vakantietijd
Ab dem 18.7. gibt es wieder frische Berichte aus Amsterdam. Bis dann!
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2006-06-27 vakantietijdIch verabschiede mich hiermit in den Urlaub im Hochparterre-Ländle. Ab dem 18.7. gibt es wieder frische Berichte aus Amsterdam. Bis dann! 2006-06-23 windmühlenstraußFür ein Symposium namens "Eine neue Sicht auf Windturbinen in der niederländischen Landschaft" haben NL Architects (das vermutlich letzte niederländische Architekturbüro ohne anständige Website) fleißig gephotoshopt. "Flower Power" heißt ihr Entwurf und soll laut den Architekten aus den Windrädern, die fast alle niederländischen Küstenlinien säumen und von vielen als Störelemente in der Landschaft empfunden werden, "monumentale Gesten" machen. ![]() saskia olde wolbers die zweiteGestern wurde die Ausstellung "The Falling Eye" von Saskia Olde Wolbers im Stedelijk Museum eröffnet, auf die ich mich bekanntlich schon lange gefreut habe. Und ich wurde nicht enttäuscht: Zu sehen sind vier wunderschöne Filminstallationen, inklusive dem neuen Werk "Trailer". Dessen wie immer unsichtbarer Protagonist sieht in einem alten Kino in Ohio einen Filmtrailer, in dem er die Wahrheit über seine Eltern erfährt, zwei B-Movie-Schauspielern im Hollywood der dreißiger Jahre. Auf dem Weg zu einem Drehort stürzte ihr Flugzeug über dem Dschungel ab. Einige Eingeborene, die sie lebend fanden, benannten eine halluzinogene fleischfressende Pflanze und einen giftigen Baum nach ihnen. Allerdings wurde die Frau süchtig nach der Pflanze, die ihren Namen trug, und bewirkte somit eigenhändig deren Ausrottung, ebenso wie die einer Mottenart, die in der Pflanze lebte und nach der sie ihren Sohn benannt hatte, der nun in einem Kino in Ohio sitzt...Soweit eine kurze Kostprobe aus Olde Wolbers' skurriler kleiner Welt, die ihre Wurzeln immer in der Realität hat, aber dann irgendwie in Richtung David Lynch abdriftet. Gelegenheit, sie zu besuchen, gibt es bis zum 24. September. 2006-06-19 post an die erasmusbrücke?N. Post Erasmusbrug 1 NL - 3072 Rotterdam So lautet die Adresse einer kleinen, feinen Guerilla-Kunstaktion. Künstler Niels Post (ja, so heißt er wirklich) hat Anfang Mai unbemerkt einen Briefkasten an die Erasmusbrücke in Rotterdam gehängt und in diversen Internet-Foren dazu aufgefordert, ihm Briefe und Karten zu schicken. Und es hat geklappt: Täglich findet er einen dicken Stapel Post im Kasten. Sogar die niederländische TPG Post zeigt sich humorvoll und arbeitet tatkräftig mit. Was das ganze soll? Naja, da kann man nur rätseln. Aber vielleicht hat es mit der Diskussion darüber zu tun, inwiefern die Brücke privates oder öffentliches Eigentum ist. Denn Architekt Ben van Berkel (UN Studio) machte vor einer Weile damit Furore, dass er Copyright auf sein Werk beanspruchte und allen kommerziellen Publikationen, die Fotos von der Brücke veröffentlichten, eine gesalzene Rechnung schickte. ![]() ![]() ![]() ![]() 2006-06-14 obdachlosen-kaffee![]() ![]() Aus meiner kleinen Reihe "Lektionen im angewandten niederländischer Pragmatismus": Auf den kostenlosen Fähren, die das Zentrum Amsterdams mit dem Stadtteil Noord auf der anderen Seite des IJ verbinden, fahren seit kurzem Kaffee-Verkäufer mit. Aber was nach gutem Service klingt, ist eigentlich illegaler Handel. Die Verkäufer, allesamt Obdachlose, haben nämlich keine Lizenz zum Kaffee-Ausschank. Als Stadtratsmitglied Gehlres deshalb neulich ankündigte, ihnen den Verkauf zu verbieten, gab es eine Welle der Entrüstung. Mal abgesehen davon, dass die Amsterdamer solche spontanen Sozialaktionen ohnehin mögen, ist das "kopje koffie" ein Nationalheiligtum. Nimm nie einem Niederländer seinen Kaffee weg! Nun hat Gehlres offenbar eine Lösung gefunden: Die Becher sollen mit Zeichnungen und Gedichten bedruckt werden. Dadurch sind sie Kunst, und der Kunde bezahlt für selbige, nicht für den Kaffee. Schließlich ist es nicht verboten, Kaffee zu verschenken. 2006-06-12 neues projekt von arons & gelauffEs gibt sie noch, die Superdutch-Projekte. Zur Spaetlese gehoert ein Wohnblock des relativ jungen Bueros Arons en Gelauff in Rotterdam, der gerade fertiggestellt wurde. Er beherbergt Servicewohnungen fuer Senioren, aehnlich MVRDVs legendaerem WoZoCo in Amsterdam. ![]() Was man auf den Fotos nicht sieht, auf dem Modellbild hingegen schon, ist die farbenfrohe Gestaltung der Laubengaenge. Insgesamt hat das Gebaeude vielleicht ein paar witzige Ecken zu viel, aber es ist sicher keine Alltagskost.![]() die heimatWill man in Amsterdam die deutschen WM-Spiele sehen, hat man nicht viel Auswahl. Meines Wissens gibt es weit und breit weder eine deutsche Kneipe noch ein deutsches Restaurant. In niederlaendischen Gaststaetten sind deutsche Fussballschauer momentan nicht so gefragt - kuerzlich bedeutete man mir hoeflich, ich solle die Jahreszahl "1974" mit meinem deutschen Akzent an einem oeffentlichen Ort besser nicht so laut aussprechen... Dabei hab ich nicht mal ueber Fussball geredet. Also bleibt einem nicht viel anderes, als undercover Privat-Fernsehabende zu veranstalten. Erinnert mich irgendwie an die katholischen Schutzkirchen aus der Reformationszeit, die es ueberall in der Stadt gibt. Wer ganz hartgesotten ist, kann es vielleicht auch mal mit dem angeblichen deutschen Biergarten probieren, der derzeit im Erdgeschoss des Post-CS-Gebaeudes logiert. Immerhin gibt es dort neben Bratwurst und Marschmusik auch einen Salomon-Kahlua-Cocktail. Aber ich hab da so meine Zweifel... Nachtrag vom 28.6.: Die Zweifel waren teils unbegründet und teils begründet. Unbegründet, weil es dort tatsächlich recht nett und die Bratwurst gratis ist. Begründet, weil der Niederländer hinter der Theke den Schaum von meinem Weizenbier abstreifte und ich ganz laut "Nee, dat moet je niet doen!" rufen musste. ![]() 2006-06-07 panorama scheveningenEs war Pfingsten, also mal wieder Zeit für einen kleinen Wochenendausflug. Dieses Mal führte er unter anderem nach Den Haag und dort ins Panorama Mesdag. Dieses Gebäude wurde 1881 speziell errichtet, um ein rundes, 120 Meter langes und 14 Meter hohes Panoramagemälde unterzubringen, das den Strand von Scheveningen darstellt. Dank einem künstlichen Sandhügel in der Mitte, geschickter Lichtregie und Möwenschreien vom Band ist das Panorama wirklich ganz unerhört lebensecht. Auf charmant altmodische Weise hat man fast das Gefühl, auf einer Düne zu stehen und auf die Fischerboote herabzublicken. ![]() ![]() Nach so viel Beschaulichkeit bedurfte es eines kleinen Reality Checks, weshalb wir uns an den besagten Strand von Scheveningen begaben. Dieser ist heutzutage nicht mehr die Domäne der Fischer, sondern eher der bauchnabelfreien Jugend von Den Haag. Wie zu erwarten an einem schönen Pfingstsonntag, herrschte Jubel, Trubel, Heiterkeit. Hier das Panorama Scheveningen, wie es sich heute präsentiert. Man stelle sich dazu eine Geräuschkulisse aus Umpf-umpf-umpf-Eurotrash-Techno und den Duft von altem Fritierfett vor. ![]() ![]() ![]() nachtwacheNa, das trifft sich doch sehr schön. Da wollte ich heute was über Greenaways Nachtwachen-Spektakel im Rijksmuseum schreiben, schlage eine Zeitung auf und sehe das hier: ![]() Unbekannte haben gestern Nacht eine der Bronzefiguren der gruseligen Nachwachen-Nachstellung auf dem Rembrandtplein umgeworfen, woraufhin ihr Kopf abgebrochen ist. Nicht, dass ich Vandalismus gutheißen würde, aber manchmal... Auch Peter Greenaway begeht derzeit Frevel an der Nachtwache, wenngleich mit Erlaubnis von höchster Stelle. Anlässlich des Rembrandtjahres präsentiert er im Rijksmuseum die Multimedia-Installation Nightwatching. ![]() Darin legt er seine persönliche Verschwörungstheorie dar: Rembrandt habe mit der Nachtwache ein Anklagebild gegen ein Mordkomplott gemalt. Die Dargestellten waren wenig begeistert und richteten ihn aus Rache langsam zugrunde. Womit es endlich eine Erklärung dafür gäbe, dass Rembrandt verarmt gestorben ist. Wahr oder nicht, es ist eine schöne Geschichte - laut Greenaway selber so etwas wie CSI Miami im Goldenen Zeitalter. Aber was er visuell daraus gemacht hat, ist doch ein wenig dürftig: eine Wand voller Monitore, auf denen Schauspieler als Figuren aus Rembrandts Umfeld posieren. Zu diesem Bill-Viola-Imitat hören wir Greenaways Stimme aus dem Off, die die Verschöwerungstheorie erläutert. Im zweiten Raum hängt die heilige Kuh selbst, also die Nachtwache, und wird mittels einer Licht- und Soundshow in Szene gesetzt. Fünf Minuten lang flackert es wild, werden einzelne Personen per Spotlight hervorgehoben, scheint es auf einmal im Hintergrund zu brennen und hört man Trommelgeräusche. Schon erstaunlich, dass man ihm das erlaubt hat. Was wohl die Restauratoren zu dem flackernden Licht sagen? Aber letztendlich wirkt das alles doch ein wenig wie ein aufwändig geratener Trailer zu Greenaways neuem Spielfilm zum selben Thema, der nächstes Jahr herauskommen soll. 2006-06-01 Holland FestivalEs ist wieder soweit: Morgen fängt das Holland Festival an, das wahrscheinlich interessanteste Event des Amsterdamer Kulturkalenders. Bis 25. Juni gibt es an verschiedenen Orten in der Stadt Tanz-, Theater- und Musikveranstaltungen vom feinsten, was die weite Welt momentan zu bieten hat. Dazu gehören auch "akustische Desserts", also musikalisch wertvolle After-Show-Parties. ![]() Gespannt sein darf man auf Peter Greenaways Multimedia-Spektakel rund um Rembrandts Nachtwache, das morgen im Rijksmuseum in Premiere geht. Ich werde natürlich berichten. Und gespannt bin ich auch auf Zero Degrees, eine Tanzperformance unter Mitwirkung des britischen Künstlers Anthony Gormley zu Musik von Nitin Sawhney. Die traue ich mich nur deshalb hier zu erwähnen, weil ich mir schon Karten gesichert habe. Tickets fürs Festival sind nämlich notorisch schwer zu bekommen, denn die Niederländer sind echte Vorverkaufs-Fetischisten, die schon Wochen und Monate im voraus ihre Abende verplanen...
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