|  2006-04-24
Von Anneke Bokern @ 16:50 Nochmal Stedelijk Museum, dieses Mal aber eine Vorankündigung, weil ich's kaum abwarten kann. Ik sta te trappelen, wie der Niederländer sagt. Das heißt soviel wie: Ich scharre schon mit den Hufen.

Placebo, 2002

Trailer, 2002

Interloper, 2003

Trailer, 2005

Interloper, 2003
Diese Filmstills stammen aus vier Videoinstallationen von Saskia Olde Wolbers, die ab 23.6. im Stedelijk zu sehen sein werden. Olde Wolbers (geb. 1971) baut surreale Filmsets aus Plastikabfällen in Aquarien und setzt sie dann unter Wasser. Die Kamera fährt durch diese künstlichen Landschaften, während eine Stimme aus dem Off eine Science-Fiction-artige Geschichte dazu erzählt. Unbedingt hingehen!
Hier schon mal ein englischer Text über ihre Werke und noch ein paar Bildchen: http://www.drawnbyreality.info/saskia.html
Von Anneke Bokern @ 16:37 Das Stedelijk Museum präsentiert momentan stolz seine neuesten Design-Ankäufe. Bis 21.5. kann man sich in der Ausstellung " Spotting. Recent Acquisitions" anschauen, was ein Museum sich leisten kann, man selber aber leider meistens nicht. Dazu gehören gewohnt schöne Stoffe von Claudy Jongstra, eine gewohnt mittelalterlich anmutende Kette von Studio Job und gewohnt floral dekorierte Vorhänge von Tord Boontje.
Auffällig ist allerdings, dass sogar Blumen-Boontje inzwischen den Trend zu Schwarz und Böse aufgreift - zum Beispiel mit dem "Witch Chair". Ich gebe den Blümchen noch ein Jahr, dann sind sie endgültig passé.

Manon van Kouswijk, Roomservice, 2003

Studio Job, Charm Chain, 2001

Tord Boontje, Vorhangstoff Nectar für Kvadrat, 2005

Tord Boontje, Witch Chair für Moroso, 2004
Von Anneke Bokern @ 13:36
Hübsch drastische Grafik, gesehen am Wochenende in Hoek van Holland, auf dem Damm zwischen Maasmündung und Nordsee. 2006-04-22
Von Anneke Bokern @ 16:41 Das neue niederländische Architekturjahrbuch ist da. Und wie zu erwarten war, will die komplett neu besetzte Redaktion natürlich alles ganz anders machen als ihr Vorgängerkommittee.
Das Resultat ist eine ziemlich durchwachsene Projektpalette, die von Greatest Hits wie dem Muziekgebouw in Amsterdam über unbekannte Perlen - z.B. einem amöbenförmigen Wohnblock von Claus en Kaan in Friesland - bis hin zu Geschmacksverirrungen, allen voran Sjoerd Soeters Wohnkastell bei Den Bosch, reicht.
Offenbar will man nicht mehr nur das Schöne, Gute und Superdutchige präsentieren, sondern einen Querschnitt durch die niederländische Bautätigkeit inklusive all ihrer kuriosen Auswüchse bringen. Und die diversen theoretischen Ergüsse, die sich bisher im Jahrbuch fanden, wurden durch nur einen einzigen, dafür aber ziemlich langen einleitenden Reisebericht entlang der 90 Projekte ersetzt.
Schon letztes Jahr hatte die scheidende Redaktion eine recht eigenwillige Projektauswahl getroffen, um zu zeigen, dass sich auch in den Niederlanden populistische Tendenzen in der Architektur immer mehr durchsetzen. Ich fand das Jahrbuch zwar nicht den geeigneten Ort dafür, aber aus der Abschieds-Perspektive konnte man's irgendwie verstehen.
Aber dass die neue Redaktion mit der Kraut-und-Rüben-Mischung weitermacht, ist etwas enttäuschend. Die Stärke des Jahrbuchs war bisher, dass es die wirklich guten, international wegweisenden Projekte zusammentrug und dokumentierte. Jetzt ist es eher ein subjektiver Eintopf aus guten und mittelmäßigen Projekten sämtlicher Stilrichtungen geworden. Schade drum.
 2006-04-20
Von Anneke Bokern @ 09:58 Laut der jährlichen "Quality of Living"-Studie von Mercer Human Resource Consulting ist Amsterdam die drittlebenswerteste Stadt der EU. Am besten schneiden Wien und Kopenhagen ab, am schlechtesten Bratislava (was angesichts der ganz großartigen slowakischen Architektur aus den 60ern irgendwie nicht ins Hirn der Architekturfreundin will). Weltweit schafft Amsterdam es immerhin auf den 13. Platz, während Zürich und Genf an der Spitze der Liste stehen und, wenig überraschend, Baghdad das Schlusslicht bildet.
Man fragt sich bei solchen Studien aber doch immer, was eigentlich die Kriterien sind. Die Wohnungsmarktlage kann es nicht sein, sonst stünde Amsterdam garantiert nicht so weit vorn. Auch das Wetter zählt offenbar nicht mit; von der kulinarischen Situation ganz zu schweigen. Aber die Kleinstmetropole hat natürlich auch ihre guten Seiten. Sie ist entspannt, international, meernah, hervorragend vernetzt, hübsch anzusehen und wirtschaftlich ganz gut beisammen. Außerdem gibt es wohl nur wenige Hauptstädte auf der Welt, in denen man morgens auf dem Weg zum Büro dreimal vom Fahrrad steigen muss, um ein Schwätzchen mit einem Bekannten zu halten. Das hat durchaus was. Wenn's gerade nicht regnet. 2006-04-19
Von Anneke Bokern @ 16:41 Diebe haben letzte Woche bei einer Ausstellung in Mailand 83 Designobjekte von elf jungen Entwerfern aus den Niederlanden und Belgien gestohlen. Insgesamt waren die Prototypen etwa 36 700 Euro wert. Offenbar ging es den Langfingern tatsächlich ums Design, denn ein paar teure Laptops ließen sie links liegen. Damian O'Sullivan, einer der Düpierten, ruft heute im Weblog Mocoloco auf: "If you see anyone running around with bags with ceramic handles and a porcelain eye-patch we'd like to know of their whereabouts (-; "
 2006-04-18
Von Anneke Bokern @ 11:28 Carel Weeber, grandpère terrible der niederländischen Architektur, erhält den Maaskantpreis, den wahrscheinlich wichtigsten niederländischen Preis für ein architektonisches Lebenswerk.

Carel Weeber
Das ist bemerkenswert, denn Carel Weeber (geb. 1937) ist eigentlich ein professioneller Nestbeschmutzer. Auf Curaçao aufgewachsen, kam er zum Studium in die Niederlande und entschied sich nach eigenem Bekunden nur deshalb für Architektur, weil sie auf der Studiengangliste der TU Delft so weit vorne im Alphabet stand. Es folgte eine lange Baukarriere, angefangen mit dem niederländischen Pavillon für die Weltausstellung in Osaka 1970. Die meisten Gebäude von Weeber sind allerdings vor allem für ihre Hässlichkeit berühmt. Provokation war immer eines seiner Hauptanliegen - verbal ebenso wie architektonisch. So baute er etwa neben die wunderschöne Van Nelle Fabriek in Rotterdam ein grässlich orangegolden verspiegeltes Gefängnis. Irgendwie hat er es immer wieder geschafft, mit seinen Entwürfen gnadenlos daneben zu liegen. Aber wenn man ein fleischgewordenes Bonmot ist, wird einem vieles verziehen. Kurze Kostprobe: "Ich finde nicht, dass Holland ein zu dicht besiedeltes Land ist. Es ist eher eine zu dünn besiedelte Stadt."
Letztes Jahr schrieb Weeber sich aus dem Architektenregister aus und führt seither den Titel "Ex-Architekt". Er beendete nach 50 Jahren seinen "etwas aus dem Ruder gelaufenen Studienaufenthalt in den Niederlanden", zog mit seiner Freundin zurück nach Curaçao und baut dort momentan an seinem eigenen Wohnhaus.
Es dürfte das erste Mal sein, dass jemand, der einmal vom Bond van Nederlandse Architecten zum schlechtesten Architekten der Niederlande gewählt wurde, ein paar Jahre später den Maaskant-Preis bekommt. Der Jury zufolge hat Weeber "sich voller Hingabe in die Architekturdiskussion eingemischt und es im Laufe seiner Karriere mehrmals geschafft, der Debatte eine neue Richtung zu geben."

Weltausstellungspavillon Osaka 1970 (via archined)

Justizvollzugsanstalt in Rotterdam (1985-89, via archined)

Wohnblock Schwarze Madonna in Den Haag (Baujahr 1986, wird demnächst abgerissen)

Bürohochhäuser Queens Towers in Amsterdam (2000) 2006-04-14
Von Anneke Bokern @ 12:29 2006-04-11
Von Anneke Bokern @ 10:32 Ein Werbespot der Versicherungsgruppe Centraal Beheer präsentiert derzeit des Niederländers größte Horrorvision. Das Ende der Fußballweltmeisterschaft naht, und die Niederlande treten im Finale gegen Deutschland an. Einem der größten Fußballtalente der Niederlande, Salomon Kalou aus Elfenbeinküste, wurde jedoch von Rita Verdonk, ihres Zeichens Ministerin für Ausländerangelegenheiten und Immigration, die niederländische Staatsangehörigkeit verweigert. Letzteres ist übrigens keine Fantasie, sondern heiß diskutierte Realität.
Im Werbespot darf Kalou überraschend doch noch bei der Weltmeisterschaft dabei sein - allerdings haben nicht die Niederländer, sondern ausgerechnet die Deutschen den Torkönig im Schnellverfahren eingebürgert. Beim Anpfiff sagt der Kommentator: "Man fragt sich, wie Rita Verdonk sich an einem solchen Tag fühlt". Gleichzeitig sehen wir die "Eiserne Rita" etwas peinlich berührt vor dem Fernseher sitzen. Dann kommt der schon seit Jahrzehnten bewährte Werbespruch von Centraal Beheer: "Mal eben Apeldoorn anrufen." Denn in Apeldoorn sitzt die Versicherung, Helfer in jeder verzwackten Lebenslage.
Auf der Website von Centraal Beheer kann man sich die ganze Galerie der berühmten Werbespots ansehen. Auch ohne Niederländisch-Kenntnisse höchst unterhaltsam ist z.B. das Filmchen namens Museum aus dem Jahr 1996.
30.5.2006: Leider, leider versteht Salomon Kalou keinen Spaß. Auf der Website von Centraal Beheer ist zu lesen, man habe den Spot "aufgrund eines salomonischen Urteils" entfernen müssen... 2006-04-10
Von Anneke Bokern @ 10:31 Was macht man an einem total verregneten Samstagmorgen in den Niederlanden? Man lässt sich vom Wetter nicht die Laune verderben und unternimmt einen Ausflug mit hohem Innenraum-Anteil. Und weil es kurz vor Ostern ist, sucht man sich dafür möglichst wenig touristengeplagte Ziele aus.
Wir setzten uns also ins Auto und fuhren nach Norden. Erstes Ziel war der Wieringer Fischmarkt, eigentlich nur ein einziger Stand in einer Halle im Hafen von Den Oever, wo die lokalen Fischer ihren Fang verkaufen. Kurioses Seegetier, Flundern in allen Varianten, freundliche Fischausnehmer, die westfriesischen Dialekt mompelten. Weiter ging es mit drei "grieten" (Glattbutt, wie das Wörterbuch später verriet) und einem Kilo "wulken" (Seeschnecken) im Kofferraum.
 
In Den Oever beginnt der Abschlussdeich, der das IJsselmeeer (die frühere Zuiderzee) von der offenen Nordsee trennt, und das Wetter war inzwischen deutlich besser geworden. Also fuhren wir auf die andere Seite, nach Friesland. 30 Kilometer unverstellter Blick aufs IJsselmeer sind fein, auch wenn sich die Wasserfläche angesichts des wankelmütigen Wetters mal ohne Segelschiffe zeigte.
In Friesland erwarteten uns blauer Himmel, eigentümliche Ortsnamen (Tzummarum, IJpecolsga, Sexbierum, Oudemirdum...) und ein Kaufrausch, der sich gewaschen hatte. Ziel der Unternehmung war nämlich Koninklijke Tichelaar Makkum, die ältestes Keramikmanufaktur der Niederlande und inzwischen auch Hausmanufaktur der Droog Designer. Im Dörfchen Makkum, direkt hinter dem Abschlussdeich, stellen sie nicht nur Kacheln, Vasen und Geschirr her, sondern betreiben hinter historischen Fassaden auch einen von Merkx + Girod Architecten sehr schön eingerichteten Laden - Verzeihung, "Flagship Store".
Das Angebot ist eine merkwürdige Mischung aus tantigem Blümchenporzellan (inklusive Wandtellern mit christlichen Sprüchen) und hippen Objekten aus dem Dunstkreis von Droog. Letztere sind teils sogar erschwinglich, weil zweite Wahl oder Restposten. Wir beschränkten uns bescheiden auf den Erwerb einer hübschen Vase (siehe unten) von Roderick Vos mit fast unsichtbaren Mängeln und ließen die trotz 50% Preisnachlass noch immer sauteure 3-Vase von NL Architects etwas wehmütig links liegen. Natürlich bedurften auch die restlichen "hebbedingen", wie das auf Niederländisch so schön heißt, einer ausführlichen Begutachtung. Dann aßen wir noch ein broodje in der Bäckerei, die dem Tichelaar-Laden raffinierterweise angegliedert ist und ihn konstant beduftet, und traten zufrieden den Heimweg an. Der Samstag war gerettet. Die "grieten" wurden mit Speck serviert, die Vase mit Papageienblumen.
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