entsteht in Zusammenarbeit mit OMAs Ableger AMO.

Wir dürfen uns von Ole Bouman also ein paar spannende Ausstellungsprojekte und ein paar saftige Einmischungen in die hiesige Architekturszene erhoffen. Glückwunsch!

fassadenwerbung

[Kunst]
Nach dem Vorbild der Million-Dollar-Homepage hat das Sandberg Institut in Amsterdam seine Fassade in den letzten Monaten pixelweise als Werbefläche verkauft. Für 19,99 Euro konnte man ein 35 cm breites und 29 cm hohes Stück Fassade erwerben - in den oberen Regionen musste man allerdings mindestens 50 Pixels auf einmal reservieren. Jetzt ist der unübersehbare Giebelschmuck namens Artvertising fertig und lugt seit Samstag ziemlich auffällig über den Autobahndamm an der Zuidas hinweg. Die Idee stammt von Teun Castelein, einem Studenten in der Design-Abteilung des Instituts. Wie lange die Werbung hängenbleibt, konnte ich bisher allerdings nirgends herausfinden.

sandberg