artis de partis

[Design]
partisDer Amsterdamer Zoo Artis macht immer mal wieder sehr hübsche, gestalterisch wertvolle Werbekampagnen. Letztes Jahr hing die ganze Stadt voller Poster in Retro-Optik, auf denen Kinder mit Lamas um die Wette spuckten, mit Wölfen um die Wette heulten oder an Affenarmen herumdengelten.

Unangefochtener Sympathieträger des Tiergartens ist allerdings seit einer Weile ein Sockentier namens Artis de Partis. Das undefinierbare Wesen taucht in Werbefilmchen und auf minimalistischen Postern auf, ist aber auch bei Artis käuflich zu erwerben und hat im Internet bereits eine komplette Fangemeinde versammelt. Begeisterte Niederländer schleppen ihn über die ganze Welt und machen Urlaubsfotos, zum Beispiel in Manchester oder Italien, oder legen gar Flickr-Groups für ihn an. Und der Zoo hat ihm gleich eine eigene Website gewidmet.

Vater des Werbetiers ebenso wie der früheren Poster-Kampagne ist der Designer Christian Borstlap. Und weil "characters" offenbar gerade ein ganz großes Thema im Design sind, war er kürzlich auch bei der Ausstellung "Me & My Character" im Designzentrum Platform 21 vertreten.

niederländische designpreise

[Design]
Alljährlich werden anlässlich der Dutch Design Week in Eindhoven die Niederländischen Designpreise vergeben. Insgesamt handelt es sich um 17 Preise in den unterschiedlichsten Kategorien - vom besten Hausstil über das beste Konsumentenprodukt bis hin zum besten Entwurf für den öffentlichen Raum.

Unter den Gewinnern sind dieses Jahr Restaurant Witloof in Maastricht von Maurice Mentjens, das Layout des Metropolitan World Atlas von Joost Grootens, aber auch dieser hübsche und zweckmäßige Fahrradständer mit eingebauter Luftpumpe, entworfen von Designstudio HiMom.jp für die Reihenhaussiedlung Ypenburg.
fiets

kundengeschenk für droog entwerfen

[Design]
Droog Design hat vom niederländischen Außenministerium den Auftrag erhalten, ein neuartiges Kundengeschenk zu entwerfen. Von dem Objekt sollen 1000 Stück produziert und dann von den niederländischen Botschaften weltweit verschenkt werden.

Bei Droog hat man daraufhin allerdings beschlossen, den Entwerfer nicht in den eigenen Reihen zu suchen, sondern einen Wettbewerb für jedermann auszuschreiben. Ob das Außenministerium damit glücklich ist? Schließlich sollten die Botschaftskontakte vermutlich ein prestigereiches Droog-Objekt kredenzt bekommen und nicht irgendein Dingens von irgendeinem namenlosen Hobbydesigner...

Damit dabei trotzdem kein beleuchteter Kugelschreiber herauskommt, nehmen Droog selber die Auswahl der zehn Finalisten und des Gewinners vor. Jeder, der in den Niederlanden lebt, darf mitmachen - aber hurtig, denn Deadline ist der 30.10. Dem Gewinner winken 5000 Euro. Infos und Teilnahmeunterlagen gibt es auf http://www.droogdesign.nl

droog

hotel de goudfazant

[Allgemeines]
Amsterdam-Noord ist eigentlich das Ende der Welt. Vom Zentrum aus nur mit dem Auto durch einen Tunnel oder zu Fuß/mit dem Fahrrad per Fähre erreichbar, liegt es abgeschnitten auf der "falschen" Seite des IJ.

Jahrelang hat sich dort dementsprechend so gut wie gar nix getan. Der Stadtteil hatte außer sozialen Wohnungsbauten und reizlosen Hafenanlagen nichts zu bieten. In letzter Zeit ändert sich das aber. Auf der ehemaligen NDSM-Werft blüht die Subkultur, und auch immer mehr Architektur- und Designbüros verschlägt es in (für Amsterdamer Verhältnisse) günstige Lagerhallen oder Werkstattgebäude in Noord.

Mit den Büros kommt natürlich auch die Gastronomie. Die neueste Perle von Noord ist das Hotel De Goudfazant. Der Name täuscht: Es handelt sich keinesfalls um ein Hotel, sondern um ein Restaurant. Es sitzt in einer der besagten Hafenhallen, die mit wenigen Mitteln zum Restaurant umfunktioniert wurde, und ist vor lauter Hipness chronisch ausgebucht. Nach diversen Versuchen ist es mir am Sonntag endlich gelungen, einen Tisch zu ergattern. Fazit: Sehr cooler Raum - vor allem der Kronleuchter, Leihgabe eines Künstlers, ist schwer beeindruckend -, noch coolerer Ort - mit Blick übers Wasser auf die Rückseite des Java Eiland - und gutes Essen in leider etwas knapp bemessenen Portionen.

goudfazant

kunst in der provinz

[Kunst]
Auch nach mehreren Jahren gibt es noch immer Orte in diesem kleinen Land, wo ich noch nie war. Einer der blinden Flecken auf meiner persönlichen Niederlandekarte ist der ferne Osten - also eigentlich alles, was zwischen Zwolle, Groningen und der deutschen Grenze liegt.

Aber man lernt ja nie aus. So habe ich zum Beispiel gerade erfahren, dass es im Ort Nieuw Roden ein Kunstzentrum namens Het Kunstpaviljoen gibt, in dem gerade eine von der Trendforscherin Li Edelkoort kuratierte Ausstellung läuft. Sie hat den Pavillon als eine Art Museumswohnung eingerichtet, mit Designobjekten von den üblichen niederländischen Verdächtigen, also von Piet Hein Eek über Jürgen Bey bis hin zu Maarten Baas und Hella Jongerius, aber auch von Julia Lohmann, Frank Gehry und Ravage. Ob das mehr ist als ein Möbelshowroom?

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Kunstpaviljoen Nieuw Roden

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Ausstellungsansicht "De keuze van Li Edelkoort"

Aber sollte es einen dafür schon gen Osten verschlagen, kann man eigentlich auch gleich noch einen Abstecher zu einem echten Provinzhöhepunkt machen, nämlich zu SAFE in Dalfsen nahe Zwolle. Dieses Minikunstzentrum mit bemerkenswert unprovinziellem Programm sitzt in einem Atomschutzbunker unter dem Rathaus des Städtchens Dalfsen. Allein deshalb würde ich dort schon gerne mal hinfahren. Und die aktuelle Ausstellung "Sainte Victoire - denken naar abstractie #3" mit Arbeiten von Jan Robert Leegte und Geeske Bijker sieht auch nicht schlecht aus.

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Motion Sick, Geeske Bijker

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Jan Robert Leegte

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Jan Robert Leegte

nai sucht direktor

[Architektur]
Sind Sie auf Jobsuche? Darf's was mit Architektur sein? Dann haben Sie noch drei Tage Zeit, um sich auf den Direktorenposten am Niederländischen Architekturinstitut in Rotterdam zu bewerben. Aaron Betsky, der den Posten vor fünf Jahren antrat, verlässt das Institut im November, um Direktor des Cincinatti Art Museum zu werden. Also ran an die Bewerbungsmappe...

hans kollhoff

[Architektur]
Man kann über Hans Kollhoff sagen, was man will, aber kaum ein anderer Architekt hat es geschafft, innerhalb von nur 12 Jahren zwei derart unterschiedliche Bauten in die niederländische Stadtlandschaft zu stellen. Oben der Piraeus-Block auf dem KNSM-Eiland in Amsterdam, den er gemeinsam mit Christian Rapp entworfen hat; unten die Laan-op-Zuid-Bebauung auf dem Kop van Zuid in Rotterdam. Nein, es ist kein Rendering, sondern ein Foto...

knsm

kopvanzuid

Wer den Architekten nach seiner stilistischen Kehrtwende über "Macht und Architektur" sprechen hören möchte, sollte heute abend die Website des Berlage Institute ansteuern. Dort hält er heute um 19.00 Uhr einen Vortrag zu diesem Thema, der als Livestream übertragen wird.

nacht der nacht

[Allgemeines]
Am 28. Oktober findet in den Niederlanden die Nacht der Nacht statt. In dieser Nacht soll es ausnahmsweise mal wirklich dunkel werden über Poldern und Deichen - jedenfalls, sofern genug Gemeinden mitspielen und die Lichter ausschalten.

Die Niederlande leiden nämlich unter Lichtverschmutzung. In weiten Teilen des Landes ist es nachts durch Straßen- und Gebäudebeleuchtung, vor allem aber durch die allgegenwärtigen Gewächshäuser viel zu hell. Wer jemals nachts auf dem Flughafen Schiphol gelandet ist und kurz vorher aus dem Fenster gesehen hat, weiß, was ich meine. Die beleuchteten Gewächshäuser liegen wie Glühwürmer in der Landschaft und sehen ziemlich spektakulär aus. Flora und Fauna mögen das allerdings weniger. Und einen Sternenhimmel bekommt man hier auch so gut wie nie zu Gesicht.

helligkeit

Karte der künstlichen Himmelhelligkeit in den Niederlanden und Belgien: Weiß heißt mehr als 27x höher als natürliche Helligkeit, rot heißt 9-27x höher, orange 3-9x höher.

pflanzenfassaden

[Architektur]
"Chirurgen können ihre Fehler begraben. Architekten können nur Efeu pflanzen", hat Frank Lloyd Wright einmal gesagt. Das war ziemlich untertrieben. Pflanzen können nicht nur Fehler kaschieren, sondern sogar aktiv zur Popularisierung des Bauwerks beitragen. Denn weggegrünte Architektur stößt in der Regel selbst bei architekturfernstem Publikum auf große Gegenliebe.

Fast gleichzeitig sind gerade zwei Projekte zu diesem Thema fertiggestellt worden - das eine in Paris, das andere in Amsterdam. Als ich neulich zum ersten Mal vor der fertig bepflanzten "Sportplaza Mercator" von Venhoeven CS stand, habe ich nicht schlecht gestaunt. Das Gebäude ist komplett mit zwei Textillagen verkleidet. In die äußere sind kleine Taschen geschnitten, in denen die Pflanzen stecken. Ein Schlauchsystem an der Fassade versorgt die Stecklinge tröpfchenweise mit Wasser.

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Fotos: Jeroen Musch

Kurz darauf war ich in Paris und musste feststellen, dass Jean Nouvel genau das gleiche Prinzip an einer Fassade seines Musée du Quai Branly angewandt hat. Die Pflanzen sind dort allerdings schon etwas weiter gediehen:

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Foto: Allard van der Hoek

Angesichts Nouvels Starchitektentum dürfte Ton Venhoeven damit ins mediale Hintertreffen geraten - auch wenn der Rest des Museumsbaus meiner Meinung nach weit weniger überzeugt als das kleine Schwimmbad in Amsterdam-West. Einen Vorteil hat Nouvel jedoch: Sein Gebäude steht an einem prominenten, gut überwachten Ort in Paris. Venhoevens Pflanzenfassade wird dagegen erst mal unter Beweis stellen müssen, ob sie den Attacken von Vandalen aus ihrer rauhen Nachbarschaft gewachsen ist.