|  2006-03-28
Von Anneke Bokern @ 10:41 Das spanische Architekturbüro Cruz & Ortiz hat am vergangenen Freitag seinen endgültigen Entwurf für den Umbau des Rijksmuseums in Amsterdam präsentiert - der jetzt übrigens bis Ende 2009, also anderthalb Jahre länger als geplant dauern soll.
Zum Entwurf gehören nicht nur der Rück- und Umbau im Inneren des 1885 errichteten Baus von Pierre Cuypers, sondern auch ein neuer "asiatischer Pavillon", ein Studienzentrum und der ewige Zankapfel, nämlich der Haupteingang. Dieser wanderte im Laufe des Entwurfsprozesses von der Mitte des Fahrradtunnels an die Seite des Gebäudes und dann wieder zurück, um jetzt die Gestalt von vier Eingängen in den Seitenwänden des Tunnels anzunehmen. Von dort aus betreten die Besucher ein abgesenktes Foyer, das den Ost- und Westflügel des Museums verbindet.
Damit ist der Fahrradtunnel gerettet. Im sonst eher behäbig hochzeitstortigen Museumsbau war er immer der urbanste Ort: ein düsteres Gewölbe, in dem jeden Tag ein unermüdlicher Steeldrum-Spieler vor sich hintrommelte, weil die Akustik so toll war, während Horden von Radfahrern an ihm vorbeifietsten. Mal sehen, ob der Steeldrummer zurückkommt. Und mal sehen, ob vom zweitschönsten, aber weitgehend unbekannten Ort im Museum, der alten Bibliothek in einem der Türme, noch etwas übrigbleibt. Sie wird zum Besucherzentrum umgebaut, und ich fürchte bereits, dass ihr "Name der Rose"-Charme unwiederbringlich futsch sein wird.
Hier ein paar Bildchen. Einen besseren Eindruck bekommt man aber auf der Homepages des Rijksmuseums, die zwei aufwändig animierte Filme (Flug ums Gebäude und durch den Tunnel etc.) zu bieten hat.
   
Quelle: www.rijksmuseum.nl
Und zur Erinnerung: So sah der Fahrradtunnel mal aus...
... und so die Bibliothek:

Quelle: Gemeentearchief Amsterdam 2006-03-22
Von Anneke Bokern @ 14:55 Droog Design ist ja inzwischen so etwas wie eine Touristenattraktion. Zumindest der dazugehörige Laden in der Amsterdamer Innenstadt namens droog@home, in dem man Klassiker wie Hella Jongerius' weiche Vasen und Richard Huttens Zwitterobjekte aus Tisch und Stuhl, aber auch Joris Laarmans schnörkelreichen Betonheizkörper erstehen kann. Letzteren zum bescheidenen Preis von knapp über 3000 Euro.
Aber Droog zeigt dort auch immer nette kleine Ausstellungen mit Werken von Gleichgesinnten aus aller Welt. Momentan sind ein paar "New British Designers" dran. Loop.pH, Wokmedia und Julia Lohmann (offenbar stammt die Hälfte der jungen britischen Designer aus dem deutschen Sprachraum) präsentieren wahrhaft Droogwürdiges: Absurde, schöne, teils ein bisschen eklige, aber auch humorvolle Entwürfe. Wokmedia hängen - frei nach dem Motto "Don't try this at home" - einen Haufen verkabelte Glühbirnen in durchsichtige Zylinder voller Wasser, Loop.pH zeigen wetterfühlige Hightech-Vorhänge, und Julia Lohmann untersucht, was man aus toten Kühen und ihren Eingeweiden so alles machen kann. Wenn das mal nicht die Laufkundschaft verschreckt.

Wokmedia, "Flood II"

Wokmedia, Teppich "Sprinkle"

Loop.pH, "Blumen"

Julia Lohmann, "Belinda"

Julia Lohmann, "Eileen"

Julia Lohmann, "Ruminant bloom"

Julia Lohmann, "Ruminant bloom II" 2006-03-16
Von Anneke Bokern @ 15:58 Wie das NRC Handelsblad am Samstag berichtete, ist der Künstler Jeroen de Rijke (geb. 1970) vor einigen Wochen auf einer Reise durch Ghana an einem Herzstillstand gestorben.
De Rijke bildete mit Willem de Rooij das Künstlerduo De Rijke/De Rooij. Gemeinsam gehörten sie zu den angesagtesten und erfolgreichsten niederländischen Künstlern der letzten Jahre. Ihre kontemplativen, malerischen Filme wurden unter anderem in der Kunsthalle Zürich und der Tate Modern gezeigt. Letztes Jahr durften sie den niederländischen Pavillon auf der Kunstbiennale in Venedig bespielen. Ab April hätten sie ein Jahr lang auf Einladung des DAAD in Berlin arbeiten sollen.
Mir begegnete das Werk von De Rijke/De Rooij zum ersten Mal im Film Bantar Gebang (2000), der vor einigen Jahren im Stedelijk Museum zu sehen war. Er zeigt zehn Minuten lang nichts weiter als den Sonnenaufgang über einem Slum in Indonesien. Und obwohl es mich oft nicht einmal bis zum Schluss vor Videoinstallationen hält, habe ich ihn mir gleich drei Mal hintereinander angesehen.

De Rijke/De Rooij, Bantar Gebang (2000), Courtesy Stedelijk Museum Amsterdam 2006-03-10
Von Anneke Bokern @ 12:40 Wenn irgendein Satz einmal als typisch fürs erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts gelten wird, dann ist es "You are eliminated". Wir leben im Zeitalter der Abstimmung. Und damit meine ich nicht die Gemeinderatswahlen. Rauswähl-TV und Top-Ten-Listen, wohin der Finger zappt.
Nachdem die Niederländer schon letztes Jahr Pim Fortuyn zu ihrem Größten kürten und die Zeitung NRC Handelsblad kürzlich von der BBC die Idee mit den besten Nationaldesigns geklaut hat, veranstaltet www.artstart.nl jetzt die Wahl des "schönsten niederländischen Kunstwerks der letzten 50 Jahre".
Ein Expertenkommittee - besetzt mit Kuratoren, Museumsdirektoren und Galeristen - hat eine Vorauswahl getroffen, damit am Ende nicht so etwas wie Han van Meegerens (zu altes, aber immer noch höchst populäres) Rehlein gewinnt. Wobei das eigentlich eine schöne Entsprechung zu Pim Fortuyn als größtem Niederländer gewesen wäre.
 2006-03-08
Von Anneke Bokern @ 11:14 Uff. Die Holländer haben sich offenbar halbwegs von ihren Nationalschocks der letzten Jahre - Pim Fortuyn, Theo van Gogh - erholt. Gestern waren Gemeinderatswahlen, und die sozialdemokratische PvdA ist der große Gewinner. In Amsterdam ist das nicht allzu erstaunlich, in Rotterdam dagegen umso mehr. Denn dort regierten seit 2002 die Rechtspopulisten und taten mit Zensurversuchen, Polemik und Subventionskürzungen ihr bestes, um die boomende Kulturszene der Stadt zu ersticken. Heute dürfte ein Aufatmen durch die Kulturinstitute am Museumpark und die Galeriemeile Witte de Withstraat gehen - obwohl Leefbaar Rotterdam noch immer die zweitstärkste Partei im Gemeinderat bleibt. 2006-03-07
Von Anneke Bokern @ 13:27 So sieht ein typischer Deutschlehrer aus. Meinen zumindest die meisten Niederländer, die in der Schule Deutschunterricht hatten. Deutsch ist aufgrund seiner wunderlichen Grammatik und der jugendlich-sympathischen Lehrkräfte, die es unterrichten, hier ein ungefähr ebenso beliebtes Fach wie bei uns Latein.
Der Herr namens Krüger tritt dementsprechend in einem Werbespot vom niederländischen Finanzamt auf, der darauf aufmerksam machen soll, dass Freiberufler dieses Jahr besonders streng kontrolliert werden. Schluck... 2006-03-06
Von Anneke Bokern @ 12:58 Ein magenerweichendes, tiefes Brummen zieht derzeit durch das Museum Boijmans van Beuningen in Rotterdam. Es gehört zu einer Installation, die den fegefeuergleichen Eingang zur Ausstellung DARK bildet. Wie war das doch gleich? "Ihr, die Ihr eintretet, lasst alle Hoffnung fahren."
Naja, ganz so extrem sind die dargebotenen Werke dann doch nicht. Aber DARK widmet sich bis 17.4. der düsteren Seite des Seins und ihrer Darstellung in der zeitgenössischen Kunst. Die kann auch mal schneeweiß sein, wie in Terence Kohs Rauminstallation. Oder schrecklich niedlich, wie Jürgen Tellers Foto eines Säuglings im Motörhead-T-Shirt. Oder nur für Eingeweihte aus den Werken herauszulesen, wie bei Luc Tuymans Gemälden. Aber größtenteils ist sie schwarz und/oder böse.
Und das ist den Kuratoren zufolge auch die momentane Gemütsgroßwetterlage. "DARK ist eine Ausstellung, die den gegenwärtigen Zeitgeist interpretiert und eine neue, zeitgenössische Form von Authentizität präsentiert", heißt es im Pressetext. Gothic's not dead!
 Fumie Sasabuchi
 Dirk Braeckman
 Luc Tuymans 2006-03-02
Von Anneke Bokern @ 11:36 Am 25.2. lief auf Nederland 1 die erste Folge einer neuen Fernsehserie namens "Ontwerpprijs 2006", zu Deutsch: Entwurfspreis 2006.
Sendungen wie diese sind der Grund, weshalb die Niederlande noch immer als gelobtes Land für junge Architekten gelten. Projektentwickler MAB hat einen Wettbewerb namens Smart Start für Architekten unter 35 Jahren ausgeschrieben, die einen "marktgerichteten Entwurf oder ein Wohnkonzept für junge Leute" für ein Grundstück in Den Haag entwickeln sollen. Aus den zahlreichen Bewerbern wurden drei Büros ausgewählt, die ihren Entwurf ausarbeiten dürfen und über die an den kommenden Samstagnachmittagen jeweils ein zwanzigminütiges Porträt im Fernsehen zu sehen sein wird. Am 25. März wird das Finale gezeigt: Dann präsentieren die Büros ihre Entwürfe einer Jury und wird der Gewinner gekürt. Anschließend soll der Entwurf gebaut werden.
Hier die drei Teilnehmer IN/OP, YUM und SmartLab:

Nervig animiertes GIF: Avro
Von Anneke Bokern @ 10:58 Jugendlichkeit ist in der niederländischen Politik offenbar ein Muss. Schließlich war selbst Ministerpräsident Balkenende bei seinem Amtsantritt vor vier Jahren gerade einmal 46 Jahre alt. Am 7. März sind in Amsterdam Gemeinderatswahlen, und die Stadt hängt voller Plakate, von denen erstaunlich junge Kandidaten lächeln. Eine kurze Recherche hat ergeben: Keiner ist älter als Balki beim Amtsantritt! Das Küken im Bunde ist Lodewijk Asscher von der PvdA, der gerade mal 31 Lenze zählt.
Da fühlt sich manch ein Politiker älteren Semesters offenbar genötigt, irgendwie mitzuhalten. Nur so kann ich mir erklären, dass Justizminister Piet Hein Donner - geboren 1948 - nun unter dem Namen "De Don" einen Rapsong aufgenommen hat. Mit tatkräftiger (und musikalisch dringend notwendiger) Unterstützung eines Rappers namens Meester G. sprechsingt der Christdemokrat über Drogenpolitik. Kurze Kostprobe aus dem Text:
In diesem Land mit 16 Millionen Weisen
Frage ich: Was wollen wir beweisen?
Der Joint machte uns bekannt,
Aber die Nachteile werden nie genannt.
Was tut man nicht alles für Wählerstimmen...
Von Anneke Bokern @ 10:36 Abgewrackte Hafenkräne, Eisenbahntunnels im Bau, Radarstationen, Schlachthäuser. Wer Rotterdam mal von einer anderen Seite sehen will, aber keine Lust hat, von Wachhunden angeblafft zu werden oder sich die Hosen an Stacheldraht aufzureißen, sollte einen Blick auf die Website Urban Adventure in Rotterdam werfen. Dort finden sich jede Menge Berichte über Expeditionen zu Unorten in und unter der Stadt. Nur wenn es die Forscher in unterirdische Tunnellabyrinthe zieht, müssen sie in Nachbarländer ausweichen, denn die gibt es im sumpfigen holländischen Grund eher selten. Hier haben die meisten Häuser ja nicht mal einen Keller. |