Team 10

[Architektur]
Am vergangenen Samstag wurde im NAi in Rotterdam eine große Ausstellung über das Team 10 eröffnet. Alles, was im Zehnerteam Rang und Namen hatte, ist mit Plänen und Skizzen vertreten: die Smithsons, Aldo van Eyck, Jaap Bakema, Giancarlo de Carlo, Georges Candilis, Shadrach Woods, etc.

Keine Frage, dass das eine wichtige und spannende Ausstellung ist. Schließlich sind die 50er und 60er Jahre momentan sehr angesagt, und Koolhaas und Co lassen sich gerne von spätmoderner Architektur inspirieren. Man kann sich aber auch über Kleinigkeiten freuen: etwa Bakemas elegante Skizzen und Perspektivzeichnungen, die ich mir ohne zu zögern übers Sofa hängen würde. Da möchte man manch einem Jungarchitekten die Maus entwinden und ihm mal wieder einen Stift in die Hand drücken.

Einen einzigen Haken gibt es an der Ausstellung: Sie ist zu groß. Der Besucher wird von hunderten Exponaten erschlagen. Wenn man die Hälfte gesehen hat, ist die Festplatte voll. "Die Länge eines Films sollte immer in direktem Verhältnis zur Ausdauer der menschlichen Blase stehen", hat Hitchcock mal gesagt. Etwas umformuliert wäre das auch kein schlechter Leitsatz für die Kuratorenzunft.

museumsPlatzmuseum

[Architektur]
Heute ist der letzte Tag, an dem das Pleinmuseum auf dem Museumplein steht. Was tagsüber wie das vergessene Überbleibsel einer Zirkusvorstellung aussieht, entfaltet sich bei Anbruch der Dunkelheit zum Projektionspavillion für Videoinstallationen. Und zwar vollautomatisch.

Das Konstrukt aus Stahlrohr und Leinwand wurde vom Architekten René van Engelenburg entworfen, ist den Sommer über von Stadt zu Stadt gezogen und soll sein Beitrag zur Diskussion über die Zukunft der Museen sein. Ein großes Thema in den Niederlanden, und vor allem in Amsterdam, denn immer weniger Holländer lassen sich ins Museum locken. Ohne die Rembrandt- und Van-Gogh-gierigen Touristen liefe da gar nichts.

Schon lange wird darüber diskutiert, wie dem Besucherschwund beizukommen ist. Meistens heißt es dann, dass die Museen nicht "zugänglich" genug und die Ausstellungskonzepte zu elitär seien. Aber lassen sich Kunstmuffel wirklich durch eine Senkung des Niveaus bekehren? Mal ehrlich: Selbst wenn man mir die Abseitsregeln gaaaanz einfach erklärt, interessiere ich mich deshalb noch lange nicht für Fußball.

René van Engelenburg verfolgt mit seinem Minimuseum zum Glück einen anderen Ansatz. Er ist der Meinung, dass die Welt eine Alternative zum unzeitgemäßen White Cube braucht. Außerdem öffnet das Pleinmuseum dann, wenn andere Museen schließen, und kostet keinen Eintritt.

Nicht, dass das eine echte Lösung des Problems wäre. Aber es ist ein netter Denkanstoß. Und es zeigt, was holländische Camper schon lange wussten: Manchmal tut's auch ein einfaches Zelt.

Aus neu mach alt

[Architektur]
"Der beste Traditionalismus ist ein Traditionalismus, an dem man vorbeigehen kann, ohne ihn zu bemerken", schreibt Hans Ibelings in Unmodern Architecture, seiner Studie zum momentanen Retrotrend in den holländischen Architektur. Angesichts der Häuserecke Jan van Galenstraat/Hoofdweg kann man da nur sagen: Herzlichen Glückwunsch, Auftrag erfüllt!

Sobald das Bauschild weg ist, wird kaum noch ein Passant merken, dass er an einem Neubau vorbeigeht. Kein Wunder, denn der Neubau sieht dem Wohnblock der Amsterdamer Schule, der dort bis vor einem Jahr stand, verdammt ähnlich. Zum Beweis siehe unten ein Foto von 1967 und eins von gerade eben. Herr Potemkin lässt grüßen.

Darf ich Dir meine Briefmarkensammlung zeigen?

[Design]
Briefmarkensammeln gehört eher selten zu den Lieblingsbeschäftigungen des designbewussten Großstädters. Aber seit in den Niederlanden die neuen "zegeltjes" vom Künstler Martijn Sandberg auf dem Markt sind, ertappt man vielbeschäftigte Kreativlinge plötzlich beim Kleben wohldurchdachter Markenarrangements oder gar beim Einscannen empfangener Briefumschläge.

Sandbergs Postzeichen sind aber auch wirklich hübsch. Statt viel zu kleiner Promiporträts oder schnörkeliger Fonts, ziert sie nur ein silbernes oder goldenes Punktraster, das die Rundungen der Zahnung fortsetzt. Der Wert der Marke steht eigentlich gar nicht drauf - wenn das nicht subversiv ist...

Hochparterre meets world!

[Kurioses]
Herzlich willkommen bei Hochparterre International "Amsterdam". Dieser Blog wird laufend über die neusten Begebenheiten, Trends und Stimmungen zu den Themen Architektur, Design und Kunst in Amsterdam berichten. Kommentare erwünscht. Viel Spass wünscht HOCHPARTERRE - Zeitschrift für Architektur und Design www.hochparterre.ch