prettige kerstdagen

Illustration von Sabine Heine
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2005-12-21 prettige kerstdagenIch verabschiede mich hiermit in die Weihnachtsferien und wünsche Euch allen prettige kerstdagen en een gelukkig nieuw jaar. Anfang Januar werde ich mich zurückmelden. Und falls Ihr noch einen Wunsch frei habt, wünscht mir doch bitte weniger Regen und mehr Schnee in die Niederschlagslande. Ich hab doch noch nie die Elfstedentocht gesehen... ![]() Illustration von Sabine Heine relativitätstheorieRechtzeitig vor Weihnachten fand vorgestern die offizielle Eröffnung des Wohnturms Montevideo auf der Hafenhalbinsel Kop van Zuid in Rotterdam statt. Der Bau von Mecanoo ist das höchste Wohnhochhaus der Niederlande. ![]() Die Einwohner von Tilburg dürften stinkig sein, denn bisher hielt die Provinzstadt im Süden der Niederlande diesen Rekord mit dem 141 Meter hohen Westpoint-Turm. Nun überragt Montevideo ihn um 11 Meter. Das Hochhaus beherbergt 150 Miet- und Eigentumswohnungen der gehobenen Preisklasse, ein Fitnesscenter und Gewerbeflächen im Sockelbau. Im obersten Stockwerk liegt - als hätte man's nicht geahnt - das größte Appartment, inklusive Pool auf einer riesigen Dachterrasse. Ob so etwas angesichts der steifen Rotterdamer Nordseebrise und des eher feuchtkühlen niederländischen Klimas überhaupt nutzbar ist, ist vermutlich nebensächlich. ![]() Ästhetisch zeugt der Turm vom Versuch, "gezelligheid" in die Mega-Architektur zu bringen. Traditioneller Backstein als Fassadenmaterial, Bullaugenfenster als Anspielung auf den Hafen. Der Altbau des Hotel New York wirkt daneben dennoch, als wäre er gerade aus dem Überraschungsei geschlüpft. ![]() Francine Houben, die Chefin von Mecanoo, konnte sich aber nicht allzu lange in der Medienaufmerksamkeit sonnen. Nur einen Tag nach der Montevideo-Eröffnung wurde bekannt, dass das niederländische Büro Information Based Architecture (von dem ich übrigens vorher noch nie etwas gehört hatte) im chinesischen Guangzhou das größte Gebäude der Welt errichten wird: einen 610 Meter hohen Fernsehturm. Alles ist relativ. ![]() 2005-12-02 Schwarz, weiß, blauBesonders viel Fingerspitzengefühl legen die Niederländer nicht an den Tag, wenn es um die wunden Punkte von Angehörigen ethnischer Minderheiten geht. Zwar herrscht die heilige holländische Poldertoleranz, aber allzu dünnhäutig sollten die Geduldeten besser nicht sein. "Stell Dich mal nicht so an", lautet das pragmatische Motto. Farbige Mitbürger heißen hier immer noch "neger", und Schulen mit überwiegend ausländischen Schülern werden als "zwarte scholen" bezeichnet, auch wenn die Schülerschaft hauptsächlich aus Marokkanern besteht. Kurioserweise heißt das Gegenteil nicht "blonde" sondern "witte school". Immerhin taucht das Thema alle Jahre wieder im Dezember in der Presse auf. In ein paar Tagen ist nämlich Nikolausabend, und der ist in den Niederlanden traditionell weit bedeutender als Weihnachten. Einerseits erweisen die Niederländer sich hier als unerwartet rücksichtsvoll gegenüber den Gefühlen Anders- oder Garnichtgläubiger: In Amsterdam hängt im öffentlichen Raum nirgends Lichterschmuck mit christlichen Motiven, sondern ausschließlich neutrale Sterne. Andererseits schmeckt es doch ein wenig seltsam, dass St. Nikolaus prinzipiell mit einem Trupp "zwarte Pieten" als Helferlein durchs Land zieht - und das sind schlichtweg Negersklaven. Diverse Antidiskriminierungs-Stiftungen finden das gar nicht lustig und organisieren zum Beispiel Umzüge mit blauen statt schwarzen Pieten in Stadtteilen, die hauptsächlich von Surinamesen und Schwarzafrikanern bewohnt werden. ![]() Eine solche Stiftung hat vor kurzem auch angemerkt, dass das Wort "negerzoen", also "Negerkuss" diskriminierend sei, worauf die niederländische Öffentlichkeit eher belustigt reagierte. Die Zeitung NRC Handelsblad rief jedoch dazu auf, alternative Namen für die Süßigkeit vorzuschlagen. Ungeschlagener Favorit war die "Schoko-Burka". Hätte man die aktuellen Diskussionen über religiöse und ethnische Konflikte aller Art schöner in einem einzigen, klebrig süßen Objekt ausdrücken können? ![]() 2005-12-01 brad vs bildIn den kleinen Niederlanden werden immer mehr international ausgerichtete, englischsprachige Architektur- und Designzeitschriften herausgebracht. Damit erweitert man den Absatzmarkt, profitiert aber gleichzeitig von den letzten warmen Ausläufern des Superdutch-Booms. Eher zwangsweise (akuter Subventionsschwund) benannte Archis sich vor einiger Zeit in Volume um und erscheint nur noch auf Englisch. Seit nunmehr einem Jahr gibt es außerdem A10, ins Leben gerufen vom Architekturjournalisten Hans Ibelings. Und nun hat das neueste Baby das Licht der Welt erblickt: MARK, gemacht von derselben Redaktion wie die Designzeitschrift Frame. Zugegeben, es ist nicht gerade ein zierliches Kind. Genau genommen kann MARK es in Sachen Umfang beinahe mit dem Telefonbuch der Dorfmetropole Amsterdam aufnehmen. Aber offenbar will das Magazin sowohl formal als auch inhaltlich das volle Gegenteil von A10 sein. A10 ist auf dünnem Papier gedruckt, für ein paar Euro zu haben, berichtet recht neutral über so ziemlich alle Architekturprojekte, die zwischen Holland und Litauen gebaut werden, und illustriert sie gerne mit briefmarkengroßen Fotos. MARK besteht hingegen aus Papier in Kartonstärke, ist (gelinde gesagt) schweineteuer und berichtet nur über handverlesene Starchitecture-Projekte, die sich dafür auf bis zu zehn grafisch anspruchsvollen Heftseiten breitmachen dürfen. „Sowas hat Brad Pitt auf dem Sofatisch liegen“, witzelte Archined kürzlich über MARK und spielte damit auf die berüchtigten architektonischen Ambitionen des Waschbrettträgers an. Dagegen wird A10 gerne mal als „BILD-Zeitung für Architekten“ verunglimpft. Das Wettbüro ist also eröffnet: Welche Zeitschrift wird sich behaupten können? Ich enthalte mich wegen Befangenheit... Volume wird jedenfalls eher nicht der Gewinner sein, denn ihr Herausgeber, die Stiftung Artimo, hat letzte Woche zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit Konkurs angemeldet. ![]() | |||